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Schlag auf Schlag auf Löcher-Tour

08.04.2009 | 19:00 Uhr
Schlag auf Schlag auf Löcher-Tour

Hagen. Die Sonne lacht, es friert nicht mehr: Das ist das Wetter, das der Straßenbetrieb Hagen sich schon seit Wochen wünscht. In diesem Jahr hat der Winter den Asphalt besonders stark strapaziert. Hagens 660 städtische Straßenkilometer sind durchsetzt von Schlaglöchern und anderen Frostschäden.

HINTERGRUND
660 Kilometer langer Arbeitsplatz

So kümmert sich die Stadt um die lästigen Löcher:

  • 660 städtische Straßenkilometer durchziehen Hagen.
  • Unterhalten werden sie vom Straßenbetrieb. Vier Straßenmeister teilen das Stadtgebiet unter sich auf.
  • Je nach Verkehrsaufkommen nehmen die Mitarbeiter jede Straße täglich (Autobahnzubringer) bis monatlich (Anliegerstraßen) in Augenschein.
  • Außerdem geben Bürger Hinweise auf Straßenschäden.
  • Gefährliche Schäden werden auch im Winter sofort behoben: Provisorisch stopft Kaltasphalt die größten Löcher.
  • Großflächige Ausbesserungen werden dann möglich, wenn Wasser-, Energie- oder Telefonfirmen ohnehin die Straßen aufreißen.
  • Zwei Aufrissmeister kontrollieren diese Arbeiten und vertreten die Interessen der Stadt bei den Arbeiten der Fremdfirmen.

Jetzt können die Kolonnen diese endlich beheben: „Wir können nicht überall gleichzeitig anfangen“, bedauert Jörg Steinmann, der mit seinem Geländewagen im Hagener Norden unterwegs ist, um die Schäden zu erfassen. Ganz oben auf seine Liste hat der Straßenmeister die Gefahrenstellen geschrieben, die sofort beseitigt werden müssen.

2008/09 war ein harter Winter, erzählt er: Das Wechselspiel von Tauwetter und erneutem Frost hat sich in dieser Saison mehrfach wiederholt: „Bei Tauwetter dringt Schmelzwasser in die Straßen ein. Wenn es wieder friert, reißt der Asphalt auf. In diese Risse kann neues Schmelzwasser eindringen...” Ein Teufelskreis.

Ältere Straßen sind besonders gefährdet. Und die findet man vor allem „in Altenhagen, wie der Name schon sagt.“ Dort ist gerade eine dreiköpfige Kolonne unterwegs, um die gröbsten Löcher zu flicken. Ein Krater in der Königstraße gibt die Sicht durch den Sandwich aus Asphaltschichten auf den Schotter darunter frei.

Straßenunterhaltungsarbeiter Oliver Milchert begrenzt die Stelle mit zwei Schienen; sein Kollege Jens Beier langt mit der Schüppe in den dampfenden Asphalt auf der Transporter-Ladefläche. Nachdem er mit einer Walze den Flicken verdichtet hat, staubt der Kollege den Asphalt mit Sand ab, damit niemand ausrutscht.

Keine fünf Minuten dauert die Erstversorgung. Dann geht es weiter zum nächsten größeren Loch. Kleinere Schäden am Rand lassen sie links liegen: Für Kosmetik ist kein Geld da.

„Die Mittel reichen noch nicht einmal zur Substanzerhaltung“, sagt Michael Haneke. „Für Hagens Gemeindestraßen stehen drei Millionen Euro Unterhaltungsmittel zur Verfügung”, rechnet der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Grünanlagen- und Straßenbetrieb vor. „Nötig wären fast 700 000 Euro mehr.”

Das liegt auch an der Zunahme des Schwerlastverkehrs in den letzten Jahren: „Weder Bund noch Land zahlen dafür einen Ausgleich”, so Haneke.

Dabei liegen die Ursachen in der Dauerbaustelle A1, die auf Gemeindestraßen umfahren wird, und in der Lkw-Maut. Dazu kommen Navigationsgeräte, die die Lastwagen auch gern schon mal querfeldein lotsen.

Der Schwerlastverkehr ist für 90 Prozent der Straßenschäden verantwortlich, weiß Straßenmeister Steinmann. „Ein 40-Tonner übt die zigtausendmal mehr Kraft auf die Straße aus, als ein Pkw, obwohl er nicht mal das 40-fache wiegt.”

Der Grund für diesen physikalischen Effekt: Die Lkw müssen viel mehr Kraft aufbringen, um die Last zu beschleunigen oder Abzubremsen. Daher findet man die meisten Schadstellen an Ampeln oder in Kurven.

Doch wenn die Stelle nicht gefährlich ist für Autos, Fußgänger oder Radfahrer, kann sie nicht geflickt werden. Finanziert wird nur ein Warnschild Nr. 101 mit Zusatz: Straßenschäden!

Die Straßenmeisterei Hagen beseitigt nach dem harten Winter 2008/09 Schlaglöcher - hier der Eggenweg (Foto: Christoph Rosenthal)

Wie unangenehm es jedoch ist, über verformte Straßen zu holpern, das weiß Steinmann aus eigener Erfahrung: „Ohne Fahrkomfort geht Lebensqualität verloren”, findet er: „Die Straßen sind schließlich für die Menschen da, nicht nur für Fahrzeuge.”

Christoph Rosenthal

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