Rolle des Aufsichtsrats ändert sich in der Krise

Zu den ursprünglichen Aufgaben eines Aufsichtsrates gehört es naturgemäß nicht, ein Unternehmen zu leiten, sondern das Gremium hat lediglich einen Kontrollauftrag. Diese Intensität der Überwachung verändert sich in Krisensituationen. Bei offenkundiger Ergebnisverschlechterung müssen die Aufsichtsräte eine unterstützende Rolle übernehmen. Vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende ist hier gefordert, mit dem Vorstand die strategischen Unternehmensziele und das Risikomanagement in engerer Abstimmung zu erörtern und zu bewerten.

Verschärft sich die Krise so gravierend, dass die Ertragslage und die Liquidität berührt sind, rutscht der Aufsichtsrat sogar in eine gestaltende Rolle. Dazu kann er sich u.a. auch des Rates von Sachverständigen bedienen, um einzelne unternehmerische Entscheidungen zu überprüfen. Der vom Enervie-Aufsichtsrat bereits formierte Finanzausschuss, der an diesem Freitag, 13. Februar, zusammentritt, plant beispielsweise konkret, externe Wirtschaftsprüfer beratend mit ins Boot zu holen.

Grundsätzlich gilt: Mit der fortschreitenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens ist ein Aufsichtsrat in der Pflicht, stufenweise seine Überwachungsaktivitäten zu intensivieren – für nebenamtlich tätige und häufig auch fachfremde Aufsichtsräte eine gewaltige Herausforderung. Zumal damit auch Haftungsrisiken einher gehen.