Strafverfahren gegen betrunkenen Baggerfahrer aus Hagen

Ein 24-Jähriger auf Hafturlaub fuhr mit diesem Bagger durch Hagen-Haspe. Die Verfolgungsfahrt endete in einem Park.
Ein 24-Jähriger auf Hafturlaub fuhr mit diesem Bagger durch Hagen-Haspe. Die Verfolgungsfahrt endete in einem Park.
Foto: Alex Talash
Was wir bereits wissen
Mit einer Baggerfahrt durch Hagen hat ein betrunkener 24-Jähriger am Samstag für Aufsehen gesorgt. Das Baggerfahren hat er im Gefängnis gelernt.

Hagen-Haspe.. Mit seiner Baggerfahrt durch Haspe hatte ein völlig betrunkener 24-Jähriger am Samstagmorgen für Aufsehen gesorgt. Doch warum war er überhaupt in der Lage, solch ein tonnenschweres Gefährt zu steuern? Offensichtlich hat er die Grundlagen während der Haft erlernt. Der 24-jährige Hagener, der trotz seiner jungen Jahre schon mehrfach wegen diverser Straftaten wie Eigentumsdelikten und Körperverletzungen mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, sitzt seit gut zwei Jahren in der Jugend-Justizvollzugsanstalt Iserlohn-Drüpplingsen.

Dort, so bestätigte Leiter Joachim Güttler auf Anfrage unserer Redaktion, absolviere der 24-Jährige eine Ausbildung im Bau-Bereich. „Wir haben hier keine Bagger, aber die theoretischen Grundlagen erlernen die jugendlichen Häftlinge schon.“ Praktisch ausprobiert hat dies der junge Mann nun auf höchst illegale Art und Weise. Nicht nur, dass er sich widerrechtlich Zugang zu dem Bagger verschafft hatte, er war mit 2,2 Promille auch ziemlich betrunken. Das sei aber kein typisches Verhalten für den 24-Jährigen, so JVA-Leiter Joachim Güttler: „Er hatte schon mehrfach Hafturlaub, dabei ist nichts Vergleichbares geschehen.“

Alkohol ist im Hafturlaub verboten

Nun muss er aber die Folgen seiner frühmorgendlichen Eskapaden ausbaden. Erst am Freitag hatte er seinen Hafturlaub angetreten. Schon wenige Stunden später brachte ihn die Polizei zurück nach Drüpplingsen, wo er in der Arrestzelle seinen Rausch ausschlafen konnte. So schnell wird er die JVA-Anlage auch nicht mehr verlassen können. „Er ist vorerst von weiteren Lockerungen ausgenommen“, so Joachim Güttler.

Denn generell sei Ausgang und Hafturlaub an strenge Auflagen gebunden: „Alkohol und Drogen dürfen nicht konsumiert werden, es darf auch zum Beispiel keine Spielbank besucht werden“, so der JVA-Leiter. Derzeit sind etwa 250 jugendliche Straftäter in Iserlohn-Drüpplingser untergebracht. Viele von ihnen bekommen Hafterleichterungen, mit solch gravierenden Fällen wie dem des jungen Hageners hat Güttler aber nur höchst selten zu tun: „Das ist die absolute Ausnahme.“

Ermittlung wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr

Dass der Hagener mit 24 Jahren noch in einer Jugendvollzugsanstalt untergebracht ist, hat seinen Grund: Er war nach Jugendstrafrecht verurteilt worden, offensichtlich weil das Gericht eine Reifeverzögerung bei ihm festgestellt hatte. Im Jugendstrafrecht steht im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht der Erziehungsgedanke im Vordergrund.

Ob der 24-Jährige nun länger in der JVA bleiben muss, wird sich zeigen. Ihn erwartet nach der Baggerfahrt ein neues Strafverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. „Das Ganze hört sich vielleicht lustig an“, so Polizeisprecher Ulrich Hanki. „Aber für die Kollegen war es eine durchaus nicht ungefährliche Situation.“

Nagelmatten sollten den betrunkenen Fahrer stoppen

Der 24-Jährige hatte den Bagger im Bereich Kölner Straße geklaut. Dann bugsierte er ihn durch die Werkstraße und über den Hüttenplatz bis zur Bezirkssportanlage. Insgesamt seien neun Streifenwagen im Einsatz gewesen, so Hanki: „Die Kollegen sind neben dem Bagger herumgelaufen, haben den Mann davon zu überzeugen versucht, dass er stoppen solle.“ Ohne Erfolg. Stattdessen hatte er den Baggerarm in Richtung der Beamten bewegt, dabei auch noch einen Baum beschädigt.

Erst auf der Bezirkssportanlage gelang es einem Beamten, den 24-Jährigen zumindest zu einem kurzen Stopp zu überreden. Andere Kollegen legten derweil „Stop Sticks“, also Matten mit Nägeln aus. Als der junge Mann wieder losfahren wollte, platzten die Reifen – die bizarre Fahrt war vorbei.