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Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich

08.09.2010 | 15:20 Uhr
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich

Hagen.Von Beginn an ließ Oberbürgermeister Dehm keinen Zweifel:Jeder städtische Bereich muss sich dem Spar-Marathon stellen, auch die Hagener Feuerwehr. Jetzt stellte ein Gutachter für 22.000 Euro fest, dass hier wohl alle Potenziale ausgereizt seien.

Kosten ließen sich – vorbehaltlich weiterer Detailgutachten – lediglich durch eine Verlängerung der Hilfsfristen, durch eine Verkleinerung des Fahrzeugparks oder Stellenabbau realisieren. Allerdings auf Kosten der Sicherheit der Bevölkerung sowie der Rettungskräfte.

Ein Jahr lang hatte sich Feuerwehrchef Horst Wisotzki mit der Aufstellung eines neuen Brandschutzbedarfsplans für die Stadt Hagen beschäftigt. Während andere Gemeinden entsprechende Konzepte für höhere sechsstellige Beträge extern erstellen lassen, hatte der 58-jährige Leitende Branddirektor mit fast 40-jähriger Berufserfahrung sich selbst hingesetzt und nach der Reduzierung von drei auf zwei Berufsfeuerwehrwachen sowie der Konzentration von 19 auf 10 Gerätehäuser für die freiwilligen Kräfte in Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg den künftigen Einsatzrahmen für das gesamte Stadtgebiet neu definiert und formuliert.

Ein ähnliches Papier hatte Wisotzki vor Jahren bereits für das Hagener Rettungswesen erstellt und damit selbst den äußerst kritischen Überprüfungen durch die Krankenkassen unwidersprochen getrotzt.

Kein überflüssiger Luxus

Doch auch diesmal sollte nach dem Willen von OB Dehm mit externem Sachverstand die Ausführung des Feuerwehrchefs hinterfragt werden. Jetzt allerdings auf Kosten der Stadtkasse, jedoch mit ähnlichem Ergebnis: In sämtlichen relevanten Feuerwehr-Handlungsfeldern lässt sich, so ergab die kompakte Überprüfung der Gutachter der Beratungsfirma Rinke, kein einziges, sofort erkennbares Einsparpotenzial ausmachen. Überflüssiger Luxus – Fehlanzeige. Die Wuppertaler unterbreiten in einem verkürzten Vorabbericht lediglich drei Vorschläge, bei denen es sich lohne, noch einmal genauer – natürlich mit Folgegutachten unterfüttert – hinzuschauen:

Kommentar
Mangelndes Vertrauen

Bei allem Sparzwang: Bitte nicht auf Kosten der Sicherheit aller Hagener! Existenzielle Aspekte des kommunalen Miteinanders müssen auch in Zeiten der Not ein Tabu bleiben.

Es tut gut zu wissen, dass unsere Feuerwehr momentan angemessen aufgestellt und gerüstet ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der ganz normale Standard, der zu einer Großstadt im 21. Jahrhundert passt und jedem Bürger 24 Stunden am Tag über 365 Tage im Jahr hinweg Sicherheit garantiert.

Traurig nur, dass der neue Oberbürgermeister seinen Beamten nicht das ausreichende Vertrauen schenkte. Stattdessen schickte er erst noch einen Gutachter los, um glauben zu können, dass bei seiner Feuerwehr nichts verplempert wird. Das Honorar für diese Expertise hätte so mancher seit Jahren in der Beförderungswarteschleife darbende Feuerwehrbeamte lieber auf seinem Privatkonto gesehen.

Aber das von der Untersuchung ausgehende, fatale Signal des Zweifels an sämtliche städtischen Bediensteten wirkt noch viel nachhaltiger – nämlich als Stimmungskiller. Dabei wäre eine Atmosphäre des Aufbruchs in diesen Wochen viel eher geboten.

1. So regt Rinke an, die beiden Berufsfeuerwehr-Wachen Mitte und Hohenlimburg an der Universitätsstraße zu einem Standort zu bündeln. Dadurch würde sich jedoch die Hilfsfrist (vom Eingang des Notrufs bis zum Eintreffen am Einsatzort) von derzeit 9,5 Minuten (1,5 Min. Dispositionszeit + 8 Min. Anfahrt) auf 11,5 Minuten verlängern. Wesentliche Teile von Haspe und Hohenlimburg sowie Randlagen von Vorhalle wären selbst in dieser Frist nicht mehr zu erreichen. Somit stiege das Risiko, dass Brandopfer die kritischen Grenzen einen Kohlenmonoxid-Vergiftung überschreiten oder es bei einem ausgedehnten Wohnungsbrand zum so genannten „Flash-Over“ kommt, erheblich. Mal ganz davon abgesehen, dass die Landesregierung endgültig am Verstand der Hagener zweifeln würde, wenn die Stadt aus Spargründen die nagelneue, 27 Millionen Euro teure Feuerwache Ost an der Florianstraße hinterfragen würde.

Einsparpotenzial beim Fuhrpark der Feuerwehr

2. Einsparpotenzial wittern die Gutachten auch beim Fuhr­park der Feuerwehr, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Bislang fußt das Fahrzeugkonzept auf einem mühsam austarierten, zehnjährigen Abstimmungsprozess mit den insgesamt 22 freiwilligen Einheiten. Danach konnten Mitte der 90er Jahre immerhin 19 Großfahrzeuge eingespart werden, so dass jede Löschgruppe lediglich noch über ein Fahrzeug mit Wasser sowie ein weiteres für die Einsatzkräfte verfügt.

3. Genauer hinschauen möchten die Rinke-Experten auch beim Funktionsschlüssel der Berufsfeuerwehr, sprich beim Personalbestand, der permanent in Bereitschaft gehalten werden muss, um die Sicherheit in der Stadt gewährleisten zu können. Das sind in Hohenlimburg 10 sowie in der Wache Mitte 16 Funktionskräfte – fünfmal so viele Beamte werden im Stellenplan benötigt, um dieses Hagener Sicherheitspaket, das etwa 800mal im Jahr abgerufen wird, vorzuhalten. Damit entspricht der Hagener Personalschlüssel genau jenem Niveau, das die Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren NRW für kritische Wohnungsbrände oder auch Einsätze in Hoch- und Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeeinrichtungen als angemessene Untergrenze vorsieht. Die Funktionsstärken unter dieses Level zu reduzieren, würde nicht nur bedeuten, dass für die Brandopfer die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt, sondern auch die Unfallgefahr für die Einsatzkräfte vor Ort steigt.

Martin Weiske

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Kommentare
10.09.2010
12:27
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von Mesocricetus auratus | #19

#17

Das hat man nicht getan. Herr Dehm hat nur, wie meiner Kenntnis nach schon an seiner vorherigen Arbeitsstelle (dort u.a. als FEUERWEHRdezernent) eine unabhängige Meinung eingeholt.
Ich habe mir auch keine Sorgen gemacht, dass der Plan von H.W. echte Schwachstellen hätte haben können.
Was mich ärgert ist, dass dieser Gutachter, wenn das Gegenüber mal nicht H.W. heißt, mit seinen Ideen bundesweit echt Schaden anrichten kann. Oberflächlich gesehen an den Feuerwehren, eigentlich aber am Sicherheitsniveau für die Bevölkerung.

10.09.2010
00:08
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von Flamme | #18

@#17

Von der Fernuni zum Hasper Krankenhaus in 11,5 min? Niemals in der Rush Hour! Würde selbst so schon knapp werden ohne großen Verkehr!

09.09.2010
22:47
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von Schwarzwaldelch | #17

Weiss man bei der Stadt Hagen eigentlich, was man an so Leuten wie Horst Wisotzki hat? Wahrscheinlich nicht, sonst würde man nicht seine Arbeit - bei der Erstellung des Brandschutzbedarfsplans dürfte auch einiges seiner Freizeit drauf gegangen sein- durch unsinnige Gutachten zu torpedieren.
Ein Standort an der Fernuni, dann möchte ich mal sehen ob die Feuerwehr Freitags nachmittag um fünf in 11,5 Minuten bei einen Grossbrand am Hasper Krankenhaus ist.

Wer solche Forderungen aufstellt, ist irgendwann mal mit einem Klammerbeutel gepudert worden.

09.09.2010
20:06
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von Witwe Bolte | #16

# 15: Nach einigen guten und gehaltvollen Kommentaren sinkt das Niveau nun wieder.

09.09.2010
12:59
Blockierter Kommentar.
von winni | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2010
12:59
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von winni | #14

ich sag nur: hl. sankt florian, verschon mein haus, zünd andere an. vielleicht brennt ja mal die hütte bei den verantwortlichen nach den sparmassnahmen.

09.09.2010
12:40
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von 112 | #13

Man kann das Gutachten auch positiv sehen: Der OB sieht bei seiner Suche nach Einsparpotenzialen in jede Ecke und hat jetzt relativ billig feststellen können, dass die Baustellen woanders liegen.

09.09.2010
09:24
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von Paul37 | #12

Im Prinzip ist es richtig vom OB, seine Dienststellen zu prüfen - bei mangelndem Sachverstand (was ihm nicht vorzuwerfen ist) auch durch externe Fachleute. Er hat den Karren nicht in den Dreck gefahren, das waren Andere. Er muss ihn aber wieder herausholen - und irgendwo muss er ja auch damit anfangen.

Eigenartig ist nur, warum er - zumindest medienwirksam - gerade bei der Feuerwehr begonnen hat und nicht in seiner Verwaltung.

Ich denke, es gibt in allen Ämtern der Stadt erhebliches Einsparpotential, insbesondere an hohen Posten im nahen Umfeld des OB. Nur muss man da den eigenen Leuten weh tun, und nicht der Feuerwehr, die stets ein lästiges Anhängsel der Verwaltung war und ist.

09.09.2010
00:39
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von argus | #11

Das Lamentieren darüber, was man mit den Gutachterkosten alles hätte machen können, geht doch an der Sache vorbei. Mit welcher Berechtigung sollte die Feuerwehr von einer objektiven externen Prüfung ausgenommen werden? Hätte sich der OB allein auf die treuen Augen des Feuerwehrchefs verlassen sollen? Schon die Glaubwürdigkeit gegenüber anderen Dienststellen der Verwaltung, die auf dem Prüfstand stehen, verlangte ein solches Vorgehen.

Nun liegt das Ergebnis vor und zeigt, dass es bei der Feuerwehr keinen abzubauenden Speck gibt. Gut so. Und nun muss Ruhe einkehren. Es ist auch eine Bestätigung für Feuerwehrchef Wisotzki, der ebenso kompetent wie ein schlauer Fuchs ist.

08.09.2010
22:57
Sparen ist nur auf Kosten der Sicherheit möglich
von endlichwiederhasper | #10

Die Hagener Feuerwehr ist schon fast am limit angekommen , was meinen die Gutachter eigentlich warum die Freiwilligen Feuerwehren inzwischen immer öfter mit alamiert werden ganz sicher nicht weil die Feuer bzw Schadenslagen größer geworden sind sondern weil immer weniger Personal im Brandschutz vorgehalten wird da ja nu der Rettungsdienst auch besetzt sein muss .

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