„So hatte ich es nicht erwartet“

Dr. Wilhelm Bleicher
Dr. Wilhelm Bleicher
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Hohenlimburg..  Sein Text über den SS-Führer Fritz Witt in den Hohenlimburger Heimatblättern hat für Aufsehen gesorgt (diese Zeitung berichtete). Dr. Wilhelm Bleicher wird vorgeworfen, zu unkritisch über den SS-Mann geschrieben zu haben. Jetzt äußert sich der verantwortliche Redakteur der Hohenlimburger Heimatblätter erstmals in einem Interview öffentlich.
Hat Sie der Wirbel und die Empörung vieler Hohenlimburger zu dem in den aktuellen Heimatblättern über Fritz Witt erschienenen Text überrascht?
Dr. Wilhelm Bleicher: So hatte ich es nicht erwartet. Ich hatte immerhin ein Jahr an diesem Thema geforscht. Es mögen auch Missverständnisse eine Rolle spielen. Überrascht hat mich auch eine gewisse Unwissenheit. Als Lehrer hatte ich mich auf die thematisch gesetzte Überschrift konzentriert.


Müssen Sie rückblickend nicht eingestehen, 70 Jahre nach Kriegsende zu unkritisch mit dem Thema Brigade-Führer Waffen-SS umgegangen zu sein?
Einer meiner Blickwinkel war der des Engländers Mark C. Yerger „Waffen-SS Commanders“. Dort wird Witt als Militär gelobt: unter anderem als Kopf seines Batallions, als einer der besten und mutigsten Offiziere. Weil Witt sogar nach seinem Tode durch den Hohenlimburger SPD-Sozialdirektor Hugo Höppe sen. entnazifiziert wurde, sah ich das als ein gutes Zeichen. Über nun in die Diskussion geworfene weitere Blickwinkel werde ich reflektieren.


Warum sind Sie in keiner Zeile auf die schrecklichen Seiten des Krieges und somit auf die Opfer eingegangen?
Mein Ansatz war, mich allein auf die Person Fritz Witt zu konzen-trieren.
Ist es bei solch hochsensiblen Themen nicht ratsam, einen Historiker, zum Beispiel Dr. Ralf Blank, den Text gegenlesen zu lassen, bevor ein solcher erscheint? Auch wenn es nur in einer Monatszeitschrift eines Heimatvereins ist.
Ich werde darüber nachdenken.


Der Vorstand des Heimatvereins fühlt sich bei der Themenfindung übergangen und jetzt urplötzlich vehementer Kritik ausgesetzt. Können Sie diese Vorstandsmitglieder verstehen?
Nach den von mir nicht erwarteten Resonanzen der vergangenen Tage versuche ich, mich in die Situation der Vorstandsmitglieder hineinzuversetzen. Leitlinie war für mich der Redakteursvertrag und das Recht auf Pressefreiheit. Um alle Fragen ausführlich zu beantworten, brauchte ich ein VHS-Seminar. Ich beschränke mich angesichts meiner Krankheit auf diese Aussage, danke für das Interview und bitte um Verständnis.