Spar-Flirt des Theaters Hagen mit Wuppertal liegt auf Eis
18.11.2011 | 16:50 Uhr 2011-11-18T16:50:00+0100
Hagen. Die angedachten Kooperationen zwischen den Bühnen in Hagen und Wuppertal werden frühestens 2012 unter die Lupe genommen. Zunächst soll in Hagen die Rechtsformänderung in eine GmbH umgesetzt werden.
Die von Oberbürgermeister Jörg Dehm bilateral eingefädelte Zusammenarbeit zwischen dem Hagener Theater sowie den Wuppertaler Spielstätten wurde jetzt vom Kulturausschuss auf Eis gelegt. Einstimmig sprach sich das Fachgremium gegen einen Vorstoß des Verwaltungschefs aus, gemeinsam mit der Münchener Beratungsfirma „Actori“ für mehr als 60 000 Euro „Kooperations- und Fusionsszenarien mit den Wuppertaler Bühnen“ erarbeiten zu lassen. Zunächst soll der Rechtsformwechsel in Richtung GmbH vollzogen werden.
Damit hat die Politik den Eifer des Verwaltungschefs zunächst einmal ausgebremst. „Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen und uns nicht verheddern“, umschreibt der Vorsitzende des Kulturausschusses, Wolfgang Röspel (CDU), den einhelligen Kurs des Gremiums. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die Rechtsform-Änderung in Richtung GmbH möglichst Anfang 2012 vollzogen werden müsse.
Dann könne Intendant Norbert Hilchenbach, der bereits zu seinen Osnabrücker Zeiten auf Grundlage einer GmbH mit festem Budget agierte, zeigen, welche Leistungsfähigkeit das Theater unter veränderten Rahmenbedingungen an den Tag lege. Erst im Anschluss sollten Kooperationsmöglichkeiten mit den Wuppertalern vertiefend ausgelotet werden. Dabei könne es in Röspels Augen jedoch nur um Dinge gehen, die hinter dem Vorhang passieren.
Zusätzliche Sparpotenziale
Dem Kulturausschuss lag in seiner jüngsten Sitzung im nicht-öffentlichen Teil eine Beschlussvorlage vor, mit der Actori umgehend beauftragt werden sollte, Felder der Zusammenarbeit zwischen den Häusern an Wupper – auch hier war Actori schon tätig – und Volme sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen herauszuarbeiten.
Denn die jüngsten Actori-Expertisen für das Hagener Haus aus dem Jahr 2009 hatten unmissverständlich deutlich gemacht, dass nennenswerte Einsparungen aus dem Musentempel nur noch durch die Schließung einzelner Sparten bis hin zur Aufgabe des eigenbespielten Musiktheaters herauszupressen seien. Alternativ seien lediglich durch Kooperationen mit anderen Häusern Sparpotenziale zu heben.
Doch diese Anknüpfungsversuche haben bislang noch keinerlei Schatten in der Kasse des Kämmerers geworfen. So floppte die Kontaktaufnahme mit den Dortmundern völlig. Und auch die von der Landesregierung eingefädelte Untersuchung nach Kooperationsmöglichkeiten in den nicht-künstlerischen Bereichen der verschiedenen Ruhrgebietshäuser erbrachte lediglich ein Einsparpotenzial von gerade einmal 1,2 Millionen Euro für ganz NRW.
Teure Actori-Untersuchung
Vor diesem Hintergrund empfahl Dehm der Politik, eine Kooperation mit Wuppertal offensiv anzugehen. Ein Vorstoß, der auch in Wuppertal durchaus auf offene Ohren stößt. So sieht der dortige Kulturdezernent Matthias Nocke in einer Zusammenarbeit durchaus Chancen: „Es gibt viele deckungsgleiche Bereiche, so haben Hagen und Wuppertal jeweils Musiktheater. Man kann überlegen, ob die eine oder andere Produktion ausgetauscht wird“, erwartet Nocke im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung weitere Sparansätze im technischem Bereich hinter der Bühne.
Die aktuell vorliegende Actori-Offerte möchte unterschiedliche Tiefen möglicher Kooperationen ausloten. Dabei sollen produktionstechnische, finanzielle, technische und künstlerische Bereiche beleuchtet werden. Die Orchester beider Städte bleiben dabei ausdrücklich ausgeklammert. Insgesamt schlagen die Münchener zwei Projektphasen über insgesamt drei bis vier Monate vor. Die Kosten sollen sich auf auf 52 600 Euro netto belaufen – der Geschäftsführende Gesellschafter Prof. Maurice Lausberg stellt allein ein Tages-Beratungshonorar von 2200 Euro in Rechnung. Hinzu kommen noch Steuern und Reisespesen.
„Wir teilen Ihre Meinung, dass nach den umfassenden Optimierungsmaßnahmen an den deutschen Theatern wirkliche Entwicklungspotenziale nicht mehr an einzelnen Häusern zu realisieren sind“, suggeriert Lausberg den Hagener Kulturpolitikern, ihm den Auftrag zu tiefergehenden Kooperationsanalysen mit den Wuppertalern zu erteilen. Doch auf diesen Zuschlag wird er nach dem jüngsten Votum zumindest bis zum Frühjahr 2012 noch warten müssen.
20:05
Ja, da haben Sie Recht! Von den genannten Personen des Kunstquartiers hört und sieht man kaum etwas. Dagegen aber von den Kulturschaffenden des Theaters, des Kulturbüros, des Historischen Zentrums und des Freilichtmuseums umso mehr. Vor allem hört man über diese Einrichtungen und Fachleute, darunter auch ziemlich bekannte und für ihre gute Arbeit gelobte Mitarbeiter (im Gegensatz zu den von Ihnen genannten!), dass dort kein Geld aus dem Fenster oder völlig überzogen ausgegeben wird. Für genau das ist das Kunstquartier überregional bekannt geworden!
10:58
Das ich nicht lache! In der Stadtverwaltung akademisch ausgebildete und auch noch ausgewiesene! Wo denn? Nur im Kunstquartier! Dr. Belgin, Dr. Schulte, Dr. Lotz, Dr. May usw. Alles andere kann man doch nicht ernst nehmen. Von denen hört und sieht man doch nichts.
16:39
In der Stadtverwaltung arbeiten auch qualifizierte Mitarbeiter, die entweder Fachhochschulstudium oder sogar ein Universitätsstudium mit Staatsexamen, Diplom, Magister und Promotion abgeschlossen haben. Um das festzustellen, genügt ein Blick in die online verfügbaren Telefonbücher der Verwaltungsbereiche und ein wenig Nachhören. Leider sieht das in der Führungsspitze etwas anders aus. Ich erinnere nur an den Techniker mit "Gewerkschaftsstudium", der vor Herrn Dehm (Mittlere Reife plus FH-Verwaltungsstudium) das OB-Amt bekleidet hatte. Leider ist es so, dass in den Führungsstellen in der Verwaltung häufig genug noch Parteibuchbeamte sitzen. Auf Qualifikation wird offenbar nicht gesetzt. Wenn man sich vorstellt, dass ein FH-Verwaltungsprofessor, der auf dem Kultursektor überhaupt keine Erfahrung und Referenzen vorweisen kann ( www.hasenritter.de ) und zudem auch noch politisch in Hagen verhaftet ist, für 75 000 Euro ein Gutachten erstellt, das die Aufgaben von hochqualifizierten und ausgewiesenen Fachleuten beurteilen soll, kann man nur mit dem Kopf schütteln, wer solche Verträge vergibt.
15:24
eine bekannte hat mir berichtet, dass auch für viel banalere dinge externe gutachten erstellt werden, z. b. den einsatz von druckern in der verwaltung. die meisten mitarbeiter dürften ein fachhochschulstudium oder ähnliches absolviert haben und sollten daher eigentlich in der lage sein, die situation ordentlich und gewissenhaft zu beleuchten. ein externer gutachter ist immer gut als schuldiger zu verwenden, auf den man zeigen kann, weil man sich aus der verantwortung stiehlt. welche fachkenntnisse haben eigentlich die führungskräfte dieser verwaltung?
14:06
Langsam kommt einem das Essen von der Kindtaufe hoch, wenn man die Hagener Politik verfolgt! Da ist ein Oberbürgermeister, der sich offensichtlich nicht nur als Chef der Verwaltung, sondern als Chef der Stadt versteht! Da sind viele Verwaltungsmitarbeiter, die offenbar nicht über den erforderlichen Sachverstand verfügen, um die drängendsten Fragen in Hagen zu beantworten! Oder will man deren Meinung nicht hören, weil´s nicht in die eigene (eigensinnige) Planung paßt? Und der Rat der Stadt läßt sich in vielen Dingen am Nasenring durch die Manege führen! Und dann gibt es noch die Politiker, die ihr eigenes Süppchen kochen. Und die, die von Aufwandsentschädigung und Verdienstausfal leben - obwohl alles doch eigentlich "ehrenamtlich" passiert. Man kann sich nur angewidert abwenden!!!
12:13
Jetzt gibt die Stadt Hagen schon wieder ein Gutachten in Auftrag. Mindestens 60 000 Euro! Den Gutachter Hasenritter (FH Professor und SPD-Vorstandsmitglied im Ortsverein Wehringhausen) für den Finanz- und Kulturbereich lässt sich die Stadt 75 000 Euro kosten! Die Ergebnisse dieser Gutachten sind doch alles andere als realistisch, das weiß doch jeder, der sich mit solchen Dingen befasst. Hinzu kommt, dass im Fall des Kulturbereichs der Gutachter Hasenritter völlig fremd vom Fach ist. Was das dann soll, fragt man sich wirklich. Interessant wären auch mal die ganzen Gutachterkosten, die nicht zufällig ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Es ist schon peinlich, dass die Stadtverwaltung Hagen offenbar keine eigenen Fachleute hat, um solche Neuorganisationen, Fachbereichsbildungen und sonstigen Umwandlungen eigenständig erledigen können. Das hat für mich alles sehr viel "Geschmäckl"!!!
09:41
Wieso tauschen die Städte nicht die Gutachten aus 2009 untereinander aus und setzen dann ihre Experten in der Verwaltung daran?
Immer wieder werden für "teuer Geld" externe Gutachten vergeben. Da muß sich dem unbedarften Laien der Eindruck aufzwingen, in der Verwaltung säßen nur Dummbeutel.
Das kann ich mir aber nicht vorstellen. Klar, der ein oder andere wird dabei sein (das hat man in jeder größeren Firma auch). Aber es kann doch nicht sein, daß sich in der Verwaltung der Städte Wuppertal und Hagen nicht jeweils ein oder zwei Personen finden lassen, die sich in der Materie auskennen und ebenso ein Gutachten erstellen können.
Oder wäre diese Lösung zu einfach?
Schönes Wochenende.