Selbst Grönemeyer und Rio Reiser traten hier auf

Siegfried „Ziggy“ Papke wird zu „40 Jahre Folk Club Hagen“ und zu seinem eigenen 60. Geburtstag morgen Abend im „Haus Waldfrieden“ mit seiner nordindischen Rahmentrommel auftreten.Etliche weitere Musiker werden erwartet.
Siegfried „Ziggy“ Papke wird zu „40 Jahre Folk Club Hagen“ und zu seinem eigenen 60. Geburtstag morgen Abend im „Haus Waldfrieden“ mit seiner nordindischen Rahmentrommel auftreten.Etliche weitere Musiker werden erwartet.
Foto: Yvonne Hinz
Was wir bereits wissen
Zum „kulturellen Klassentreffen der besonderen Art“ lädt am morgigen Mittwoch Siegfried Papke ein. Der Gründer des Folk Clubs Hagen, der Mitte der 80er Jahre zum Folk Club Kollektiv ausgebaut wurde, erinnert an das 40. Gründungsjubiläum des unkonventionellen Clubs.

Hagen.. Herbert Grönemeyer war da, Rio Reiser mit seiner Polit-Rockband „Ton Steine Scherben“, Stefan Stoppok, das Rocktheater Nachtschicht und Hanns Dieter Hüsch: Viele Größen der Musik- und Kabarett-Szene, die damals noch keine Größen waren, traten auf Veranstaltungen des Folk Clubs bzw. des Folk-Club-Kollektivs-Hagen auf. 1986 war Schluss damit, denn der selbst organisierte Aktivkreis löste sich auf.

Zum „kulturellen Klassentreffen der besonderen Art“ lädt am morgigen Mittwoch Siegfried Papke ein. Der Gründer des Folk Clubs Hagen, der Mitte der 80er Jahre zum Folk Club Kollektiv ausgebaut wurde, erinnert an das 40. Gründungsjubiläum des unkonventionellen Clubs. Und feiert gleichzeitig seinen eigenen 60. Geburtstag. „Im Grunde gibt’s also eine 100-Jahre-Fetennacht“, strahlt Siegfried Papke, den „halb Hagen“ nur unter Ziggy kennt. ­Also Ziggy . . .

Mit 20 Stühlen hat alles angefangen

Im „Fässchen“ in Wehringhausen habe alles angefangen, in einem kleinen Gesellschaftszimmer mit 20 Stühlen, „plus 30 Musikfreaks, die auf dem Fußboden saßen“, erinnert sich der Noch-59-Jährige.

Zum Hintergrund: Die Vorläufer der Folk-Szene waren Liedermacher aus den 60er Jahren wie Reinhard Mey oder Hannes Waader. Eine tradierte Szene existierte jedoch schon weit früher in England, Irland und Schottland. 1974 wurde in der Wittener Stadtteilkneipe „Alte Zeit“ ein Folk-Club gegründet, aufgrund der Beliebtheit dann nur ein Jahr später ein Club in Hagen. Es entstand ein reges Netzwerk im Ruhrgebiet, und es wurde nicht nur Anglo-Folk gesungen, sondern auch häufig rein instrumental (auf Gitarre, Drehleier, Geige und Mandoline) gespielt.

Plakatieren und Kontaktpflege

„Ich hab’ mich damals um das Dating der Künstler und ums Plakatieren gekümmert, hab’ die Kontakte zum Wittener Club und zu Veranstaltern von Folk-Festivals in der Region gepflegt“, erzählt Ziggy. Außerdem wurde das Angebotsspektrum größer: Zur reinen Musik kam Kabarett hinzu.

Die Folk-Club-Veranstaltungen schlugen Wellen, und schon bald wurden größere Räumlichkeiten wie das Haus der Begegnung (das Gemeindezentrum der Marienkirche fasste 200 Besucher), die Wartburg (bis 400 Gäste) und die Helfer Gesamtschule angemietet. „Ja, zum fünfjährigen Bestehen des Folk-Clubs-Hagen trat der politisch-literarische Kabarettist Hanns Dieter Hüsch in der Schule auf und es kamen 2000 Interessierte“, erinnert sich Ziggy, der auch heute weder Handy, Laptop, Computer oder Führerschein besitzt, gern an die wild-kreative Zeit zurück.

Die Künstler übernachteten damals privat bei anderen Folk-ClubFreaks, Förderungen städtischerseits gab es nicht.

Ziggy, der „Kollektiv-Vater“

1981 wandelte sich der Folk-Club zum Folk-Club-Kollektiv Hagen, in dem sich ein paar junge Leute zwischen 15 und 22 Jahren zusammentaten. Ziggy war mit Anfang 30 der „Kollektiv-Vater“.

Besagte Kooperative mischte die Hagener Kultur-Szene ordentlich auf und nahm Straßenaktionen, Ausstellungen, Lese-Performances und Clownstheater in ihr Repertoire auf. Außerdem wurden neue Veranstaltungsorte wie die Kneipe „Sumpfblüte“, ein türkisches ­Kulturzentrum, die „Galerie oben“ und das „Haus Waldfrieden“ angesteuert.

1986 war das Folk-Club-Kollektiv Geschichte, die Aktiven gingen eigene Wege. „Doch wir waren die Vorläufer zum Ska- und Reggae-Programm, das heute im Kulturzen­trum Pelmke angeboten wird, zu Weltmusik-Reihen und zum Muschelsalat“, resümiert Ziggy.

Morgen ab 18 Uhr (Ziggy: „Es wird eine lange Nacht.“) gibt es ein Live-Bühnenprogramm mit Überraschungen. Musiker, Dichter, Akrobaten und Folk-Club-Gäste von damals sind willkommen. Eintritt frei.