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Theater Hagen zeigt beeindruckende Iszenierung von Meisteroper Don Carlo

11.11.2012 | 17:29 Uhr
Rainer Zaun als Filipp II. und Kristine Larissa Funkhauser als Prinzessin Eboli in der Hagener „Don Carlo“-Inszenierung.Foto: Theater Hagen / Kühle

Hagen.  Das Theater Hagen zeigt Verdis Meisteroper „Don Carlo“ mit einem wirklich großartigen Sängerensemble. Für die Regie gibt es vom Publikum Buhs und Bravos gleichermaßen. Und Beifall im Stehen gab es für den Intendanten Norbert Hilchenbach.

Was das Theater Hagen für Stadt und Region bedeutet, zeigt die aktuelle „Don Carlo“-Inszenierung beispielhaft. In einer beeindruckenden Ensemble-Leistung wird Verdis Oper zum Versuchslabor der großen Gefühle. Die Regie ist kontrovers, dafür gab es nach der Premiere Buhs ebenso wie Bravorufe, aber sie hat Fallhöhe. Und Beifall im Stehen gab es für den Intendanten Norbert Hilchenbach, der am Ende der Vorstellung die gefährdete Situation des Hauses ansprach und das Publikum bat, für das Theater einzutreten.

Don Carlo ist ein getretener Wurm mit psychotischen Schüben. Das Rollenprofil, das Regisseur Philipp Kochheim dem Titelhelden verpasst, bringt die ganze Inszenierung in Erklärungsnot. Denn warum sollte sich eine Königin wie Elisabetta in eine derartig kaputte Figur verlieben, warum sollte ein intelligenter Posa sich opfern, damit der zum Regieren sichtlich unfähige Carlo König werden kann? Also bleibt nur die Überlegung, dass Carlo den Dreieckskonflikt mit dem übermächtigen Vater und der begehrten Stiefmutter fantasiert und am Ende Amok läuft – darauf würde das Eingangsbild mit seinen Alpträumen und der Beerdigung hinweisen. Doch keine noch so bemühte Deutung überzeugt wirklich, auch wenn der historische Carlo tatsächlich bucklig und psychotisch war.

Carlo wird verfolgt vom Scheinwerferlicht

Sehr sprechend ist dagegen die Idee, die Geschichte nach der Jahrhundertwende anzusiedeln, in den Sepiatönen der frühen Fotografie und mit allgegenwärtigen Plattenkameras, die zeigen, dass es sich um ein Familiendrama handelt, dessen Protagonisten sehr öffentliche Leute sind. Es gibt zahllose Bilder von ihnen, doch ein echtes Selbstbild findet höchstens der Marquis von Posa. Kochheim und Ausstatterin Uta Fink lassen die Handlung auf der nackten Bühne spielen; das Licht steht im Vordergrund. Carlo wird von zahllosen Scheinwerfern regelrecht verfolgt, die Beleuchtungsbrücke hängt im letzten Bild wie ein böser Alpdruck tief auf der Szene, die wie eine Rumpelkammer alle Requisiten der vorangegangenen Akte versammelt.

Theater öffnet Pforten

In einer solchen Interpretation gewinnt natürlich der Filippo die tragische Faszination, die dem Titelhelden abgezogen wird. Rainer Zaun, der Bayreuth-Solist, ist nicht nur ein höchst präsenter Sängerdarsteller, er kann mit seinem wunderbaren Bassbariton viele emotionale Zwischentöne zeichnen. Als König ist er ein gefühlskalter Kontrollfanatiker, privat ein gebrochener Mann, dem das Glück durch die Finger rinnt.

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Kommentare
12.11.2012
19:54
Familientragödie im Scheinwerferlicht
von ffolkes | #2

OK, es sind beide Schreibweisen möglich - je nach Version.
Asche auf mein Haupt!

12.11.2012
19:44
Familientragödie im Scheinwerferlicht
von ffolkes | #1

Aha - Don Carlo.... meines Wissen wurde Oper Don CarloS aufgeführt.
Oder sollte der Autor Don CarloS mit der Comic-Figur Kater CarlO verwechselt haben?

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