Taxifahrer in Hagen lassen Seniorin mit Gepäck stehen

Taxistand am Hagener Hauptbahnhof: Brunhilde Kemmerich erlebte hier mit vier Fahrern ihr blaues Wunder. Taxifahrer Hüseyin Gürbostan sagt: "Ich hätte sie sofort mitgenommen."
Taxistand am Hagener Hauptbahnhof: Brunhilde Kemmerich erlebte hier mit vier Fahrern ihr blaues Wunder. Taxifahrer Hüseyin Gürbostan sagt: "Ich hätte sie sofort mitgenommen."
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Brunhilde Kemmerich (79) erlebte am Bahnhof ihr blaues Wunder, gleich vier Fahrer weigerten sich, die alte Dame zu chauffieren.

Hagen.. Drei schöne Urlaubswochen bei ihrer im Ausland lebenden Tochter hatte Brunhilde Kemmerich (79) verbracht, als sie frohen Mutes nach langer Rückfahrt wieder am Hagener Bahnhof eintraf. Den Rest des Weges zu ihrem Haus in der Tulpenstraße wollte sie per Taxi zurücklegen und rollte ihren Koffer auf die neben dem Bahnhofsgebäude hintereinander aufgereihten Droschken zu. Doch dann erlebte sie ihr blaues Wunder, gleich vier Fahrer weigerten sich, die alte Dame zu chauffieren. „Ich war wie vor den Kopf geschlagen“, berichtet die durchaus rüstige Seniorin.

Eine Abfuhr nach der anderen

Wie üblich, wandte sie sich an den ersten in der Reihe wartenden Taxifahrer, der sich gerade am geöffneten Fenster mit einem neben dem Wagen stehenden Kollegen unterhielt. Sie nannte ihr Fahrtziel und bat den Mann, ihr gegen ein zusätzliches Entgelt von 5 Euro den etwa 20 Kilo schweren Koffer in die zweite Etage ihrer Wohnung zu tragen. Doch der Fahrer schüttelte den Kopf und erklärte, er sei krank und könne nichts Schweres tragen. Daraufhin wandte sich Frau Kemmerich an das zweite Taxi – und erhielt auch hier eine Abfuhr.

Nein, den Koffer werde er gewiss nicht über zwei Treppen hinauftragen, erklärte der Fahrer der verdutzten Kundin. Bei Taxi 3 und 4 erging es ihr ebenso, statt einer freudigen Begrüßung erntete sie nur Kopfschütteln: „Keiner wollte für fünf Euro meinen Koffer in die zweite Etage bringen.“

Brunhilde Kemmerich wurde ärgerlich, doch bevor sie aufgab, unternahm sie einen weiteren Versuch beim fünften Taxi in der Reihe. Nachdem sie dem Fahrer auseinandergesetzt hatte, was ihr gerade geschehen war und dass sie sich bei der Taxi-Zentrale beschweren werde, bat er sie in seinen Wagen, fuhr sie nach Hause und trug ihr sogar den Koffer in die Wohnung. „Er hatte wohl Mitleid mit mir“, mutmaßt die nach erholsamem Urlaub doch noch gestresste Hagenerin, die froh war, mit ihrem Koffer endlich wohlbehalten in den eigenen vier Wänden angelangt zu sein.

Widerwillige Hilfe

Doch fragt sie sich nach der gemachten Erfahrung, ob ein kleiner Kofferservice für einen Taxifahrer etwa unzumutbar sei, zumal ihr schon auf der Hinfahrt der Taxifahrer, den sie nach Hause bestellt hatte, nur widerwillig und mit der spitzen Bemerkung, dies sei eigentlich nicht seine Aufgabe, beim Transportieren des Koffers behilflich gewesen war. Brunhilde Kemmerichs Vorschlag enthält eine gehörige Portion Sarkasmus: „Wer älter als 50 Jahre ist, sollte keine Lizenz zum Taxifahren mehr erhalten, denn vielleicht wird er ja mal gebeten, einen Koffer zu tragen.“

Die Seniorin will dennoch weiterhin verreisen und hofft darauf, einen netten Taxifahrer zu finden, der ihr den Koffer trägt: „Mit ein bisschen Glück müsste das doch möglich sein. Oder?“