Schulleiter anderer Meinung als Naina

Hagen..  Die 17-jährige Schülerin Naina aus Köln hat mit weniger als 140 Zeichen eine riesige Diskussion ausgelöst.

140 Zeichen, das ist das Maximum, was ein sogenannter „Tweet“ auf der Online-Meinungsplattform Twitter umfassen darf. Die Schülerin stellte in einer solchen Kurznachricht zwei Sätze gegenüber, die ihre momentane Schul- und Lebenssituation umreißen: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“, schreibt Naina und schließt amüsant mit: „Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

20 000 Abonnenten

Innerhalb weniger Tage wurde ihr Tweet über 14 000 Mal von anderen Nutzern der Plattform geteilt. Aus den ursprünglich 3000 Nutzern, die ihr folgten, haben nun mittlerweile über 20 000 Menschen die Schülerin abonniert. Bei Stefan Raab war sie in der Sendung „TV total“ zu Gast. Naina hat einen Nerv getroffen.

Lars Budde, Schulleiter der Gesamtschule Haspe, ist ein wenig verwundert über den Kommentar der 17-Jährigen: „Eine Errungenschaft der gymnasialen Oberstufe ist die Möglichkeit, Fächer frei zu wählen“, sagt Budde und führt aus: „Niemand wird gezwungen, vier Sprachen zu belegen.“

Allerdings sieht er in diesen Belangen auch einen Vorteil der Gesamtschulen im Vergleich mit den Gymnasien: „Fächer mit einer praktischen Ausrichtung sind an Gesamtschulen natürlich häufiger Vertreten als am Gymnasium.“

Keine Fächer wie „Lebenskunde“

Auch Horst Witthüser, Schulleiter am Gymnasium Hohenlimburg, teilt nicht die Meinung von Naina: „Es klingt ja so, als wäre das vor zehn Jahren eine andere Situation gewesen.“ Dem sei nicht so, das Schulsystem habe sich diesbezüglich nicht geändert und früher gab es schließlich auch keine Fächer wie „Lebenskunde“, gibt er zu bedenken.

Auch sieht Oberstudiendirektor darin nicht den Auftrag der Gymnasien: „Wir vermitteln akademisches Wissen. Außerdem sieht der stramme Lehrplan solche Dinge gar nicht vor.“