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Timo Schisanowski blickt auf die ersten 100 Tage als SPD-Parteichef zurück

06.08.2012 | 10:15 Uhr
Timo Schisanowski blickt auf die ersten 100 Tage als SPD-Parteichef zurück
Timo Schisanowski blickt auf 100 Tage im Amt als SPD-Unterbeziksvorsitzender zurück. Foto: WR

Hagen. „Partei ist Organisation. Organisation ist das Fundament für Erfolge einer Partei.“ Die SPD hat sich nach den monatelangen Flügelkämpfen gerade neu organisiert – mit Timo Schisanowski an der Spitze. Der junge Unterbezirksvorsitzende der ältesten Partei Deutschlands blickt heute auf 100 Tage im Amt zurück. „Der Start hat geklappt, auch wenn ich vorab mächtig Respekt hatte“, zieht der 31-Jährige Bilanz.

Die ersten hundert Tage seiner Amtszeit brachten viel Arbeit mit sich. „Das heißt nicht, dass ich überhaupt kein Privatleben führe, man muss sich Freiräume schaffen“, betont Schisanowski. Ein wenig haftet ihm das Image des Parteisoldaten an. Doch so richtig scheint es den Hobbyjogger nicht zu stören: Schließlich fühlt er sich in der Rolle des Politikers pudelwohl. „Die Bürger sehen mich eben als Politiker, damit muss man professionell umgehen. Mich stört das nicht. Ich habe gerne Kontakt mit Menschen.“ Und so ist er auch bei privaten Besuchen der Spiele von Phoenix oder VfL immer auch Politiker.

Stallgeruch unerlässlich

Zur Partei ist der Abiturient des Christian-Rohlfs-Gymnasiums im Bundestagswahlkampf 1998 gekommen. Seinen Weg zu und in der Politik könnten sich die Imageberater in der SPD-Zentrale nicht besser ausdenken: Im Arbeitermilieu – der Vater ist Bäcker, die Mutter Erzieherin – groß geworden, aus reinem Interesse allein zu einer Ortsvereinssitzung gegangen, von dort zu den Jusos, Beisitzer im Ortsverein, parallel Jusoarbeit, Vize-Ortsvereinsvorsitzender, Vorsitzender in Haspe, 2009 als Bildungsobmann in den Vorstand des Unterbezirk und nun dessen Vorsitzender.

„In der Endphase der Ära Kohl hat mich an der SPD überzeugt, dass sie als Schutzmacht des kleinen Mannes auftrat.“ Kaum zu glauben, dass ein 17-jährige Schüler seine Beweggründe seinerzeit schon so formuliert hätte. Aber der zielstrebige Jungspund möchte nach vorne, da ist sozialdemokratischer Stallgeruch unerlässlich.

Vieles läuft in Schisanowskis politischem Leben nach Plan. Alles nicht. „Eigentlich hatte ich vor in diesem Jahr mein Jurastudium mit Schwerpunkt Arbeits- und Sozialrecht abzuschließen“, räumt der Student der Ruhr-Uni ein. Dann kam’s anders: Jürgen Brand warf den Parteivorsitz hin, so tat sich die Chance für Schisanowski etwas zu früh auf: „Eigentlich wollte ich noch ein Jahr in Jürgens Schatten bleiben“. Seine politischen Instinkte aber witterten die Möglichkeit, die sich unerwartet bot. Als es dann Neuwahlen in NRW gab, war für das Studium erst recht keine Zeit: „Ich werde auf alle Fälle meinen Abschluss machen“.

Strategisch denkender Kopf

Aber erst mal kümmert sich Schisanowski darum, die Hagener SPD fit für die anstehenden Wahlkämpfe zu machen. Auch wenn er seine Person dabei nicht allzu wichtig nehmen möchte, weiß er um die Rolle eines Parteivorsitzenden: „Eine Partei braucht einen strategisch denkenden Kopf.“ Organisation, Kommunikation, Strategie – das sind die Aufgabenfelder, die Schisanowski für sich definiert hat. Jedenfalls für den Augenblick. Denn mit Blick auf die politische Karriere bedarf es zudem noch einer inhaltlichen Profilierung. Soweit mag Schisanowski nicht denken, jedenfalls nicht öffentlich. „Ich bin jetzt hundert Tage im Amt und der Parteivorsitz ist auf lange Zeit angelegt.“ Zu mehr lässt sich der Hasper nicht hinreißen. Ganz Politiker eben. Der Hagener Parteivorsitz wird nicht das Ende der Karriere sein. Doch der Mann geht strategisch vor: einen Schritt nach dem anderen. „Ich weiß nicht, was in fünf Jahren sein wird“, bleibt Schisanowski gelassen. Wenn sich eine Chance für ihn ergibt, wird er bereit sein sie zu ergreifen. Alles eine Frage der Organisation.

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Kommentare
14.08.2012
10:34
Ein Troll nichte weiter ist der Junge
von akivoeg | #10

Dieser Satz aus dem Artikel entlarvt den Artikel Schreiber und die SPD
"„In der Endphase der Ära Kohl hat mich an der SPD überzeugt, dass sie als Schutzmacht des kleinen Mannes auftrat.“ Kaum zu glauben, dass ein 17-jährige Schüler seine Beweggründe seinerzeit schon so formuliert hätte. " Und dann kam Schröder mit Hartz 4 , wo das gut für den kleinen Mann sein soll, erschließt sich wohl keinem. Dann folgendes "Seinen Weg zu und in der Politik könnten sich die Imageberater in der SPD-Zentrale nicht besser ausdenken: " Also Partei Soldat ohne jemals Leistungen erbracht zu haben.Kein Bezug zur Lebenswirklichkeit der Menschen. Wir brauchen Menschen in den Parteien die Arbeite, jden Tag ihr Geld verdienen müssen. Nicht solche Schnuller Träger.

08.08.2012
22:40
Timo Schisanowski blickt auf die ersten 100 Tage als SPD-Parteichef zurück
von Computernutzer1 | #9

Bei oberflächlicher Betrachtung des vorstehenden Artikels mag man dem Eindruck vieler Kommentatoren/Leser zustimmen, dass es sich wohl um einen "PR-Text" für Herrn Schisanowski handelt - aber zwischen den Zeilen zu lesen ist auch wichtig. Darin stellt sich bei mir der Eindruck ein, dass die Autoren richtigerweise immer wieder das "Mehr-Schein-als-Sein-Gebaren" des Herrn S. kritisch anklingen lassen. Wäre mal interessant, was die Autoren wirklich mitteilen wollen... Vielleicht gibt es mal eine Reaktion auf die vielen kritischen Anmerkungen hier?!

07.08.2012
22:51
Timo Schisanowski blickt auf die ersten 100 Tage als SPD-Parteichef zurück
von bornto | #8

Viel Erfolg beim Nachholen ihres Abschlusses, Herr Schisanowski!
Armes, armes Hagen. Bin mal gespannt, wann sich die überregionalen Medien mit dieser Groteske beschäftigen!

07.08.2012
17:52
Werbetext statt Journalismus
von degree37celsius | #7

Die Hagener SPD wirbt übrigens aktuell mit diesem Artikel im Volltext ganz oben auf der Startseite ihres Webauftrittes. Das Faktum sollte den Journalisten, welche diese Hofberichterstattung verbrochen haben, eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Zudem handelt es sich ja nicht um den ersten derartigen Vorgang.

Schon zur Wahl von Schisanowski zum lokalen SPD-Vorsitzenden erschien ein Artikel, welcher in einer Diktatur vielleicht durch mit der Lupe zu findende etwaige ironische Untertöne etwas mutig gewesen wäre, in einer Demokratie jedoch schlichtweg als platte Lobhudelei fungiert.

Allmählich stellt sich die Frage, ob das System hat und wer diesen Kurs dann vorgibt?

Was hinderte die Redaktion, Schisnanowski auch mit kritischen Fragen zu interviewen, das transparent zu dokumentieren und davon getrennt einen - oder wenn es deutlich unterschiedliche Einschätzungen gibt: zwei - Kommentar(e) zu verfassen? Platzmangel kann es angesichts der Sommerlochartikel kaum sein.

07.08.2012
17:32
Wo bleiben die politischen Inhalte der Hagener SPD?
von degree37celsius | #6

Bereits im Frühjahr 2012 versprach die zuvor jahrelang zerstrittene Hagener SPD, sich nicht nur im pöstchenbezogenen Beutekompromiss zwischen den beiden innerparteilichen Clans zu verständigen - bei deren Konflikt es sichtlich nie um inhaltliche Differenzen ging, weshalb es euphemistisch irreführend ist, das peinliche Pöstchengezänk als politisch-inhaltlichen "Flügelkampf" zu bezeichnen -, sondern rasch zu versuchen, sich in der Hagener Öffentlichkeit endlich auch mal mit politischen Inhalten zu profilieren. Geschehen ist diesbezüglich bislang jedoch nichts!

Wenn Herr Schisanowski in aller Bescheidenheit andeutet, dass er sich selbst für einen bedeutenden strategischen Kopf hält und von Mitgliedern seines Clans - auch noch völlig unerwarteter Weise - zumindest bestätigt wird, dass er keinen neuen Schaden angerichtet habe, dann sollte das doch eher kritische Nachfragen aufwerfen.

Oder ist etwa Profillosigkeit ("Currywurst ist SPD") das strategische Ziel der Beliebigkeit?

07.08.2012
16:47
Vertreter der "Schutzmacht des kleinen Mannes" ließ sich auf Kosten aller für 31000 Euro feiern
von degree37celsius | #5

Wie hier in der Lokalpresse ein Pappkamerad des Hasper Sonnenkönigs hagiographiert wird, stellt einen Tiefpunkt des Journalismus dar.

Wo bleiben die kritischen Fragen zur Rolle SPD-Schisanowskis als Aufsichtsratsvorsitzender des städtischen Unternehmens HGW?

Hierbei geht es nicht nur darum, wie SPD-Kaerger ungehindert Geld für seine Fete verschwenden konnte, der Aufsichtsrat erst reagierte, nachdem der Sachverhalt weit später von Unbekannt der Presse durchgestochen worden war, dann der Aufsichtsrat deutlich zu wenig Rückzahlung forderte und noch weniger von Kaerger erhielt und akzeptierte, sowie sich selbst von jeder Mitverantwortung freisprach.

Nein, es sollte auch um die inzwischen bekannt gewordenen Zustände in der HGW gehen, deren Mitarbeiter gerade unter der gelobhudelten Aegide Kaergers einen hohen Krankenstand aufwiesen (die Rede ist von Mobbing!) und man sich mit Mitarbeitern vor dem Arbeitsgericht streitet. Wo war da die Aufsicht des tüchtigen Aufsichtsrates?

06.08.2012
19:41
Das Sommerloch
von maverick0771 | #4

ist wohl endgültig auch in Hagen angekommen... Was ist denn in den 100 Tagen in der SPD passiert? Richtig: Nichts. Es gibt ein von oben verordnetes Stillhalten. Und natürlich wird Herr Schisanowski eine Chance ergreifen, wenn sich ihm eine bietet! Wie bisher auch! Früher oder später wird allerdings genau dieser Opportunismus auffallen. Und dann war es das mit der Karriere. Wenn diese Stadt wirklich von einem Studenten, der es in 10 Jahren nicht einmal schafft, sein Studium abzuschliessen, und einem Stromableser geführt werden soll, dann wünsche ich gute Nacht.
Und ein Fettnäpfchen ist wohl dem wohlmeinenden Genossen entgangen: Kaerger! Da findet sich sehr gut wieder, wie ein Politiker dieser Art zu ticken hat. Man distanziert sich in dem Moment, wo die Öffentlichkeit erfährt, was man eigentlich getan hat... Spannend wird, wen er denn für die Wahlen vorschlagen will. Ob er dann nach Fähigkeiten aussucht oder nach Alter. Dann bekommt Hagen vielleicht eine(n) OB, der noch keine 35 ist.

06.08.2012
16:02
Timo Schisanowski blickt auf die ersten 100 Tage als SPD-Parteichef zurück
von Andercover | #3

Bisher habe ich Martin Krehl immer für einen guten, weil auch kritischen Journalisten gehalten . Nach obigem Geschreibsel frage ich mich allen Ernstes , ob der lobreden Schreiber aus der HGW Affäre dafür verantwortlich ist. Die Nähe zum Langzeitstudenten und der Allzweckwaffe der SPD , früher einmal einen Arbeiterpartei , jawohl Arbeiterpartei,
ist ja zweifelsfrei gegeben. Was für ein Polit Theater, da muss einem ja schlecht werden !

06.08.2012
14:30
Selten so eine . . .
von SchwarzerRitter | #2

. . . Hofberichterstattung gelesen! Die Schreiber wären besser beim "Vorwärts" aufgehoben. Ich meine, so hieße die SPD-Mitgliederzeitung. Es wird "kritischer Journalismus" gebraucht, gerade in Hagen! Erste Journalisten-Regel: Meldung und Meinung trennen! Hier fließt derart viel von der eigenen - ungemein positiv beurteilenden - Meinung ein, daß man glauben könnte, der Artikel wäre von der Pressestelle der SPD geschrieben! Keine Sternstunde von WR und WP!

06.08.2012
11:22
Glückwunsch
von allesimlot23 | #1

an die SPD und Schisanowski, der die Partei sehr solide anführt. Genau das war unter seinem Vorgänger nicht der Fall. Noch zu Jahresbeginn war die SPD in einem katastrophalen und hoffnungslosen Zustand! Daran sei erinnert. Deshalb umso mehr Respekt für Schisanowskis ersten 100 Tage.

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