Schweizer Sparkredit rutscht in Verlustzone

Was wir bereits wissen
Ein Alt-Kredit aus dem Jahr 2000 kommt die Hagen-Agentur teuer zu stehen. Durch die Aufwertung des Schweizer Frankens drohen jetzt massive Verluste.

Hagen.. Als zu Jahresbeginn die massive Aufwertung des Schweizer Frankens wie eine Splitterbombe in deutschen Kämmereien einschlug, konnte sich der Hagener Finanzdezernent Christoph Gerbersmann entspannt zurücklehnen. Der durch die Derivate-Affäre und Swap-Zockerei geprägte Hüter des Haushaltslochs hatte nach den schmerzlichen Verlust-Erfahrungen seinerzeit sämtliche Geldgeschäfte mit der Währung aus der Alpenrepublik gestoppt, um für die Zukunft jegliches Spekulationsrisiko zu minimieren. Ein kluger Schachzug, wie sich gerade erweist. Denn dasselbe Thema treibt jetzt der Hagen-Agentur die Schweißperlen auf die Stirn. Dort schlummern in den Büchern Kreditverpflichtungen in Schweizer Franken, die in den nächsten Jahren zu schmerzhaften Verlusten führen. Statt 500.000 Euro Gewinn drohen nach aktuellem Stand etwa 460.000 Euro Verlust – also fast ein Million-Delta.

Lange Jahre galten diese Geldgeschäfte als interessante Umschuldungsmodelle, denn bei den Eidgenossen lag das Zinsniveau niedriger als im Euro-Raum. Das Wechselkursrisiko erschien im Vergleich mit dem Zinsvorteil beherrschbar. Noch 2007 empfahl der Städte- und Gemeindebund NRW, zur Schuldenoptimierung auf Fremdwährungskredite zu setzen. Ein fataler Irrtum, wie sich jetzt herausstellt – ab sofort wird draufgezahlt.

Vertrag aus dem Jahr 2000

Denn zu Jahresbeginn gab die Schweizer Nationalbank überraschend den Franken-Kurs frei. Plötzlich rutschen vermeintlich günstige Kreditgeschäfte – zunächst bloß buchhalterisch – rasant in die Verlustzone. Die realen Verluste, so warnen Experten, werden folgen. So auch bei der Hagen-Agentur. Dort handelt es sich um ein Geschäft aus Zeiten der Wirtschaftsförderung, als sich die Gesellschaft im Jahr 2000 (Frankenkurs: 1,57) an der Finanzierung des Hagener Zentrums für Weiterbildung und Informationstechnologie (HAWIT) mit einem 2,4 Millionen-Euro-Kredit beteiligte. Damals sah es noch so aus, als könnte die Zinsersparnis den Wirtschaftsförderern einen Gewinn von etwa einer halben Million Euro bescheren.

Doch bereits 2012 läuteten plötzlich die Alarmglocken. Der Frankenkurs sackte auf 1,20 ab, der Deal stand auf einen Schlag mit 300.000 Euro in den Miesen. In Abstimmung mit dem Aufsichtsrat wurde seinerzeit zähneknirschend und mangels Alternativen entschieden, das Geschäft fortzuführen. Zumal die Schweizer Nationalbank seinerzeit signalisierte, dieses Level garantieren zu wollen. Fortan wurden bei der Hagen-Agentur für den bis dato aufgelaufenen 300.000-Euro-Verlust Rückstellungen gebildet.

Deutliche Mehrbelastung

Heute ahnt der neue Geschäftsführer Michael Ellinghaus, dass damit das Tal noch nicht durchschritten ist. Durch den seit Jahresbeginn vorherrschenden 1:1-Wechselkurs drohen weitere Verluste. „Der Aufsichtsrat muss das Szenario neu bewerten“, wird Ellinghaus dem Gremium unter Vorsitz von Oberbürgermeister Erik O. Schulz eröffnen müssen, dass die quartalsweise anfallen Zins- und Tilgungsraten sich um jeweils 8000 Euro erhöhen, also eine jährliche Mehrbelastung von 32.000 Euro droht. Sollte es bei dem aktuellen Wechselkurs-Level bleiben, würde über die fünfjährige Restlaufzeit des Swap-Geschäftes also eine Extra-Summe von 160.000 auflaufen. Für die Hagen-Agentur mit einem Jahresbudget von etwa zwei Millionen Euro kein unerheblicher Betrag: „Damit wird unsere Handlungsfähigkeit weiter eingeschränkt“, betont Ellinghaus.