Spar-Millionen schlummern im Rathaus
10.12.2008 | 17:45 Uhr 2008-12-10T17:45:00+0100Hagen. Die letzten Details rund um das erste 34-Millionen-Euro-Sparpaket von Mentor Stefan Bajohr sind längst noch nicht ausdiskutiert oder beschäftigen gar die Gerichte, da droht bereits die nächste Sanierungsbombe auf den Tischen von Verwaltung und Politik zu detonieren.
Bei 40 Millionen Euro plus X wird die Sprengkraft liegen. Die wesentliche Grundlage für diese Streichattacke bildet ein 523-seitiger Bericht der NRW-Gemeindeprüfungsanstalt (GPA). Das anhand standardisierter Prüfungsleitfäden für alle kreisfreien Städte des Landes erstellte Werk (die Kämmerei musste dafür knapp 150 000 Euro überweisen) ermittelt für die Stadt Hagen ein Gesamteinsparpotenzial von 22,5 Millionen Euro. „Wirtschaftlichtkeitsvorschläge, die sich für die Städte rechnen” umschreiben die GPA-Prüfer ihr selbstgestecktes Untersuchungsziel. Unter dem Blickwinkel „Ausgaben reduzieren und Einnahmen steigern” werden Personalschlüssel und organisatorische Strukturen vergleichend durchleuchtet. Nach der Devise „Vom Besten lernen” diktiert die Benchmark-Arithmetik diese Kostenanalyse.
Dabei wurde als aussichtsreichstes Feld für Einsparmöglichkeiten die Hagener Gebäudewirtschaft herausgefiltert. Hier ließen sich laut GPA die Jahreskosten um 10,6 Millionen Euro reduzieren. In den übrigen geprüften Bereichen wurden folgende Potenziale ermittelt: Finanzen (4,5 Mio. Euro), Innere Verwaltung (695 000 Euro), Jugend (2,3 Mio. Euro), Soziales (513 000 Euro), Infrastruktur mit Park- und Grünanlagen (856 000 Euro), Straßenbeleuchtung (231 000 Euro), Gesundheitsdienst (1,1 Mio. Euro), Kataster- und Vermessung (171 000 Euro) sowie Kultur und Erwachsenenbildung (1,5 Mio. Euro).
Insgesamt werten die Prüfer die Stadt Hagen als eine Kommune mit negativen Rahmenbedingungen: Unterdurchschnittliche finanzielle Möglichkeiten, rückläufige Steuereinnahmen, Beteiligungsverluste, drohende Überschuldung kombiniert mit mittelmäßiger Kaufkraft sowie erhebliche Belastungen durch Arbeitslosigkeit und das Heer der Hartz-IV-Empfänger prägten die Situation. Hinzu komme der drohende Bevölkerungsschwund: Während die Einwohnerzahl in Hagen von 2003 bis 2025 um etwa 15,7 Prozent sinke, steige die Anzahl der 65-Jährigen um 2,7 Prozent sowie die Anzahl der Betagten und Hochbetagten um sogar 50 Prozent.
08:46
Ich kann mich erinnern, wie schon in den 90ern bei der Reinigung gespart worden ist. Und jetzt sieht es fast so aus, als wären die ganz unten, nämlich die Reinigungskräfte und Hausmeister bei der Stadt wieder diejenigen, die die Suppe auslöffeln müssen.Am Ende wird es sein, wie wir es oft schon bei Wirtschaftsunternehmen oder Banken erlebt haben: Unfähige Manager fahren den Karren gegen die Wand und die Mitarbeiter verlieren ihren Job.
10:08
und was wäre dann? Schulden weg aber die selben Diletanten am Werk und die Schulden sind wieder da.
08:15
@ folkes - sehr richtig. Den verschuldeten Kommunen in Deutschland muß von staatlicher Seite geholfen werden. Ich halte es für einen Skandal, dass Milliarden Euro Steuergelder für das Versagen von Bankmanager und Unternehmer herausgeworfen werden, ohne mit der Wimper zu zucken, und die Kommunen vor die Hunde gehen. Allein mit dem Geld für die Banken hätte man alle verschuldeten deutschen Kommunen entschulden und sogar diesen Städten ein sattes Plus für Investitionen geben können. Hier ist wirklich der Staat gefordert.
00:54
Angesichts einers Schuldenberges in Höhe von ca. 1 Milliarde € ist ein Sparpaket in Höhe von 34 Millionen einfach nur lächerlich.
Wenn sich ein Mensch von 100 kg Lebendgewicht den Kopf kahlscheren lässt, wird er auch nicht sein Idealgewicht von 75 kg erreichen.....
Hier hilft nur ein Schuldenerlass, alles andere ist Wunschdenken. Sparen mit dem Ziel, horrende Schulden los zu werden ? - lächerlich!
Erwirtschaften muss man das Geld!
21:15
Der Verwaltungswasserkopf wird nicht von alleine den Hahn aufdrehen. Aber statt bei der Kernverwaltung endlich einmal den Rotstift anzusetzen, blühen bestimmte Bereiche unter den Fittichen des Mentors - und als seine Ideenlieferanten - munter weiter. So können Molochbereiche wie die Gebäudewirtschaft munter weiter dilettieren. @hagfri - Wie recht Sie haben: Armes Hagen!
19:58
Nackte Zahlen sagen erstmal nichts aus. Wenn die so ermittelt wurden wie bei den Schulen ohne die Ganztagesschule zu berücksichtigen, dann sind sie nichts Wert. Warten wir mal bis Feinheiten und deren Umsetzbarkeit bekannt werden. Sparen ja, aber es muss machbar sein ohne das unsere Stadt in Dreck versinkt oder notwendige Reparaturen einfach nicht ausgeführt werden. Das ist kein sparen, sondern nur eine Verschiebung zu Lasten von Abriss und Neubau. 2,3 Mill. im Bereich Jugend deutet auf Einschränkungen hin. Wieder wird unten gesägt, sprich bei denen die sich am wenigsten wehren können. Armes Hagen. Vielleicht wird das auch bezweckt das immer mehr sich von Hagen abwenden damit die Planungen auch eintreffen. Lebenqualität, das ist das Zauberwort um Bürger zu halten.