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Piaf-Musical

Theater Hagen bringt Edith Piaf im Musical auf die Bühne

14.02.2016 | 17:38 Uhr
Theater Hagen bringt Edith Piaf im Musical auf die Bühne
Judith Guntermann leiht Edith Piaf im Theater Hagen ihre Stimme.Foto: Klaus Lefebvre / Theater Hagen

Hagen.   Die große Sängerin Edith Piaf hat um ihr Leben gesungen. Im Theater Hagen wird sie jetzt in dem Stück „Piaf“ wieder lebendig.

Die Einsamkeit begleitet sie wie ein schwarzer Schatten, und zwar ein Leben lang. Unzählige Liebhaber können das Gefühl des Alleinseins ebenso wenig lindern wie Alkohol und Drogen ihm die scharfen Kanten nehmen. Nur wenn sie singt, fühlt sich Edith Piaf ganz und heil, nur dann gibt es „La vie en rose“.

Das Theater Hagen bringt jetzt die Geschichte der weltberühmten Sängerin auf die Bühne. Der Abend wird zum Triumph für Judith Guntermann, die dem Spatz von Paris ihre Stimme leiht. Das begeisterte Publikum will am Ende der Premiere gar nicht mehr aufhören, im Stehen zu applaudieren.

Ein Leben wie ein Roman, das von der Gosse auf die wichtigen Bühnen führt, das Abstürze ebenso kennt wie Höhenflüge und Legendenbildung, das Chansons schafft, die unsterblich werden. „Jedes Mal, wenn sie singt, meint man, sie risse sich endgültig die Seele aus dem Leib“, so beschreibt ihr Freund, der Dichter Jean Cocteau das Geheimnis der kleinen Frau mit der ganz großen Ausstrahlung.

Die Autorin Pam Gems hat aus dieser schillernden Biographie 1978 ein Schauspiel mit Musik geschaffen, das sehr erfolgreich ist. Regisseur Thomas Weber-Schallauer und Bühnenbildner Peer Palmowski siedeln in Hagen die Handlung unter dem Eiffelturm an, mit gemalten Paris-Prospekten. Die Drehbühne kann sich gar nicht so schnell bewegen, wie das Schicksal Edith Piaf, geborene Edith Giovanna Gassion, Tochter einer minderjährigen Straßensängerin und eines wandernden Zirkusakrobaten, in den Olymp des Künstlerdaseins und wieder zurück katapultiert.

Kultur
Die Sängerin ermöglicht viele Karrieren

Edith Piaf wurde am 19. Dezember 1915 als Tochter einer Straßensängerin und eines Zirkusakrobaten geboren. Sie wuchs im Bordell ihrer Großmutter in der Normandie auf. Als sie mit vier Jahren erblindete, sollen der Legende nach die Puffdamen ihr Erspartes zusammen gelegt haben, um ihr eine Wallfahrt zur hl. Therese von Lisieux zu spendieren, wo sie geheilt wurde. Mit nur 47 Jahren starb sie am 10. Oktober 1963.

Ein mit sieben Smaragden besetztes Kreuz trug die Sängerin immer um den Hals. Es war ein Geschenk ihrer Freundin Marlene Dietrich.

Ihre Intensität trieb Edith Piaf von einem Mann zum anderen. Einigen ermöglichte sie eine Karriere. Dazu gehörten Yves Montand, Charles Aznavour und Georges Moustaki, der für sie „Milord“ komponierte.

„Piaf“ ist am Theater Hagen wieder zu sehen am: 20., 25. Februar, 4., 13., 17. März, 1., 20., 23. April, 25. Juni. Karten:
02331 / 2073218 oder www.theaterhagen.de

Das Stück steht und fällt natürlich mit der Piaf-Darstellerin. Und hier landet Hagen einen Volltreffer. Judith Guntermann brennt mit ganzer Seele für die Rolle, sie hat eine sensationelle Stimme, dunkel und mit einer Prise Frechheit grundiert, voller Herzenswärme, aber, wenn es sein muss, auch mit stählernem Rückgrat. Vor das Mikrophon tritt sie stets leicht verwundert und ein bisschen vorsichtig, mit jenem eiligen, staksenden Gang, denn man von misshandelten Kindern kennt, die sich jederzeit zur Flucht bereit halten.

Thomas Weber-Schallauer choreographiert den ersten Teil flott durch, mit köstlichen Slapsticks, etwa wenn zwei Nazi-Offiziere im besetzten Paris per Stechschritt ein Bordell erkunden. Im zweiten Akt gibt es allerdings Längen, denn der Regisseur findet kaum differenzierte Bilder für die Katastrophen, die Edith Piaf ereilen. Die Autounfälle, die durch Drogenmissbrauch hervorgerufenen Zusammenbrüche und schließlich die Krebserkrankung, all das wird mit Morgenmantel und Pantoffeln visualisiert. Nur die veränderten Frisuren verraten den wachsenden Schmerz, die unaufhaltsame Erschöpfung und das Altern.

Handwerkliche Mängel

Hier wird mehr geredet als gesungen, und dabei offenbart sich das handwerkliche Defizit der Inszenierung: Sprachlich ist sie zu nachlässig und unprofessionell gearbeitet. Bühnen-Routinier Werner Hahn spricht gut verständlich. Die anderen Darsteller, hauptsächlich hochmotivierte Künstler der Hagener Jungen Bühne, kämpfen mit den akustischen Tücken des Großen Hauses.

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Doch wenn Judith Guntermann dann wieder als Edith Piaf ihre Stimme einsetzt, wenn sie Non, je ne regrette rien“ als Lebensmanifest in die Welt schleudert und zusammen mit Jacoub Eisa „A quoi ca sert, l’amour?“ anstimmt, ist das alles vergessen, denn dann entsteht echte Magie.

Dieser Zauber wird beflügelt von Andres Reukauf am Klavier und seiner wunderbaren Band, die mit Akkordeon, Schlagzeug und Bass punktgenau das wehmütige und sehnsüchtige Chanson-Lebensgefühl erzeugen. Die Atmosphäre ist so stark, dass nicht wenige Besucher hingerissen mitsingen. Alle anderen träumen von dem Stoff, der für Edith Piaf zum Lebensmotor wird, von Trauer und Glück, Elend und Lust, kurz: von der Liebe.

www.theaterhagen.de

Monika Willer

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Theater Hagen bringt Edith Piaf im Musical auf die Bühne
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2016-02-14 17:38
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