Selbst am 60. Geburtstag: Dösköppe auf Tour
27.01.2008 | 15:38 Uhr 2008-01-27T15:38:00+0100
Hagen. Nicht nur Ärzte, auch Karnevalisten halten sich gelegentlich an die Schweigepflicht. Nun ist es aber raus und kaum einer hat es bemerkt: Döskopp Franz-Martin Neudeck feierte am Samstagabend beim Zug durch die Gemeinden seinen 60. Geburtstag.
Solch ein Liebesbekenntnis hat der Hagener Karneval wohl lange nicht bekommen: Anstatt sein Jubiläum ordentlich zu feiern, hieß es für den Döskopp „buisness as usual”, und das bedeutet: „Wir, wir beiden sind Karl-Heinz und der Franz-Martin. Wir werden auch die Dösköppe genannt.” Doch bevor es losgeht, trifft sich Duo stets in der Schäferschen Residenz, bei frisch aufgelegtem Holz lehnen sich die beiden zurück und stimmen sich langsam auf den Abend ein - dabei reden die Dösköppe keineswegs die ganze Zeit über Frohsinn und Heiterkeit, gerne schwelgen die beiden in Erinnerungen oder philosophieren über die Veränderung im Karneval.
Wer den beiden einmal genauer zuhört, könnte sie phasenweise für Waldorf und Statler aus der Muppetshow halten, wenn sie sich dann aber in Schale geschmissen haben, sich gegenseitig die Orden umhängen und die Fliege zurecht zupfen, dann wirken Karl-Heinz und Franz-Martin aber auch gerne mal wie ein Ehepaar - nach 44 gemeinsamen Jahren bleibt so etwas wohl nicht aus. Und so lässt sich wohl auch das etwas andere Geburtstagsgeschenk des einen für den anderen Döskopp erklären: Um kurz nach fünf, klingt es an der Tür: Einmarsch für Sven I., Silke III. und ihre treuen Begleiter - der Prinz, zu dem die Humoristen in diesem Jahr ein besonderes Verhältnis haben, erweist sich die Ehre und treibt dem Geburtstagskind zwei Tränen der Rührung in die Augen. Überraschung geglückt. „Ich... ich bin sprachlos”, stammelt der nun 60-Jährige und bedankt sich bei allen Gratulanten.
Lange bleibt Hagens Symbolfigur nicht, denn die Termine rufen - auch für die Dösköppe. Wieder bei Stimme kleiden sich die beiden an, beladen das Auto und auf gehts Richtung „Boni” nach Haspe. Mittlerweile haben die beiden wieder die Rollen von Waldort und Statler übernommen. „Karl-Heinz deine Fingernägel sind nicht sauber, du kannst froh sein, dass es auf der Bühne dunkel ist”, ermahnt Franz-Martin seinen Companion. Der lässt sich dies natürlich nicht bieten und verteilt verbale Seitenhiebe an den „alternden Franz-Martin.”
„So geht das die ganze Zeit, vor und nach jedem Auftritt”, verrät Benedikt Schäfers, der gelegentlich als Chauffeur einspringt. Denn trotz ihrer langjährigen Erfahrung sind beide stets nervös. „Ich mache mir immer nur Sorgen, wenn Karl-Heinz nicht nervös ist, denn dann geht bestimmt irgendwas schief”, richtet Franz-Martin immer den Blick auf seinen Nebenmann. Im Bonifatiusheim angekommen haben die beiden noch ein wenig Zeit. Das Geburtstagskind stimmt ein letztes Mal die Gitarre, während Döskopp Nummer zwei das obligatorische Eukalyptusbonbon lutscht. Um 20.26 Uhr der erste Einmarsch des Abends: Mit einem Haspe-Special zum Friedensdenkmal eröffnen die Dösköppe ihr satirisches Feuerwerk. Weiter gehts mit einer Parodie über den Hagener Mentor zur Melodie der zehn kleinen Negerlein und sofort ist auch das Publikum da. Beim Thema Evo-Park passiert Karl-Heinz ein folgenschwerer Fauxpas, ein Plastikblume will nicht so wie sein „Mentor” und so friemelt der Döskopp geistesabwesend minutenlang am Plastik herum.
Bei der „ersten Bilanz” auf dem Weg zur närrischen Stadthalle gibts dafür einen doppelten Rüffel von Jubilar und Sohnemann - aus Waldorf und Statler sind Herr Schäfers und Frau Neudeck geworden. Am Bahnhof stehen alle Ampeln auf Rot, ein Blick auf die Uhr verrät noch fünf Minuten bis zum Auftritt im Wasserlosen Tal. Mit erlaubtem Vollgas gehts an der Innenstadt vorbei, die Rampe zum Bühneneingang hoch, ein erster Anflug von Stress. Sohn Benedikt mahnt: „Keine Eile ihr kommt eh nicht pünktlich dran.” Doch wie es oft so ist, Alter vertraut der Jugend nicht und so hetzen die beiden Protagonisten in die Stadthalle. Knapp zehn Minuten überzieht ihr Vorgänger, kurzes Durchschnaufen, dann wieder der Blick zur Uhr, nächster Termin ist die Prunksitzung der Märkischen Ritterschaft um 21.50 Uhr. In der Stadthalle spulen die Dösköppe ihr Programm runter, Zeit für das Westfalenlied bleibt nicht, die Burgfrau wartet.
Neue CD:
- Das Westfalenlied wäre etwas für ihre Karnevalsfeier? Das Lied gibt es jetzt gesungen von der Hagener Sängerin Julia Padberg auf CD.
- Bereits jetzt ist die CD bei Thalia erhältlich.
- Am Samstag ab 11.11 Uhr stellen die Dösköppe, Julia Padberg und das Prinznepaar das Lied in der Volme-Galerie vor.
Runter von der Bühne, rein ins Auto, runter vom Parkplatz, rauf zum Kegelcasino. Auf die Minute pünktlich erfolgt der Einmarsch: Diesmal soll das Westfalenlied endlich angestimmt werden, haben sich Karl-Heinz und Franz-Martin vorgenommen. Doch bei Burgfrau Astrid I. heißt es improvisieren. Technische Tücken zwingen die Humoristen zur Planänderung: Das launige Publikum feiert einen Kalauer nach dem anderen. Am Ende ist sogar noch Zeit für die langersehnte Zugabe. Mit schnellen Schritten verlassen die Dösköppe den Saal, schwärmen aber von der tollen Atmosphäre: „Die Leute gehen heute abend überall super mit, es macht richtig Spass.” Mit jeder Menge guter Laune im Gepäck steuert der Gelegenheits-Chauffeur das Duo zur letzten Station nach Boelerheide: Gemeindekarneval steht auf dem Programm und das verspricht eine tolle Stimmung. Zum Höhepunkt des Abends gibt es ein Wiedersehen mit dem Prinzen - begleitet durch das Westfalenlied marschiert der Ordensträger auf die Bühne - er hat Wort gehalten und niemanden verraten, dass Franz-Martin an diesem Abend ein großes Jubiläum feiert, dafür gibts ein dankbares Augenzwinkern. Beim Ausmarsch fällt endlich der ganze Druck ab, nun haben Karl-Heinz und Fran-Martin keinen Zeitdruck mehr, lächeln sich an und beenden einen verschwiegenen und stimmungsvollen Abend mit den Worten: „Lass uns losfahren, ich muss raus aus den nassen Klamotten.”
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