Schickse, Wibbelbohnen und Pflaumenaugust
05.03.2008 | 18:00 Uhr 2008-03-05T18:00:00+0100
Hagen. Er schreibt von teicheln, stippen und dremmeln, vom Pflaumenaugust und vom Bömmsken, von Stielaugen machen, Teilchen kaufen und von Wibbelbohnen. Und der Hagener an sich denkt, es handele sich um ganz normale Begriffe auf Hochdeutsch.
Von wegen - das alles sind Ergebnisse der Recherche aus den Tiefen des „Hagener Sprech”. „Ich spiegele keinen Dialekt wider, sondern den Hagener Slang”, betont Oliver Nickel. Der Autor des amüsanten Nachschlagewerks „Von Haus aus auf schlau” ist gebürtiger Hagener. „1983 bin ich aus Hagen weggegangen, hab' in Karlsruhe und Saarbrücken gelebt, bin heute mit meiner Familie in Nürnberg ansässig”, erzählt der 44-jährige Marketing-Berater. Doch die typisch Hagener Redensarten hätten ihn immer beschäftigt.
Ein Jahr lang hat Nickel Slang-Begriffe gesammelt, von Freunden und Verwandten, von bekannten Hagener Köpfen wie Musiker Kai Havaii und Rolf Möller, von Ex-Basketballer Martin Schimke oder Urgesteins-Wirt „Elvis”. Über 600 Begriffe, die die letzten 50 Jahre reflektieren, hat der Hobby-Autor ausgemacht. „25 Prozent davon sind im Duden zu finden, meist ergänzt mit dem Zusatz ,Mundart'”, erläutert Nickel.
Einige Slang-Wörter (zum Beispiel Schickse) hätten jiddische Wurzeln, andere würden auf Ruhrgebiets-Tradition fußen (Malocher). „Mein Buch bewegt sich zwischen Gossensprache und kultureller Hochsprache, ist nicht alphabetisch aufgebaut, sondern orientiert sich an Lebensbereichen wie ,Beim Essen', ,Beim Gang in die Stadt' oder ,Glück und Geld'”, verdeutlicht der Autor. Ihm sei es leichtgefallen, solch ein Nachschlagewerk zu verfassen, da er mittlerweile den nötigen Abstand zu seiner Heimatstadt habe. „Obwohl ich mich an Veranstaltungen wie den Sockenball in der Ischelandhalle an Karneval oder an Ausflüge an die Glör - also zur Glörtalsperre - selbst noch gut erinnern kann.”
Das im Ardenku-Verlag erschienene Buch ist ab sofort im Handel erhältlich. Oliver Nickel stellt das Werk „Hagener Slang - zum Nachschlagen” am Samstag, 8. März, um 11 Uhr im Rahmen einer Lesung in der Buchhandlung Thalia vor. Der Eintritt ist frei.
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