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Thematische Entwicklungen mit großem sinfonischem Atem

20.06.2007 | 08:36 Uhr

Hagen. (C.C.) Statt eines heiter bis wolkigen Potpourris beliebter leichter Melodien, passend zur frühsommerlichen Atmospäre, wurde zum Saisonausklang der Sinfoniekonzerte schwere Kost mit massivem sinfonischem Besteck serviert.

Bei einer "Wallfahrt zu Wagner" kamen Orchester, Dirigent und nicht zuletzt die tapferen Zuhörer im brütenden Saunaklima der Stadthalle gehörig ins Schwitzen.

Dabei gestaltete Richard Wagner neben seinen weltumspannend mystischen Breitwand-Epen der großen Opern auch kammermusikalisch-intime Momente. So schuf er zum 33. Geburtstag von Liszts Tochter Cosima, seiner späteren Ehefrau, das "Siegfried-Idyll" - eigentlich für den kammermusikalischen Hausgebrauch.

Hier schuf das Orchester unter Antony Hermus trotz groß besetztem Orchesterapparat ein filigranes, transparentes Klangbild mit exquisiten Holzbläserfarben, einem samtig weichen Streicherton wie aus einem Guss und kristallklar intonierten, sanft leuchtenden Blechbläsern.

Eine besondere Hagener Erstaufführung waren die fünf "Wesendocnck"-Lieder in der Orchestrierung von Hans Werner Henze. Wagners Vertonung von fünf Gedichten seiner Geliebten Mathilde Wesendonck, ursprünglich für Sopran und Klavierbegeitung gesetzt, erschienen in der Orchestrierung von Felix Mottl in allzu dickem instrumentalem Pinselstrich. In der entschlackten, ausgedünnten Instrumentierung von Henze bestechen die fünf von Schopenhauer inspirierten poetisch-philosophischen Abhandlungen über die Erlösung der Leidenschaft durch den Übergang ins Schattenreich des Todes durch filigrane dynamische Abstufungen und reizvolle Klangkombinationen einzelner Streich- und Blasinstrumente. Die Australierin Liane Keegan setzte mit sanft aufleuchtendem Timbre und und dezent durchdringender vokaler Strahlkraft dem Geflecht der Instrumentalstimmen die akustische Krone auf. Die Mezzosopranistin traf, integriert in die dynamisch umsichtig gestaltete instrumentale Begleitung, die gespenstische, aschfahle Todessehnsucht in "Der Engel" und "Im Treibhaus" mit ebensolcher souveränen Sicherheit der Empfindung wie die selige Verklärtheit im abschließenden Lied "Träume".

Eine Art instrumentale Inhaltsangabe und motivisch- thematische Zusammenfassung der grandiosen Oper "Tristan und Isolde" schuf der Niederländer Henk de Vlieger 1994 mit seiner einstündigen sinfonischen Fantasie "Tristan & Isolde. An Orchestral Passion". Hier spiegelt sich das dramatische Treiben um Intrigen, Machtkämpfe und das stürmische Liebespaar, das gemeinsam in den erlösenden Tod gehen will, auch ohne szenische Darstellung in den thematischen Verzweigungen der Partitur. Hier zeichneten Antony Hermus und das Hagener Orchester groß angelegte dynamische Steigerungen und thematisch-motivische Entwicklungen als weitrechende Spannungsbögen mit großem sinfonischem Atem nach.

Am Schluss der Abenteuerexpedition durchs Wagners Klanggefilde bekamen von den begeisterten Ovationen fürs Orchester die Hornisten und die solistischen Holzbläser, allen voran das Englischhorn, den verdienten Sonderapplaus inklusive einem Gläschen Sekt, das Dirigent und Musikern zum Saisonabschluss kredenzt wurde.

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