Shoppen statt Kamelle

Ohne Motto läuft im Karneval gar nichts. Der Leitspruch von Prinz Thor­sten I. und seiner Lieblichkeit Melanie I. lautete: „Nach unserem Herzenswunsch da muss man uns nicht fragen, wir wollten immer werden das Prinzenpaar von Hagen.“

Närrische Gesetze müssen bierernst umgesetzt werden – das betonte das Prinzenpaar ausdrücklich. So darf sich niemand in der ­jecken Zeit bis Aschermittwoch gegen das Virus Karneval impfen lassen.

Gute Geschäfte machte der junge Mann, der sich vor dem Sparkassen-Karree in der Sonne platziert hatte, um mit ­Helium gefüllte Luftballons zu verkaufen. Sechs Euro kosteten die Ballons, die Kinderherzen höher schlagen ließen. Wen wundert’s – bei den Motiven: Drachen, Schlümpfe, Spidermen und Ponys. Am höchsten im Kurs stand aber das Einhorn in Pink . .

Lea und Ronja nutzten den schulfreien Rosenmontag zum Shoppen. „Nur schade, dass H&M und New Yorker nicht geöffnet haben“, klagten die 15-jährigen Mädchen. Statt Straßenkarneval stand für die Freundinnen ein Bummel durch die auch am Rosenmontag bis 20 Uhr geöffnete Rathaus-Galerie auf dem Programm. „Wir schauen uns hier nach einem Piercing-Ring und später woanders noch nach einer Hose um. Und gehen natürlich gleich noch zu Saturn - denn da gibt’s freies WLAN,“ schmunzelte Lea beim Stöbern durch den „Bijou Brigitte“-Laden.

Tote Hose herrschte nachmittags bei Rossmann in der neuen Galerie. Die Verkäuferinnen nutzten die Zeit zum Regale-Entstauben. Und zum ausgiebigen Plausch.

Menschenleer war die Terrasse des Smeraldo-Eiscafés. Logisch, die Volme-Galerie samt Café hatte ja auch den ganzen Tag über geschlossen. Nur im Gastro-Betrieb „Bar ­Celona“ herrschte Hochbetrieb. Und am Platz an der Sonne – im Obergeschoss mit freiem Blick auf den Friedrich-Ebert-Platz – drängten sich die Gäste am geöffneten Schiebefenster.

Elektro-Böhme in der Mittelstraße nutzte seine zentrale Lage zum Feiern mit Mitarbeitern und Freunden. Zwischen bunten Lampenschirmen, bunten Accessoires und bunt-glasierten Berliner Ballen freuten sich die Kinder über bunte Smarties.

Après-Zug-Feier hieß es nachmittags im Ratssaal. Seit zwei, drei Jahren wird die Veranstaltung richtig gut angenommen. Hunderte von städtischen Jecken und „Normalos“ feierten zu ausgelassener Karnevalsmusik. Und der Duft von Mettbrötchen mit Zwiebeln strömte durchs ganze Rathaus. Na ja, einmal im Jahr kann man’s ertragen. Und heute wird durchgelüftet. . .