Solisten verleihen Geheimnis der Weihnacht musikalischen Ausdruck

Emst..  Nichts drückt das Weihnachtsgeheimnis inniger aus als die Musik: Das Konzert unter dem Titel „Hirten wachen im Feld“ am Sonntagnachmittag in der Heilig-Geist-Kirche hatte trotz Schnee und Eis großen Zulauf. Sandra van Gemert mit ihrem klaren flexiblen Alt war die optimale Besetzung für die Gesangsbeiträge, begleitet von Maria Suwelack, Violine und Viola, Hedwig Suwelack, Flöte, und Ursula Suwelack, Orgel. Thomas Schmidt war für die solistischen Orgelwerke zuständig.

Er umrahmte mit Mendelssohns Präludium und Fuge G-Dur op. 37 Nr. 2 eine Bach-Arie aus dem Weihnachtsoratorium; der Komponist wurde damit als Neu-Entdecker des großen Altmeisters im 19. Jahrhundert geehrt. Das Präludium im typischen pastoralen Sechs-Achtel-Rhythmus trug Hirtenmusik-Charakter. „Strenggläubige“ Kirchenmusikfans runzelten allerdings die Stirn, weil der Zyklus Präludium/Fuge auseinander gerissen wurde.

Freien Lauf für die Fantasie

Die aus einer weltlichen Kantate stammende Arie „Schlafe, mein Liebster“, von der Flöte, auch in Girlanden mit der Geige lichtvoll umspielt, ließ der Fantasie freien Lauf: Die Liebe ist weltlich wie geistlich Mittelpunkt der Welt. Lange, gut zum Strahlen gebrachte Töne und kunstvolle Koloraturen betonten die Virtuosität der Sängerin.

Die 6 Weihnachtslieder op. 8 von Peter Cornelius besangen u. a. die heimische Weihnachtsfreude im 19. Jahrhundert: „Wie schön geschmückt der festliche Raum“ mit hoch aufjubelnden Orgel-Zwischenspielen sowie die Weihnachtsgeschichte: „Hirten wachen im Feld“, „Drei Könige wandern aus Morgenland“, dieses mit unbekannter Begleitung.

In zarten Pastellfarben interpretierte die Musik die Texte, ebenfalls aus der Feder des Komponisten. Das „Geistliche Wiegenlied“ op. 91 Nr. 2 für Alt, Viola und Klavier (Orgel) von Brahms auf einen Text von Lope de Vega/Emanuel Geibel ging im Wechsel von Dur und Moll auf die Befindlichkeiten des „Himmelsknaben“ ein.

Die Anfangsmelodie des alten Volksliedes „Joseph, lieber Joseph mein“, in sanften Orgel- oder Bratschen-Linien durchzog die Begleitung. Die Orgel kam mit dem Intermezzo/Andantino aus der Sonate Nr. 4 a-Moll op. 88 von Rheinberger, der „Magnificat-Sonate“, noch einmal zu Wort.

Im 1. und letzten Satz vom Lobgesang der Maria bestimmt, umrahmte in diesem Mittelteil ein schlichtes Thema im Pastoral-Stil eine düstere Moll-Phase; die Wiederholungsmomente waren mit sprechender Registrierung gut schattiert.

Begeisterter Beifall

Die Spannung im Publikum löste sich in begeistertem Beifall, der zur Wiederholung des Cornelius-Liedes „Drei Könige…“ führte, diesmal mit der vertrauten Begleitung durch den Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, einem Tipp von Liszt.