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Prävention

Schule von heute braucht Sozialarbeit

10.06.2010 | 19:42 Uhr
Schule von heute braucht Sozialarbeit

Hagen.Birgit Rother ist die erste Sozialarbeiterin an einem Hagener Gymnasium. Ihrer Meinung nach müsste es an jeder Schule eine solche Stelle geben: „Man braucht Sozialarbeit nicht erst, nachdem jemand Amok gelaufen ist.“

Ihre Tür steht immer offen. Die Frau, die erste Sozialarbeiterin an einem Hagener Gymnasium, wartet. Sie ist überhaupt nicht aufdringlich, wie man es von einer Sozialarbeiterin vielleicht annehmen würde. Die Schüler kommen und die Schüler gehen, sie schauen nach den Wüstenrennmäusen, von denen es anfangs drei gab, dann plötzlich vierzehn und jetzt wieder drei. Die Wüstenrennmäuse verstecken sich, die Holzwolle bewegt sich, die Mäuse buddeln sich jetzt irgendwo unter der Holzwolle durch ihr Versteck. Obwohl es drei Weibchen sind, heißen sie Sam, Ron und Hermine. Die Rennmäuse hat Birgit Rother (40) mitgebracht an ihren neuen Arbeitsplatz im Fichte-Gymnasium. Die possierlichen Tierchen sind ihr Türöffner zu den Jungen und Mädchen, die die Nager klopfenden Herzens streicheln, füttern und sogar in die Hand nehmen dürfen. Kein Schüler würde kommen, bloß um die neue Sozialarbeiterin kennenzulernen, da macht sich Birigt Rother nichts vor: „So aber ist mein Büro in den Unterrichtspausen immer voll. Und nebenbei, während sie sich mit den Mäusen beschäftigen, erzählen mir die Kinder, was los ist an der Schule.“ Statt erzwungener Nähe entsteht so Vertrauen. Und Birigt Rother hofft, dass die Schüler auch den Weg zu ihr finden werden, wenn es mal Probleme gibt.

Bevor sie im Februar nach Hagen kam, war sie zehn Jahre lang an einer Gesamtschule im Siegerland tätig. Sie sagt, Sozialarbeit müsste es heutzutage an jeder Schule und Schulform geben, die Zeiten hätten sich geändert, die Kinder verbrächten viel mehr Zeit in der Schule als frühere Generationen und von der Schule würde erwartet, dass sie Erziehungsaufgaben übernehme. Jutta Meyer, die Schulleiterin, die die Sozialarbeiterin engagiert hat, drückt es so aus: „Die Schule von früher gibt es nicht mehr. Und die Kinder von früher gibt es auch nicht mehr.“

Man sieht Kindern nicht an, ob etwas schiefläuft

Birgit Rother hält eine Menge von Prävention: „Man braucht Sozialarbeit nicht erst, nachdem jemand Amok gelaufen ist.“ Und man sehe einem Fünftklässler auch nicht an, ob und was bei ihm im Leben schief laufe, auch sie könne nicht in die Kinder hineinsehen, sie könne keineswegs für sich reklamieren, einen potenziellen Amokläufer zu erkennen, aber sie sei vielleicht in der Lage, manche konfliktbeladene Entwicklung frühzeitig beeinflussen zu können: „Ich nehme mir Zeit für die Kinder, Zeit. Und ich muss sie nicht benoten. Und wer mit mir sprechen will, der kommt freiwillig.“ Und darf mit der Schweigepflicht der Sozialarbeiterin rechnen. Kein Wort, dass ihr ein Schüler anvertraut, würde Birigt Rother weiterflüstern an Lehrer oder Eltern.

Ohnehin hängt sie Angelegenheiten nicht an die große Glocke, die dort nicht hingehören. „Ein Schüler, der sich prügelt, ist keineswegs ein späterer Gewalttäter.“ Birgit Rother weiß, dass sie eine konservative Meinung vertritt, wenn sie sagt, dass unsere Gesellschaft den natürlichen Umgang mit Raufereien verloren habe. Sie ist vierzig, zu ihrer Zeit waren Handgemenge auf dem Schulhof alltäglich, ohne dass jemand Zeter und Mordio und obendrein nach Polizei, Jugendamt und Sozialarbeitern geschrien hätte. Zu ihrer Zeit verbrachten Schüler ihre freien Stunden draußen und glotzten nicht Nachmittage lang ins Fernsehen oder den Computer.

Konflikt maßvoll einordnen

Aber jetzt ist sie im Hier und Heute. Die Fähigkeit, einen Konflikt maßvoll einzuordnen, aus einem Handgemenge keinen Weltkrieg zu machen und nicht an die große Glocke zu hängen, was dort nicht hingehört, ist vielleicht Birigt Rothers große Stärke. Neben Sam, Ron und Hermine natürlich. Wenn der Gong zum Pausenende ertönt und die Schüler die Rennmäuse in das Terrarium zurücksetzen, suchen die possierlichen Nager klopfenden Herzens ihr Versteck unter der Holzwolle auf.

Jetzt sind es die Mäuse, die eine Pause benötigen.

Von Hubertus Heuel

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Kommentare
14.06.2010
21:28
Schule von heute braucht Sozialarbeit
von Eva | #15

Wenn Prügel im besten Fall nicht geschadet haben: geholfen haben sie auch nicht. Zur Sache möchte ich Folgendes anmerken: Wenn man von Schulsozialarbeit keine Ahnung hat, sollte man vielleicht einfach mal bescheiden seinen Mund halten und sich jedes Kommentars enthalten. Schulsozialarbeit greift da, wo Kinder und Jugendliche Zuspruch brauchen, Rat, ein offenes Ohr und wo sie in ihren Ängsten und Nöten ernst genommen werden wollen. Und was hätte aus den Stammtischparolen schreibenden Männern werden können, wenn sie statt Prügel echte Konfliktlösung erlebt hätten. Und zu 10: du hast ja echt gar keine Ahnung von Geschichte :-))), wie süß.

14.06.2010
16:20
Blockierter Kommentar.
von Willi Brügel | #14

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14.06.2010
15:50
Schule von heute braucht Sozialarbeit
von Quatsch | #13

Lieber ewig gestrig als sich neumodernen Quatsch anhören, der nicht zu bezahlen ist. Früher gab es keine Verschuldung der Haushalte. Man lebte von dem, was ma verdiente. Auch der Staat hielt sich hieran. Die heutige Misere ist doch unerträglich!!!

14.06.2010
14:06
Schule von heute braucht Sozialarbeit
von peter | #12

halleluja, die ewig gestrigen sind hier versammelt

14.06.2010
08:05
Blockierter Kommentar.
von peter | #11

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.06.2010
22:23
Blockierter Kommentar.
von Quatsch | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.06.2010
17:01
Schule von heute braucht Sozialarbeit
von Bert | #9

Es kann doch früher nur besser gewesen sein, oder wir waren alle einfach besser als die heutige Jugend. Mit 5,5 Jahren in die Schule, mit 14 nach 9 Schuljahren einschl. Kurzschuljahr raus in den Beruf. Mit 17 Gesellenprüfung und arbeiten.
Heute weiss mancher 17 Jährige noch nicht mal wie Arbeit geschrieben wird, oder was er überhaupt machen soll.

13.06.2010
13:28
Schule von heute braucht Sozialarbeit
von Quatsch | #8

Zu 6: Du hast keine Ahnung. Niemanden hat das geschadet. Aus uns ist was geworden. Respekt gegenüber Lehrern und Eltern war an der Tagesordnung. Wenn das nicht klappte, gab es einen drüber. Den heutigen Quatsch mit Sozialarbeitern - und davon kenne ich einige Typen, die nicht zu ertragen sind, kann ich nicht mehr hören!

13.06.2010
10:15
Schule von heute braucht Sozialarbeit
von uljanov | #7

@5
Das war auch damals nicht erlaubt und ist ein Verstoß gegen Kinder- und Menschenrechte gewesen ! Ich [Jahrg. 1954]
Ich weiss, dass ein Lehrer, der so etwas praktizierte, die Folgen seitens seiner Vorgesetzten und der Behörden mit drastischen Maßnahmen zu Recht zu spüren bekam !

12.06.2010
19:17
Schule von heute braucht Sozialarbeit
von Bert | #6

zu 2,
doch das ist ernst gemeint, ich glaube nicht, das eine Ohrfeige damals jemandem geschadet hat. Auch die Kinder, die in den Jahren 1962-1971 die Schule besucht haben haben mal eine Ohrfeige erhalten. Aus all meinen Klassenkameraden und Kameradinnen ist was geworden, und keiner mußte Amok laufen. Wir haben einfach was gelernt.

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