Spurensuche auf dem Grund der Glörtalsperre

Breckerfeld..  Ein steifer Westwind peitscht an diesem Morgen den Regen waagerecht über die Glörtalsperre. Hinter dem grünen Lastwagen mit dem Kran suchen zwei Polizisten für einen kurzen Moment Schutz vor den Wassermassen, die vom Himmel fallen. Dabei kann es im Wasser mit konstant drei Grad unangenehmer als oben auf der Mauer kaum sein. Da arbeiten die Beamten der Tauchergruppe Wuppertal zum fünften Mal.

Auf dem Grund in gut 30 Meter Tiefe schlummern Relikte längst vergangener Straftaten. Um elf Tresore haben die Taucher bislang die Seile gelegt, ihre Kollegen oben auf der Mauer haben die mit Wasser gefluteten Geldschränke in diversen Größen hinaufgezogen. Ein Mann, der privat in der Glör tauchte, hatte den Ermittlern den Hinweis auf die Tresore gegeben.

Dass in Talsperren oder anderen Binnengewässern Hinterlassenschaften von Straftaten gefunden werden, ist nicht ungewöhnlich. Dass Tresore in so geballter Form unter Wasser gefunden werden, schon. Noch kann Dietmar Trust nur spekulieren: „Es könnte sein, dass ein und dieselbe Tätergruppe nach Einbrüchen die Tresore hier immer wieder entsorgt hat“, sagt der Polizeisprecher des EN-Kreises, „vielleicht hat sich aber auch jemand darauf spezialisiert, hier Tresore zu entsorgen. Oder es hat sich in Täterkreisen herumgesprochen, dass man hier besonders gut entsorgen kann.“ Die Staumauer liegt weit vom Schuss. Wohnhäuser im Umfeld gibt es kaum. Autos können direkt bis an die Mauer heranfahren.

Drei Geldschränke zugeordnet

Immerhin drei Geldschränke konnte die Polizei bereits zuordnen. Ein Tresor stammt von einem Einbruch in Lüdenscheid aus dem Jahr 2009, einer hatte bis 2011 in Wesel gestanden. In einem dritten wurde ein Schlüssel mit einem Anhänger gefunden, der die Ermittler auf die Spur eines Einbruchs in einen Kindergarten im November 2008 brachte.

„In diesen Fällen war die Zuordnung relativ leicht“, so Trust. Bei anderen Geldschränken mag das länger dauern. In den nächsten Tagen werden die Funde erfasst und in ein polizeiinternes Meldesystem eingestellt, so dass auch andere Behörden Zugriff haben.

Hoher Aufwand für Spurensicherung

Gleichwohl: Der Untersuchungsaufwand, den die Polizei betreibt, hält sich in Grenzen. Spuren sind nach Jahren im Wasser nur mit großem Aufwand zu sichern. „Das ist einfach eine Frage der Verhältnismäßigkeit“, so Trust, „bei einem Kapitalverbrechen würden wir natürlich anders vorgehen.“