Spardiktat weder für Hagen noch für Griechenland Lösung

Jochen Marquardt.
Jochen Marquardt.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Von der politischen Lage in Griechenland nach den Wahlen kann auch Hagen lernen. Davon ist DGB-Chef Jochen Marquardt überzeugt.

Hagen.. Von der politischen Lage in Griechenland nach den Wahlen kann auch Hagen lernen. Davon ist DGB-Chef Jochen Marquardt überzeugt. Er stellt sich hinter den Aufruf, den sieben deutsche Gewerkschaftschefs unterzeichnet haben und in dem gefordert wird, dass mit der neuen griechischen Regierung des Links-Bündnisses Syriza „ernsthaft und ohne Erpressungsversuche“ verhandelt werden müsse.

Einer der Autoren dieses Papiers, Dr. Steffen Lehndorff, ist am heutigen Donnerstag um 19 Uhr zu Gast im Kulturzentrum Pelmke in Wehringhausen, um zur aktuellen Situation in Griechenland zu berichten. Jochen Marquardt äußert sich im Vorfeld.


Ist die Verschuldungssituation in Griechenland und in Hagen vergleichbar?

Jochen Marquardt: Sicher nicht in den konkreten Ausprägungen. Der Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung, die Zerschlagung der Tariflandschaft oder die Arbeitsmarktlage mit mehr als 50 Prozent junger Menschen ohne berufliche Zukunft in Griechenland hat ein schreckliches Niveau. Aber im Trend wird klar, dass die ständigen massiven Kürzungen nicht zur Lösung von Problemen geführt haben, sondern die Lage ständig verschlechterten. Gemeinsam muss die Erkenntnis gezogen werden, dass Spardiktate keine Lösung sind. Weil sie die Lebenslagen der Menschen verschlimmern und die notwendigen Investitionen in die Zukunft verhindern.


Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Marquardt: Für Griechenland habe ich die Hoffnung, dass der konsequente Politikwechsel Wege aus der Krise weist. Dazu zählt es, nicht weiter soziale Errungenschaften abzuschaffen, sondern sie wieder zu sichern. Dazu zählt es, wieder Geld in die Hand zu nehmen und Investitionen zu tätigen, um die Wirtschaft in Gang zu bringen und Einnahmen zu schaffen. Das gilt für Griechenland und das ist auch für Hagen überfällig. Griechenland zeigt, dass echt was in Bewegung gerät, wenn man konsequent neue Wege einschlägt. Dazu müssen wir auch in unserer Stadt weiter Druck machen. Auch hier wissen alle Beteiligten, dass die eingeschlagene Politik der Kürzungen unsere Probleme nicht lösen kann.


Gewerkschaftsmitglieder sind Steuerzahler: Bekommen Sie da nicht oft auch aus den eigenen Reihen Gegenwind, wenn Sie Verständnis für Griechenland äußern?

Marquardt: Doch natürlich. Der DGB-Bundesvorsitzende Rainer Hoffmann verweist darauf, dass eine über lange Zeit vollzogene Gehirnwäsche bei vielen Menschen Wirkung zeigt. Das geht durch alle gesellschaftliche Gruppen und da sind auch manche Gewerkschaftsmitglieder nicht einfach von ausgenommen. Wir versuchen durch Aufklärung auf Zusammenhänge hinzuweisen und miteinander zu diskutieren. Mit der Veranstaltung in der Pelmke wollen wir dazu einen weiteren Beitrag leisten. Der angesprochene Aufruf wird dabei eine gute Basis für unsere Diskussion. Ich würde mir wünschen, die griechische Idee gewinnt an Breite in Europa und an Tiefe bis in unsere Stadt. Es gibt gute Gründe aus den Entwicklungen in Griechenland Mut zu schöpfen.