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Schulterschluss für Freizeitrevier an Ruhrseen

18.01.2016 | 07:00 Uhr
Schulterschluss für Freizeitrevier an Ruhrseen
Eine solche Surfer-Kulisse wie im Binnenland von Wales muss auch am Hengsteysee kein Traum bleiben.Foto: Wavegarden

Hagen.   Die Freizeitpläne für die Ruhrseen werden konkret. Radfahrer-Brücke über Volmemündung kommt 2017. Hagen will sich mit Herdecke und Wetter abstimmen.

Mitten im Winter erwacht ein überfälliges Planungsthema aus dem gleichnamigen Schlaf: Das bislang meist unkoordinierte Nachdenken über die künftige Gestaltung des Freizeit- und Erholungsraums Harkort-/Hengsteysee soll in diesem Jahr in ein fundiertes planerisches Gesamtkonzept münden, das von allen Anrainer-Gemeinden mitgetragen wird. Nachdem sich im vergangenen Jahr bereits Hagens OB Erik O. Schulz und seine Herdecker Kollegin Katja Strauss-Köster zu den Entwicklungsperspektiven abgestimmt haben, wird es Ende Februar zu einem weiteren Austausch kommen, bei dem auch RVR-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel mit am Tisch sitzt.

Diese hatte zuletzt immer betont, dass der Regionalverband Ruhr (RVR) grundsätzlich bereit sei, sich rund um die Ruhrseen zu engagieren und sogar Flächen für mögliche Investitionen zu übernehmen. Das wäre vor allem für das angedachte Cargobeamer-Areal interessant, das nach dem Rückzug des Logistik-Konsortiums als fantasieanregende Potenzialfläche zur Verfügung steht. „Wir sind aber darauf angewiesen, dass wir von der Stadt Hagen Planungen bekommen“, forderte Geiß-Netthöfel bereits im Sommer 2014 ein abgestimmtes Vorgehen aller beteiligten Städte ein. „Daher werden wir auch noch den Kontakt nach Wetter suchen, um ein abgestimmtes Konzept für den Hengstey- sowie den Harkortsee aus einem Guss zu entwickeln“, setzt Planungsdezernent Thomas Grothe auf einen regionalen Dreiklang.

Kommentar
Spielraum für ehrgeizige Fantasien

Träumen ist erlaubt, ja sogar erwünscht. „Think big“ muss nach jahrzehntelangem Stillstand das Motto lauten. Denn der Erholungswert entlang der beiden Ruhrseen bewegt sich vorzugsweise entlang der Hagener Ufer auf dem traurigen Niveau der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Höchste Zeit, diesen Freizeit-Schatz zu bergen und auf das Level des 21. Jahrhunderts zu katapultieren.

Das bedeutet, dass es mit einer neuen Sonnenplattform am Harkortsee-Yachthafen in Baukey, getrennten Fahrwegen für Radler und Skater abseits der Fußgänger- und Jogging-Pfade nach Vorbild des Kemnader Stausees oder verlängerten Öffnungszeiten für das Panorama-Café am Hengsteysee definitiv nicht getan ist. Von einem politischen Fünfklang, der Ideen aus Hagen, Herdecke und Wetter sowie Anregungen des RVR und Ruhrverbandes harmonisiert, darf der Bürger durchaus mehr erwarten.

Das setzt aber auch voraus, dass jene Generationen, die in den nächsten Jahrzehnten mit ihren Familien die künftige Angebotspalette nutzen soll, schon heute konkret mitentwickelt. Die Jugend muss mit ins Planungsboot. Mit Konzepten, die allein von ewig gestrigen Bedenkenträgern und Wir-lassen-lieber-alles-so-wie-es-schon-immer-war-Gralshütern entwickelt werden, lockt man heute niemanden mehr hinter der heimischen Spielkonsole hervor. Dass der aktuelle Investoren-Vorstoß für einen Baumwipfelpfad im Hasper Wald schon wieder ins Wanken gerät, weil neuerdings irgendein Hühnervogel rund um die Hinnenwiese stelzen soll, sei an dieser Stelle nur beispielhaft dafür genannt, wie in Hagen interessante, obendrein noch extern finanzierte Projekte immer wieder aufs Abstellgleis rangiert werden.

Es darf in dieser frühen Findungsphase zur künftigen Entwicklung rund um die beiden Ruhrseen durchaus ein bisschen fantasiert, Verrücktes erdacht und sogar dosiert herumgesponnen werden. Vielleicht entsteht daraus ja eine Freizeit-Vision, die bislang starre Grenzen des Machbaren deutlich in Richtung des tatsächlich Attraktiven verschiebt. Dem Image des Standorts Hagen würden solche Projekte verdammt gut tun.

„Mit dem Ziel, unsere Region noch reizvoller zu gestalten, sollen die Kräfte gebündelt und aufeinander abgestimmt werden“, zeigt sich auch die Herdecker Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster überzeugt, dass eine intensivere interkommunale Zusammenarbeit die Attraktivität des Freizeit- und Erholungsraumes steigern könnte. Die Herdecker richten dabei ihren Fokus besonders auf das Industriedenkmal Koepchenwerk. RWE hatte zuletzt signalisiert, das Schieberhaus am Oberbecken mit dem weit sichtbaren Firmenschriftzug, die oberirdischen Druckrohrleitungen am Hang und das Krafthaus am Ufer trotz bestehenden Denkmalschutzes abreißen zu wollen. „Die ersten Gespräche haben gezeigt, dass hier ein großes Potenzial besteht, um die Akquise von Fördergeldern voranzutreiben“, geht die Bürgermeisterin nach den Gesprächen mit OB Schulz mit Grundoptimismus in die nächsten Verhandlungen.

Neue Volmebrücke für Radfahrer

Ein zentraler Mosaikstein – zumindest aus Hagener Sicht – könnte bereits 2017 realisiert werden: „Der Traum von der Volmequerung im Mündungsbereich zur Ruhr dürfte sich tatsächlich erfüllen“, gibt sich Stadtbaurat Grothe optimistisch. Die Planung sei konkretisiert, die Förderanträge gestellt und die Investition in Höhe von knapp 1,2 Millionen Euro bereits in die RVR-Haushaltsplanungen eingeflochten. Mit dieser neuen Flussquerung (Förderung: 80 Prozent) eröffnet sich die Chance, Fußgänger und Radfahrer, die am Hengsteyer Ruhruferwegen unterwegs sind, künftig auf der Hagener Seite zu halten und somit durch das Naturschutzgebiet Kaisbergaue und an Haus Baukey vorbei in Richtung Wasserschloss Werdringen zu leiten.

Doch die Ideenwelt der Planer greift deutlich weiter und soll damit potenzielle Privat-Investoren auch aus der Freizeitindustrie faszinieren: „Wir wollen nicht bloß das Bestehende besser miteinander verbinden, sondern auch ganz neue Attraktionen schaffen“, wirbt Grothe für so genannte Bürger-Denkwerkstätten in allen Seeanliegern-Gemeinden, um kreative Köpfe für das gemeinsame Projekt zu begeistern. Dabei gibt es für den Baudezernenten zunächst keinerlei Tabus: „Warum sollte eine Surfanlage auf dem Hengsteysee nicht möglich sein?“, regt Grothe beispielhaft an, sich im Internet einmal mit dem Waliser Surfparadies Wavegarden vertraut zu machen, wo schneepflugartige Schaufeln bis zu zwei Meter hohe Wellen über ein stattliches Binnengewässer wandern lassen.

Hotel für Radtouristen in Hengstey

Oder: Warum sollten schnuckelige Hotel-Bungalows auf dem Wasser mit eigenem Tretboot-Steg in Ergänzung zum Campingplatz am Harkortsee eine Unmöglichkeit sein? Warum könnte die Strandhaus-Gastronomie des Hengstey-Bades sich nicht zu einem attraktiven Hotel für Radtouristen mausern? Warum können die ohnehin brach liegenden Fallrohre des Koepchenwerks in Zukunft nicht den perfekten Zugang für die Startrampe zu NRWs größter Sommerrodelbahn bilden? Wäre womöglich sogar eine Seilbahn über den See hinweg mit einer Talstation auf dem Cargobeamer-Areal hinauf zum Pumpspeicherbecken denkbar? Dann könnte der zur Landmarke gewordene RWE-Schriftzug am Pumpspeicherwerk künftig als Abkürzung für „Rodel- und Wasserspaß-Eldorado“ herhalten. Selbst die Idee einer Landesgartenschau rund um die Ruhrseen hält Baudezernent Grothe nicht für abwegig.

Dabei erhält er die volle Rückdeckung von OB Schulz: „Wir müssen endlich die Freizeitchancen, die sich durch diese Wasserflächen eröffnen, erkennen und systematisch erschließen“, wirbt der Verwaltungschef dafür, zusammen mit RVR und Ruhrverband das Thema im regionalen Schulterschluss anzugehen: „Hier ist einfach kein Spielraum für Kirchturmdenken.“

Martin Weiske

Kommentare
19.01.2016
19:27
Schulterschluss für Freizeitrevier an Ruhrseen
von kartenlegerin | #11

alternativ könnte man ja auch klippenspringen a la acapulco vom rathaus in die volme anbieten. gibt es am hengsteysee demnächst auch ein rodeldiplom...
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Schulterschluss für Freizeitrevier an Ruhrseen
Schulterschluss für Freizeitrevier an Ruhrseen
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2016-01-18 07:00
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