Sehnsucht der Heimatlosen
17.09.2008 | 19:39 Uhr 2008-09-17T19:39:00+0200
Er suchte den Dialog mit dem Publikum, der neue Generalmusikdirektor Florian Ludwig. Und fand ihn auch beim 2. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters. Gefeiert wurde vor allem die Solo-Geigerin Antje Weithaas.
Auf dem Programm standen Komponisten, die es ins Exil getrieben hat und in deren Musik diese Erfahrungen Spuren hinterließen.
Das Eröffnungsstück hätte mit Wagners Ouvertüre zum „Fliegenden Holländer” nicht besser gewählt werden können. Die Sehnsucht des heimatlosen Seefahrers nach Erlösung von ewiger Wanderschaft durch die Liebe ist bei Wagner, der sich zur Entstehungszeit des Werks im französischen Exil befand, in hochdramatische Musik gefasst. Ludwig und seine Musiker entfalteten die ganze Pracht der wagnerianischen Klangwelt und zogen die Zuhörer in den Bann.
Mit Korngolds Konzert für Violine und Orchester op. 35 hatte die international beachtete Geigerin Antje Weithaas ihren großen Auftritt. Der österreichische Komponist ging 1934 ins amerikanische Exil nach Hollywood, wo er als Filmkomponist arbeitete. Themen aus seinen Filmmusiken finden sich auch in dem farbigen Violinkonzert, das zugleich spätromantische Einflüsse aufweist.
Bravo-Rufe für Antje Weithaas
Mit äußerster Sensibilität leuchtete Weithaas die vielfältigen Facetten des Werks aus: Seelenvoll führte sie den Bogen in den schmerzlich-schwelgerischen Passagen. Das zu Bravo-Rufen hingerissene Publikum forderte eine Zugabe.
Ein musikalischer Kosmos zwischen Asien und Europa eröffnete sich schließlich mit „Harmonia”, einer Komposition für Bläser und Schlagwerk des Koreaners Isang Yun. Leidvolle Erfahrungen des nach Deutschland emigrierten Komponisten mit seiner koreanischen Heimat prägen das Werk, dessen Titel insofern nicht wörtlich zu nehmen ist, wie der Dirigent dem Publikum erläuterte. Ludwig war sichtlich bestrebt, den Zuhörern einen Zugang zur Musik Yuns zu erschließen: So ließ er einzelne Passagen vorab spielen, um ein Einhören in das Werk zu ermöglichen. Das Publikum nahm dies dankbar an. Für fernöstliche Anmutungen sorgten Elemente wie Gong, Tempelblock und ungewöhnliche Bläser-Glissandi, schwebende Klangflächen mündeten in einzelnen Abschnitten gleichsam in einen „Schrei”.
Hindemiths im amerikanischen Exil fertig gestellte „Sinfonische Metamorphosen” rundeten den Abend ab. Das Orchester steckte das Publikum mit dem Feuer jenes bissig-temperamentvollen Werks an, in dem der Komponist Themen von Weber verfremdet. Als im zweiten Satz unvermittelt ein jazziges Bläser-Fugato erklang - wohl eine Hommage des Komponisten an die neue Heimat -, überzeugten nicht zuletzt die Posaunisten mit blutvollem Swing.
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