RWE hält an seinen Abrissplänen fest

Herdecke..  Ortsbegehung mit Überraschungen und komplexen Informationen: Nach einem Austausch zwischen RWE-Vertretern und Politikern sowie städtischen Mitarbeitern Herdeckes ist in der Debatte um den Abriss denkmalgeschützter Einrichtungen am Koepchenwerk keine Einigung in Sicht.

Vor dem Rundgang und der Diskussion über die teure Instandsetzung der Altanlage ging Thomas Dymek, der technische Leiter der RWE-Wasserkraftwerke und einst fast zehn Jahre lang Betriebsleiter in Herdecke, erst einmal auf „die dramatische Situation“ am Koepchenwerk ein. Durch die Energiewende liege die aktuelle Stromproduktion zwischen 77 und 85 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Folge: geringe Erlöse, Zukunftssorgen, Überlegungen zu technischen Veränderungen. „Wir müssen flexibler werden und denken über Container für Batterie-Lösungen oder ähnliches nach.“ Dafür benötige RWE weitere Flächen am Hengsteysee. „Wir wollen am Standort festhalten, aber in der Form können wir den Betrieb in den zehn Jahren nicht fortführen und müssen Kosten sparen.“

Erhalt würde 7,5 Mio. Euro kosten

Aus diesen Erwägungen heraus und mit Blick auf prognostizierte 7,5 Millionen Euro, die die Reparatur und der Erhalt des Schriftzugs mit Schieberhaus, der oberirdischen Rohre am Hang und der großen Maschinenhalle am Ufer in den nächsten Jahren kosten würden, sei der Abriss die wirtschaftlich vernünftigste Lösung. „Das würde uns einen Spielraum für eine zukunftsfähige Lösung ermöglichen“, sagte Thomas Dymek.

Ulrich Bräutigam, bei RWE Leiter für die Flächen- und Standortentwicklung sowie Konzernimmobilien zuständig, verdeutlichte die Sicherheitsprobleme, die der externen Nutzung oder beispielsweise der Einrichtung eines Museums im Weg stünden. „Wir sind keine Museums-Frevler, die Lage hier gibt aber kaum Erschließungsmöglichkeiten her.“ Über eine zusätzliche Brücke oder einen Fährbetrieb sollten sich andere Gedanken machen: „Wir dürfen den Regelbetrieb nicht gefährden, ganz zu schweigen von der Fluchtwegproblematik bei Störfällen, Reparaturen oder Revision.“ Im riesigen Krafthaus gebe es Probleme mit Feuchtigkeit, Kondensat und Temperaturen, daher habe RWE vor vier Jahren die Instandsetzungsarbeiten gestoppt und begonnen, sich Gedanken über die große Lösung zu machen. Dazu gehört der Rückbau der denkmalgeschützten Anlagen ab 2019 mit bis zu drei Millionen Euro Kosten. Bräutigam zu den Gästen: „Wir wollen das transparent und im Konsens mit Ihnen angehen.“

Einspruch und Kritik von Gästen

Das löste Widerstand aus. Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster verwies auf die finanzielle Kraft von RWE und den Abriss zweier Denkmalfassaden am Cuno-Kraftwerk aus Platzgründen, was durch Planungsänderungen aber unnütz gewesen sei. Auch Landrat Arnim Brux will für den Erhalt der Landmarke kämpfen, Fragen zur Energiepolitik müssten andernorts geklärt werden.

Die Ratsmitglieder Jochen Plaßmann („Wir hätten gerne eine Gewinn- und Verlustrechnung“) und Jens Plümpe zweifelten die rein wirtschaftlichen Argumente an, Ulrich Schwellenberg stellte angesichts der Technikpläne den Bau der neuen Anlage bis 1989 infrage, Heinz Rohleder warb für neue Erschließungsideen. Für Jan Schaberick wäre ein teilweiser Erhalt der drei Denkmäler denkbar.