Sheila Arnold spielt auf Schloss Hohenlimburg

Die Pianistin Sheila Arnold gastierte auf Schloss Hohenlimburg.
Die Pianistin Sheila Arnold gastierte auf Schloss Hohenlimburg.
Foto: Bernd Arnold
Sheila Arnold bringt beim Klavierfestival den Hammerflügel zum Singen. Dabei arbeitet sie die Details ebenso charmant heraus wie die große Linie.

Hagen/Hohenlimburg.. Der Hammerflügel ist ein faszinierendes Instrument, steht er doch zwischen zwei unterschiedlichen Ästhetik-Konzepten: weg von der filigranen Durchhörbarkeit des Cembalos hin zum raumfüllenden Klang des Klaviers, das mit seiner Laut-Leise-Dynamik ein Orchester ersetzen kann. Heute meint man, dass die großen Kompositionen von Frederic Chopin (1810 – 1849) oder Johannes Brahms (1833 – 1897) speziell für die Effekte des modernen Konzertflügels geschrieben wurden. Aber tatsächlich waren es wohl die obertonreicheren Hammerflügel, auf denen die Romantiker ihre frühen bedeutenden Werke erprobten.

Begeistertes Publikum

Sheila Arnold bringt das Instrument beim Klavierfestival Ruhr auf Schloss Hohenlimburg zum Strahlen. Der Fürstensaal eignet sich nicht nur für Cembalomusik, sondern bietet mit seiner intimen Atmosphäre auch einen besonderen Rahmen für den Hammerflügel, vor allem, wenn es sich um ein so wunderbares Exemplar handelt wie das 1847 von J. B. Streicher in Wien gefertigte, das der niederländische Sammler Edwin Beunk für das Konzert zur Verfügung stellte.

Sheila Arnold, Klavierprofessorin an der Musikhochschule Köln, spielt das Riesen-Programm komplett auswendig, von den 15 Variationen über das finnische Lied „Die Kantele Spielerin“ von Eduard Marxsen (1806 – 1887) bis zu Brahms Sonate Nr. 3 in f-Moll. Und die Pianistin schafft es vom ersten Ton an, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, weil sie sich vollständig ihrer Musik hingibt.

Bei ihr geht es nicht darum, Virtuosität und tastenstürmende Kraftakte zur Schau zu stellen. Stattdessen verleiht ihre Interpretation den Werken einen so schönen Puls und einen so fließenden Atem, dass das Publikum vor lauter Begeisterung immer weiter zuhören möchte.

Sheila Arnold zaubert ein Klanguniversum

Dabei arbeitet die Pianistin die Details ebenso charmant heraus wie die große Linie, die pikanten Rhythmen in Marxens Variationen zum Beispiel und vor allem die Bassführung, wo das Klavier das typische Bordunmotiv der Kantele, einer Art Zither, imitiert. In den „Fantasistykker“ der Pianistin und Komponistin Agathe Backer Gröndahl (1847 – 1907) wirken die Naturschilderungen schon impressionistisch. Und in Frederic Chopins Ballade Nr. 1 in g-Moll findet Sheila Arnold einen schwebenden Ton von irisierender Leuchtkraft.

Brahms große f-Moll Sonate verwandelt die Solistin dann in ein regelrechtes Klanguniversum, dem sie sich mit zartestem Ernst nähert: der sinfonisch vollgriffige, zerklüftete erste Satz, das Andante zwischen Gebet und Lied, der Trauermarsch des Intermezzos mit seinem abgründigen Klopfmotiv und schließlich das Finale, das sich zum hymnischen Choral aufschwingt. Der Hammerflügel ermöglicht es, all diese Feinheiten herauszuarbeiten, und zwar mit weitaus mehr Farben als beim modernen Flügel. Auch wenn die Saiten bei den Spitzentöne etwas klirren, besticht das Klangbild mit seiner Luzidität und seiner Sinnlichkeit. Damit spürt Sheila Arnold einem vergessenen Ideal nach: Alle Musik kommt vom Singen und drängt zum Singen.

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