St. Bonifatius heißt Ghanaer willkommen

Hiltrud Steinhofer-Haurand zeigt auf einer Karte das Land Ghana, aus dem die Flüchtlingsfamilie stammt.
Hiltrud Steinhofer-Haurand zeigt auf einer Karte das Land Ghana, aus dem die Flüchtlingsfamilie stammt.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Hiltrud Steinhofer Haurand wird als Familienbegleiterin im Hagener Norden regelmäßig mit Problemen konfrontiert. Mal geht es nur um die Hilfe beim Ausfüllen diverser Anträge, in anderen Fällen stehen Familien finanziell oder menschlich vor dem Abgrund. Immer wieder greift die Hohenlimburger Sozialarbeiterin auch Flüchtlingen unbürokratisch unter die Arme; doch trotz ihrer langjährigen Erfahrung nahm sie unlängst besonderen Anteil am Schicksal einer Familie aus Ghana, die in einer Boeler Asylbewerbersunterkunft lebt und künftig in Hohenlimburg eine neue Heimat finden soll.

„Auch, weil ich selbst Mutter bin, hat mich die Geschichte der Frau berührt“, sagt Hiltrud Steinhofer-Haurand. Denn die in ihrer Heimat verfolgte Afrikanerin, die gestern den 27. Geburtstag feierte, hat eine wahre Odyssee hinter sich. Als sie im Juni nach langer Flucht endlich mit ihren zwei- und sechsjährigen Söhnen in Hagen ankam, war sie im sechsten Monat schwanger. Der Vater der Kinder verschwand in den Wirren des afrikanischen Bürgerkriegs; ob er noch lebt, ist ungewiss.

Zunächst teilten sich die Ghanaer eine Wohnung mit einer muslimischen Familie, zu der drei pubertierende Jungen gehören, was unweigerlich zu weiteren Problemen führte. Mittlerweile hat die 27-Jährige aber eine eigene kleine Unterkunft in dem Asylbewerberheim bezogen – mit ihren drei Kindern. Denn im September kam in Hagen eine Tochter zur Welt.

„Für die Frau war es alles andere als leicht, in einem völlig fremden Land ein Kind zu bekommen“, erzählt Hiltrud Steinhofer-Haurand. „Sie spricht unsere Sprache nicht und machte sich außerdem Sorgen, wo sie ihre Söhne während des Krankenhausaufenthaltes unterbringen sollte.“

Offene Türen eingerannt

Mit Unterstützung des Jugendamtes organisierte die Hohenlimburgerin eine Betreuung für die Jungs und wurde zudem ehrenamtlich aktiv. Sie sprach mit Vertretern der katholischen Gemeinde St. Bonifatius, in der sie sich selbst seit vielen Jahren engagiert: „Denn dort überlegen wir schon länger, was wir für Flüchtlinge tun können. Es ist der christliche Auftrag und ein Gebot der Nächstenliebe, diesen Menschen zu helfen.“ Deshalb hatte der Kirchenvorstand die Stadt Hagen vor geraumer Zeit über eine leere Gemeinde-Wohnung Im Weinhof informiert, für die man zunächst aber keine passende Familie fand. Hiltrud Steinhofer-Haurand fragte also bei St. Bonifatius nach, ob man die Ghanaerin mit ihren Kindern aufnehmen könne – und rannte offene Türen ein. Bis zum Einzug im Frühjahr stehen zwar noch einige handwerkliche Arbeiten an, „aber ich bin mir sicher, dass es auch dafür reichlich helfende Hände gibt.“

Doch damit nicht genug. „Wir möchten der Frau eine ganzheitliche Starthilfe bieten und ihr auch in anderen Fragen zur Seite stehen“, verdeutlicht die Sozialarbeiterin. Die diesbezüglichen Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Für die Taufe des Säuglings am 11. Januar wurden bereits passende Kleider, eine kleine Feier und ein gemeinsames Essen organisiert.

Denn schließlich handele es sich bei der Taufe des kleinen Mädchens um ein ganz besonderes Ereignis: „Damit gibt es dann auch ein sichtbares Zeichen für die Aufnahme in unsere Gemeinde.“