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Kaninchenjagd

Schüsse zwischen Spazierwegen in Hagener Park

12.01.2016 | 07:00 Uhr
Schüsse zwischen Spazierwegen in Hagener Park
Die Kaninchenbestände im Hameckepark können nur noch durch die Jagd dezimiert werden.Foto: Michael Kleinrensing

Boelerheide/Altenhagen.   Die Kaninchen im Hameckepark nehmen überhand. Bis Ende Februar sollen die Bestände dezimiert werden. Die Passanten in der Grünanlage zeigen sich irritiert.

  • Die Kaninchen im Hameckepark nehmen überhand
    Bis Ende Februar sollen die Bestände dezimiert werden
    Die Passanten in der Grünanlage zeigen sich irritiert

Tanja Schmidt zuckte zusammen. Im Hameckepark war jemand umgebracht worden – das war zumindest einer ihrer ersten Gedanken, als sie Schüsse aus der nahe gelegenen Anlage hörte. Auch Udo Sahling, der an der Boeler Straße lebt, hörte die Schüsse. Schmidt und Sahling riefen bei der Polizei an. Es gibt zwar Tote. Aber keine Menschen. Die Schüsse aus einer Kleinkaliber-Waffe werden seit Wochen auf Kaninchen abgefeuert.

Thomas Schnelle ist der Mann, der am Abzug zieht. Der Hameckepark gehört zu seinem Jagdrevier zwischen Hauptbahnhof und den Lenne-Auen. Und genau hier, in Hagens größter Parkanlage, gibt es ein Problem, dem der erfahrene Jäger trotz regelmäßiger Einsätze nicht richtig Herr wird. Denn die Kaninchen vermehren sich hier so rasant, dass sie zum Problem werden. „Je höher die Anzahl der Kaninchen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie an Myxomatose erkranken“, sagt Schnelle.

Vorbeugung vor Myxomatose

Myxomatose ist ein Virus, das durch stechende Insekten hauptsächlich auf Wildkaninchen übertragen wird. Zunächst wirken die Tiere apathisch. Dann treten Entzündungen im Bereich der Augenlider, des Mundes, der Ohren, der Lippen und des Genitalbereiches auf. Nach spätestens 14 Tagen sind die Kaninchen tot.

Hintergrund
Rasante Vermehrung ist nicht bloß sprichwörtlich

Die Hauptüberlebensstrategie von Kaninchen besteht in Ihrer hohen Reproduktionsrate. Sofern mehr Tiere geboren werden als durch Klima, Fressfeinde und Krankheiten sterben, ist der Fortbestand gesichert.

Wildkaninchen können normalerweise mehr als fünf Würfe pro Jahr aufziehen. Pro Wurf kommen zehn Junge und mehr zur Welt. Bereits ab der zwölften Lebenswoche werden Jungtiere geschlechtsreif.

Zweites Problem: Die Kaninchen sind eine Plage für die angrenzende Kleingartenanlage „Bleibe treu“. „Im Frühjahr werden sie wieder ein Problem für uns“, sagt Vorsitzender Reinhard Kaminski. Denn dann greifen Hunderte Kaninchen das Gemüse der Kleingärtner an und buddeln sich dabei bis zu einem halben Meter unter einem Schutzzaun an einem Hang an der Ginsterheide hindurch. Kaminski: „Wir wollen es in diesem Jahr mit anderem Erdreich, anderen Gewächsen und einem Maschendrahtzaun gegen die Kaninchen versuchen.“

Jäger Thomas Schnelle muss hingegen mit seinen Mitteln versuchen, den Kaninchen-Bestand klein zu halten. 2015 hätten jede Menge Kadaver im Park gelegen oder die Leute wären völlig orientierungslosen Tieren begegnet. Die Myxomatose war schuld. Ende Februar beginnt die Schonzeit für die Wildkaninchen, dann dürfen sie nicht mehr bejagt werden. „Bis dahin muss ich schießen“, sagt Schnelle. Zum jetzigen Zeitpunkt habe er schon ungefähr 200 Kaninchen zu wenig geschossen.

Den Kaninchen mit der Hilfe von Frettchen zu Leibe rücken

Sein Problem: Die Kaninchen kann er aus Sicherheitsgründen nur in den Hanglagen des Parks schießen, nicht auf den Flächen, wo Spaziergänger unterwegs sind oder Kinder spielen. Noch dazu gibt es nur kleine Zeitfenster, in denen der Park nahezu menschenleer ist, in denen aber so viel Licht auf die Anlage fällt, dass Schnelle seine Ziele auch anvisieren kann. Demnächst will er wahrscheinlich wieder nicht nur mit dem Gewehr hinterm Baum stehen, sondern den Kaninchen auch mit der Hilfe von Frettchen zu Leibe rücken.

Die Frettchen, die sich Schnelle bei einem Hagener Polizisten leiht, der sie hält, zerren die Tiere aus ihrem Bau, vor denen Schnelle dann Fallen platzieren wird. „Wir haben auch schon mal versucht, einen Falkner einzusetzen. Doch in dem kleinräumigen Gelände hat der Habicht sich bei der Kaninchenjagd derartig verletzt, dass der Versuch abgebrochen werden musste.“

Bevölkerung besser informieren

„Für mich ist nachvollziehbar, dass der Kaninchenbestand kleingehalten werden muss“, sagt Anwohnerin Tanja Schmidt. Aber die Bevölkerung müsse über die Jagd informiert werden, damit keine Ängste entstünden. „Man kann doch auch einen Teil des Parks absperren“, sagt Schmidt. Dem hält Jäger Schnelle, der die Jagd immer ordentlich bei der Polizei anmeldet, aber entgegen: „So eine Absperrung wäre sehr kompliziert und schwierig, weil der Hameckepark viel zu viele Zuwegungen hat.“

Mike Fiebig

Kommentare
13.01.2016
14:19
Schüsse zwischen Spazierwegen in Hagener Park
von Klapperschlange | #3

Frage mich gerade, wie die Kanninchen in den Fallen zum Tod befördert werden - oder ist die Frage bei "Problemtieren" nicht angemessen?

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Schüsse zwischen Spazierwegen in Hagener Park
Schüsse zwischen Spazierwegen in Hagener Park
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http://www.derwesten.de/staedte/hagen/schuesse-zwischen-spazierwegen-in-hagener-park-id11454339.html
2016-01-12 07:00
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