Schreckensfahrt dauert elf Minuten

Dortmund..  Nach dem schweren Unfall auf der Dortmunder Stadtbahnlinie 43 (wir berichteten) geht die Polizei von einem tragischen Unglück aus. An der Haltestelle „Knappschaftskrankenhaus“ geriet ein junger Mann in die vordere Achse einer angekoppelten Bahn und wurde dann drei Kilometer mitgeschleift.

Der 20-Jährige erlitt schwerste Verletzungen, verlor nach ersten Informationen beide Beine und einen Arm. Die Polizei hört in dieser Woche zahlreiche Zeugen an, um das Geschehen rekonstruieren zu können. Nach ersten Erkenntnissen steht fest, was in der Nacht zu Montag geschah:
23.55 Uhr: An der Haltestelle „Knappschaftskrankenhaus“ am Brackeler Hellweg 44 fällt der junge Mann aus bisher unbekannten Gründen zwischen die aneinandergekoppelten Bahnen und gerät unter die Karosserie des insgesamt 62 Meter langen Zugs.

Niemand erkennt die Gefahr – die U 43 setzt die Fahrt in Richtung Innenstadt fort. Zwar sind Hilferufe zu hören, doch die Fahrgäste können diese zunächst nicht lokalisieren. Die Bahn fährt über Wambel und Körne weiter in Richtung Innenstadt.

00.05 Uhr: Seit der Abfahrt an der Station „Knappschaftskrankenhaus“ erreicht die U 43 nach fast drei Kilometern die sechste Haltestelle: An der Station „Von-der-Tann-Straße“ hört der Zeuge Celal Emlikli in seinem Kiosk am Körner Hellweg 210 mehrere Hilferufe. Er rennt auf die Straße und erkennt den zehn Meter von seinem Eingang entfernten Notfall. Die Türen der Bahn schließen. Der 40-jährige Kiosk-Betreiber schlägt gegen die Scheiben der abfahrenden Bahn und ruft die Polizei.

00.06 Uhr: 300 Meter später, vor dem Haus Kaiserstraße 147, stoppt die Bahn, nachdem ein Fahrgast die Notbremse gezogen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Unfallopfer während der 3,3 Kilometer langen Fahrt fast elf Minuten im Achs-Bereich eingeklemmt. Der Bahnfahrer und weitere Zeugen steigen aus und erkennen den eingeklemmten Schwerverletzten. Die Feuerwehr befreit ihn.

Tragischer Unfall

Das Verkehrsunternehmen DSW21 betreut den Fahrer psychologisch. Nach bisherigen Erkenntnissen geht die Polizei von einem tragischen Unfall aus. Die Ermittlungen richten sich nicht gegen den Fahrer, wie Polizeisprecher Oliver Peiler klarstellte. DSW21 hat den Unfall-Spezialisten der Polizei inzwischen einen Datenschreiber („Blackbox“) mit elektronischen Informationen über die Fahrt übermittelt.

An der Haltestelle „Knappschaftskrankenhaus“ ist eine Videokamera installiert. Ob sie den Beginn des Unglücks aufgezeichnet hat, war gestern nicht zu erfahren.