Schwacher Seelenstriptease eines Mannes
16.11.2008 | 17:12 Uhr 2008-11-16T17:12:00+0100
Vor vier Tagen sah man ihn noch als Kommissar bei der SOKO Wien auf dem Bildschirm, Samstag ließ Stefan Jürgens im Hasper Hammer die Hosen runter, er offenbarte dem Publikum, was er schon „Alles aus Liebe” getan hat.
So lautet der Titel des aktuellen, als”„sehr persönlich” angekündigten Programms des Künstlers. Ob etwas davon wahr ist, bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen. Viel Neues jedoch hatte auch Jürgens nicht über das Beziehungsleben von Mann und Frau zu berichten.
Da schildert er, betont lässig-schnodderig, eine Hand in der Hosentasche, die andere am Glas, dass er seine erste Frau schon im zarten Alter von 48 Stunden im Bett hatte. Das Mädchen wurde im Krankenhaus zu ihm ins Bett gelegt, „weil es Wärme” brauchte. Wurde da der Grundstein für sein zwiespältiges Frauenverhältnis gelegt? Weiter geht die Offenbarung über den ersten Orgasmus, der am Seil im Sportunterricht geschah, über etliche jüngere oder ältere Frauen, die seinen Weg kreuzten. Nichts bleibt dem Zuschauer erspart, auch nicht die ehebegleitende Affäre zu einer anderen Frau („Ja, man kann zwei Frauen lieben, ohne schizophren zu sein, stimmt’s Stefan?”). Viele Klischees, die schon etliche Humoristen vor ihm bedienten, zerrte auch der 45-Jährige aus seiner Mottenkiste der Eitelkeiten: „Vielleicht ist die lebenslange Partnerschaft ein überholtes Gesellschaftsmodell, Autos hat man ja auch nicht mehr ein Leben lang.”
Holpert Jürgens zu Beginn unkonzentriert durchs Programm, macht er es sich nach der Pause leichter, und bringt gleich das Manuskript mit auf die Bühne. Immerhin klappt es so deutlich besser.
Gelingt eine Point , wird die Stimmung durch eins seiner Lieder gedämpft. Unterstützt von drei Musikern, die ein wenig nach Abi-Band aussehen, stimmt er wehmütige Zeilen an, die Zuschauer werde Ohrenzeugen nahezu poetischen Ergüssen („Wo ist die Überdosis Schlaf in die ich meine Träume stopf”). Soll das Publikum lachen oder weinen? Oder beides?
Gehört hat man sie alle, die Problemchen die Mann und Frau so haben. Doch wie man mit dem Seelenstriptease dieses Mannes umgehen soll, bleibt auch nach zweistündigem, wohlwollendem Zuhören im Dunkeln.
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