Suche nach Vergewaltiger geht weiter

Thomas Kohaupt von der Spurensicherung bei der Arbeit.
Thomas Kohaupt von der Spurensicherung bei der Arbeit.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Die Aufklärung eines Verbrechens mittels DNA-Nachweises ist inzwischen Routine, führt aber nicht zwangsläufig zum Erfolg, wie ein Fall aus Hagen belegt.

Hagen.. Die Aufklärung eines Verbrechens mittels DNA-Nachweises ist bei den Ermittlungsbehörden inzwischen Routine. Auch nach Jahrzehnten kann ein Täter durch den genetischen Fingerabdruck überführt werden. Der spektakulärste Fall dieser Art in Hagen war sicherlich der Mord an der 17-jährigen Brunhilde Entz am 9. Januar 1979, der erst 32 Jahre später durch einen DNA-Nachweis auf der Hose des Opfers entschlüsselt werden konnte. Wie sich herausstellte, saß der Mörder bereits wegen eines ähnlichen Deliktes im Gefängnis.

Doch eine positive biologische Probe führt nicht automatisch zu einer Verurteilung. Diese Erfahrung mussten Staatsanwaltschaft und Polizei im vergangenen Jahr machen, nachdem ihnen ein vermeintlicher Vergewaltiger ins Netz gegangen war. Nach monatelanger Untersuchungshaft befindet sich der Mann inzwischen wieder auf freiem Fuß – und das, obwohl das beim Opfer identifizierte genetische Material eindeutig von ihm stammt.

Mann stimmt Speicheltest zu

Was war geschehen? In gewohnt nüchternem Polizeideutsch hatte die Pressestelle der Kripo Ende Juli gemeldet, dass dank eines DNA-Abgleichs ein mutmaßlicher Vergewaltiger gefasst worden sei. Der 28-jährige Hagener war überprüft worden, weil er eine Frau in der Innenstadt unsittlich berührt hatte. Während der Vernehmungen stimmte der bis dahin unbescholtene Mann einem Speicheltest zu, die Probe wurde ans Landeskriminalamt in Düsseldorf weitergeleitet. Und von dort kam die Meldung zurück: Treffer.

Übereinstimmung mit alter Probe

Denn die Daten stimmten mit einer drei Jahre alten Probe überein. Am 30. April 2011 war eine junge Frau (19) auf ihrem Heimweg in der Innenstadt brutal vergewaltigt worden, zu der damals sichergestellten DNA-Spur fand sich jedoch kein Pendant in der polizeilichen Datenbank. So blieb das Verbrechen ungesühnt – bis es im vergangenen Sommer zur Übereinstimmung mit der Speichelprobe des 28-jährigen Sittenstrolchs kam. Prompt wurde der Mann verhaftet und wegen Vergewaltigung angeklagt.

Doch die Sachlage war nicht so eindeutig, wie es zunächst schien. Der vermeintliche Vergewaltiger bestritt die Tat nicht nur vehement, sondern das Gericht bezweifelte auch die „Aussagetüchtigkeit“ des Opfers. Als der dringende Tatverdacht nach einigen Wochen nicht mehr aufrechtzuerhalten war, ordnete der Richter die Entlassung des Angeklagten aus der Haft an.

Vorsicht ist geboten

Abgeschlossen ist der Fall damit nicht. Es werde weiter ermittelt, so Oberstaatsanwalt Dr. Gerd Pauli, der die Hoffnung nicht aufgegeben hat, den Fall doch noch aufzuklären. Zugleich warnt er vor Euphorie. Zwar sei der DNA-Beweis inzwischen ein anerkanntes und nützliches Instrument bei der Identifizierung von Tätern und der Zuordnung von Tatspuren, doch gerade in Indizienprozessen sei Vorsicht geboten: „Ein positiver Abgleich bedeutet nicht zwangsläufig die Aufklärung eines Verbrechens.“

Eine Erkenntnis, die durch die Ermittlungen um die Vergewaltigung vom 30. April 2011 bestätigt wurde.