Tauwetter mit Bollermann

Der Abgang von Regierungspräsident Gerd Bollermann durch die kalte politische Küche schlägt bis an die Volme Wellen. Zwar wäre es übertrieben, den Genossen aus Arnsberg als Hagen-Freund abzufeiern. Doch das fragile, oft brüchige und meist von Argwohn geprägte Miteinander zwischen Kommunalaufsicht und Rathaus-Verwaltung hat sich in der Ägide des 66-Jährigen arg entspannt. Dem Doppel Schulz/Gerbersmann scheint es gelungen zu sein, Teile des zerbrochenen Porzellans wieder zu kitten.


Die Missstimmungen hatten sich in den Jahren zuvor nämlich ritualisiert. Zunächst der Zicken-Zoff zwischen Ex-Kämmerin Grehling und Regierungspräsidentin Renate Drewke, die ein inniges Nicht-Verhältnis pflegten. Selbst Gutmensch Wilfried Horn konnte nicht verhindern, dass schwarze Gewitterwolken die ­Deckenbeleuchtung verfinsterten, sobald die beiden Amazonen gemeinsam einen Raum ausfüllten.


Peter Demnitz und Helmut Diegel verband zumindest ein funktionierender persönlicher Draht. Doch wenn’s um die leidige Konsolidierung ging, gab sich der CDU-RP gegenüber dem SPD-OB gerne störrisch. Am Ende bescherte er Hagen den ungeliebten Mentor Bajohr. Dessen radikale Thesen waren schockierend, leider wahr, zerrütteten das Verhältnis jedoch nachhaltig.


Eine schwierige Basis für Jörg Dehm, der es als CDUler bei Bollermann nicht gerade leicht hatte. Zumal der Mülheimer kaum zu jenem Menschenschlag zählte, der durch ausgeprägte Kompromiss- und Beratungsfähigkeit auffällt. Zumindest gelang es Dehm, mit dem Doppelhaushalt 2014/15 ein Stück jener Glaubwürdigkeit aufzubauen, von der Schulz heute profitiert.


Immerhin kann sich Hagen ans Revers heften, dass Bollermann seine letzte Amtshandlung dieser Stadt widmete, indem er Schulz gestattete, das 30-Millionen-Euro-Gesellschafterdarlehen für Enervie zu unterzeichnen. Die Spannung steigt, welche Überraschungen der neue Chef in Arnsberg Hagen serviert.