Schief = pittoresk

Drei fruchtbare Reiseerfahrungen von einem Eiland-Urlaub:

1. Apfelsinen schmecken frisch vom Baum doch ganz anders als jene, die ihre letzte Reife während einer Containerschiff-Reise ins kühle Mitteleuropa erfahren.

2. Die meisten Voll-Deppen sitzen auch in fernen Ländern hinter den Lenkrädern der Automobile.

3. Man kann sich als Fußgänger auch in Dörfern gefahrlos fortbewegen, in denen die Bürgersteige nicht glatt gebügelt sind wie ein Kinderpopo.


Letzteres ist gerade für Hagen eine wichtige Erkenntnis, wo immer wieder Trottoirs aufwenig gerichtet werden, sobald die ersten Platten kippeln. In einer Kommune, in der strenges Haftungsrecht auf üppig rechtsschutzversicherte Bürger trifft, bekanntlich ein Vabanque-Spiel für die Verantwortlichen. Während die Menschen im Urlaub holperige Pflasterstraßen und ausgelatschte Stufen als pittoresk empfinden, kommt einem vor der heimischem Hautür jede Unebenheit unzumutbar vor.


Vielleicht sollten wir lernen, unsere teils in die Jahre gekommenen Fußwege als historischen Schatz zu entdecken: Wege-Ambiente des frühen 21. Jahrhunderts als Kulturgut. Ein Fall für die Denkmalschützer? Könnte dem Kämmerer einen Haufen Geld sparen.