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TWB Presswerk

Schwerbehinderter entlassen

20.02.2010 | 11:01 Uhr
Schwerbehinderter entlassen

Hagen. Zu den 48 Mitarbeitern, die TWB Presswerk infolge der Insolvenz entlassen hat, gehört auch hans Albert Flick. Obwohl er schwerbehindert ist.

Wenn man in fortgeschrittenem Alter ist, auf eine längere Betriebszugehörigkeit zurückblickt und vor allem unter einer Schwerbehinderung leidet, ist man unkündbar. Sollte man meinen. Hans Albert Flick ist 55 Jahre alt, seit sieben Jahren bei TWB Presswerk beschäftigt und trägt mehrere Schrauben in der Wirbelsäule mit sich herum. Außerdem fehlt ihm der rechte Mittelfinger. Flick ist zu 50 Prozent schwerbehindert, so steht es in seinem Ausweis. All das schützte ihn nicht vor der Entlassung.

Seit acht Tagen geht er stempeln. 48 Mitarbeiter erhielten infolge der Insolvenz des Automobilzulieferers in der Sedanstraße ihre Papiere, Flick gehörte dazu. Er sei zum Meister ins Büro bestellt worden, habe Stechkarte und Schlüssel abgeben müssen: „Seitdem kann ich die Firma nicht mehr betreten.” Die Entlassung erfolge nach den Kriterien des Sozialplans, habe ihm der Meister noch nachgerufen.

Firmeneigentum

Tags darauf erreichte Flick ein Brief des Insolvenzverwalters Achim Thiele. Er solle doch etwaiges Firmeneigentum wie Laptops oder Handys bitteschön zurückgeben, forderte der Rechtsanwalt den Maschinenbediener auf. Jedoch: „Sollte Ihnen ein Dienstwagen zur privaten Nutzung überlassen worden sein, steht Ihnen dieser bis zum Ablauf der Kündigungsfrist zur Verfügung.” Aus dem Schreiben - offenbar ein Musterbrief, den alle entlassenen TWB-Beschäftigten erhalten haben - erfuhr Arbeiter Flick auch, dass er zunächst einmal „freigestellt”, die Kündigung jedoch „beabsichtigt” und „unwiderruflich” sei.

Derlei Standardschreiben dürften eigentlich nicht verschickt werden. Das meint Werner Voßeler, IG-Metall-sekretär in Hagen: „Mit solchen Floskeln werden die Gekündigten doppelt getreten. Sie werden nicht mehr als Person wahrgenommen.” Die Gewerkschaft werde Flick beim Gang vors Gericht mit voller Kraft unterstützen.

Trumpf im Ärmel

Und Flick, er hat noch einen Trumpf im Ärmel. Er sagt, als Schwerbehinderter könne ihm gar nicht gekündigt werden, das habe ihm die Dame vom Integrationsamt versichert. Das Integrationsamt ist eine Behörde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster, die die Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben überwacht. Will ein Arbeitgeber einem schwerbehinderten Mitarbeiter kündigen, muss er dafür die Zustimmung des Integrationsamtes einholen. Versäumt er das, hat der betroffene Mitarbeiter schon die ersten Pluspunkte für eine erfolgreiche Kündigungsschutzklage gesammelt.

Seine Dienststelle habe keineswegs die Befugnis, jedweder Kündigung eines Schwerbehinderten die Zustimmung zu verweigern, erläuterte Joachim Brüggemann vom Integrationsamt: „Wir dürfen ja nicht den Arbeitsrichter spielen.” Vor allem bei betriebsbedingten Kündigungen, denen auch noch ein Sozialplan zugrunde liege, könne man nicht viel für den Betroffenen tun. Anders sei es, wenn der Sozialplan „offensichtlich rechtswidrig” sei. Doch das komme äußerst selten vor.

Sozialplan

Auch bei TWB hat man sich beim Erstellen des Sozialplans an die gängigen Punktesysteme gehalten. Der Betriebsrat habe „eine schwierige, aber notwendige Verantwortung” übernommen, sagt dessen Vorsitzender Admir Smajlovic: „Letztlich haben wir den Sozialplan einstimmig abgesegnet.”

Flick könnte zum Verhängnis geworden sein, dass die Belegschaft - eine durchaus übliche Vorgehensweise - in Altersgruppen eingeteilt wurde. Dies soll verhindern, dass nur junge Leute entlassen werden und eine überalterte Belegschaft zurückbleibt. In der Gruppe der Mitarbeiter ab 55 Jahren sammelte Flick, trotz Schwerbehinderung, zu wenige Sozialpunkte und fiel durchs Sieb.

Arbeitsgericht

Seit einer Woche geht er nicht mehr zur Arbeit. Von seiner Wohnung aus brauchte er nur eine Viertelstunde bis zur Fabrik, er verdiente rund 1900 Euro netto bei TWB, er weiß, er wird als 55-jähriger Schwerbehinderter so leicht keinen neuen Job finden.

Er zeigt auf das Schreiben des Insolvenzverwalters, er ist nicht amüsiert über den Fauxpas mit dem Handy, dem Laptop und dem Dienstwagen. Er glaubte, die Schwerbehinderung mache ihn unkündbar. Jetzt zieht er vors Arbeitsgericht.

Hubertus Heuel

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Kommentare
06.03.2010
10:00
Schwerbehinderter entlassen
von dertutnix | #54

Aus der Sicherheit einer lebenslangen Beschäftigungsgarantie von Montag bis Freitag 12.00 im klimatisiertem Büro incl.leistungsunabhängigen Beförderungen plus manigfaltiger Sonderzulagen ist es ein Hohn auf die Vergütung von Industriearbeitern zu wettern...........die mit ihrem Einkommen sicher zwischen Hagen und Ihrer Zweitwohnung in Miami hin und her Jetten.


Ich erkenne die Denke vom Westerwelle wieder............alle werden zu gut bezahlt, aber 300.000€ Plus die Einkünfte aus meinen div. Nebentätigkeiten sind gerechtfertigt und hart erarbeitet. ;-)

Der Leiharbeiter

27.02.2010
16:01
Schwerbehinderter entlassen
von willehkeinerwissen | #53

@ Jochen33: Da hast du leider vollkommen recht...Deutschland ist das vorzeigeland der Neider...daran wird sich auch sicher nie etwas ändern...leider


Glückauf
und allen ein schönes We

26.02.2010
19:45
Schwerbehinderter entlassen
von Jochen33 | #52

An einigen Kommentaren wird mir wieder klar, wie viele Menschen vom Neid zerfressen sind. Typisch Deutschland, leider.

25.02.2010
18:00
Schwerbehinderter entlassen
von hans_otto11 | #51

@ 47. Dem stimme ich zu.

24.02.2010
18:39
Schwerbehinderter entlassen
von willehkeinerwissen | #50

@all: Ich frage mich ernsthaft was das Thema Nettolohn meines kollegen Flick mit seiner Kündigung zu tun hat....er wurde nicht gekündigt weil er zuviel verdient hat!!!!!! Er wurde entlassen weil Herr A.S. uhnd konsorten schlichtweg unfähig sind und wie eh und je zu allem ja und amen sagen. Das ist nun mal fakt, ich arbeite lange genug in dieser firma.Achja und sue Steuerklasse in der mein kollege Flick seine 1900,-- netto hat, wurde die irgendwo bekannt gegeben?...hab ich da was überlesen??
Nur so nebenbei, ich habe steuerklasse 3 und verdiene etwas üb 2000,-- NETTO!! Ich lade jeden sesselfurzer aus dem öffentlichen dienst recht herzlich ein einen mon mit mir zusammen an meiner maschine zu arbeiten....mal sehen ob mein kollege Flick und Ich dann immer noch überbezahlt sind.....ihr neidisches pack
Warum wollen denn soviele aus dem öffentlichen dienst in die freie wirtschaft.....jetzt tut bloß nicht so als sei das was neues, weil man da mehr verdient....aber auch mal arbeiten muß


Glückauf

22.02.2010
23:33
Blockierter Kommentar.
von Moderation | #49

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.02.2010
19:50
Schwerbehinderter entlassen
von hans_otto11 | #48

#45 Es ist nunmal so! Während das Produkt der Krankenschwester auf dem Weltmarkt nichts wert ist, Verkaufen sich Autoteile doch viel besser, oder? Das ist eine unfaire Behandlung, die man aber kurzfristig nicht beseitigen kann.
Und nochmal: was der Mann verdient, geht niemanden etwas an. Schon gar nicht Neider!

22.02.2010
07:09
Schwerbehinderter entlassen
von Qualifizierungspruefer | #47

#44 Dieser Arbeiter hat aber auch nicht die Verantwortung für das Leben und die Gesundheit anderer. Gegen Lärm und Staub kann man sich schützen, auf Kosten des Betriebes, vor dieser schlechter bezahlten Verantwortung nicht. Ich kann die Kritik an diesem völlig überzogenen Nettolohn für einen Arbeiter nachvollziehen, wenn dieser alleinstehend, keine Kinder hat und womöglich noch ungelernt für seinen Job ist. Bei solchen Nettolöhnen für Steuerklasse 1 und bei dieser Qualifikation (Arbeiter, kein Meister!) kann man doch nur den Kopf schütteln. Da ist wohl alles aus den Fugen geraten?

22.02.2010
00:24
Schwerbehinderter entlassen
von hans_otto11 | #46

#41: du fragst das zweite mal. Nein ich bin nicht HOM...

#43: Man kann nicht Äpfel und Birnen vergleichen. Krankenschwestern arbeiten nicht in einem Betrieb, in dem es ständig lärmt und bei dem sie monoton die gleiche Tätigkeit ausüben. Was sollen diese ständigen vergleiche hier? Das Opfer ist ein Mann, der seinen Job verliert und womöglich bald beim Amt anstehen muss. Es hilft niemandem sozialen Neid zu schüren und die Gesellschaftsgruppen gegeneinander auszuspielen. Wenn du WeberWäreBesserGewesen in der SPD bist, dann möchte ich aus dieser einst stolzen Partei gerne austreten.

21.02.2010
23:21
Schwerbehinderter entlassen
von WeberWäreBesserGewesen | #45

Mir tun die Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrleute, Sachbearbeiter, Verkäufer usw. leid, die Monat für Monat viel weniger Geld nach Hause bringen, obwohl sie vielleicht qualifizierter sind und mehr Verantwortung tragen als dieser Arbeiter es an seiner Maschine war.
#42 Dann bleiben Sie besser liegen, Sie scheinen kein großer Gewinn für die Gesellschaft zu sein.

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