Rolf Brendel und die „wilden Jahre" mit Ex-Freundin Nena

In den 80er-Jahren auf Erfolgskurs: die NENA-Band. Der zweite Mann von rechts ist  Rolf Brendel.
In den 80er-Jahren auf Erfolgskurs: die NENA-Band. Der zweite Mann von rechts ist Rolf Brendel.
Foto: Jim Rakete
Was wir bereits wissen
Der Hagener Rolf Brendel (er war über Jahre Schlagzeuger der Band NENA und Lebensgefährte der bekannten Sängerin Nena) hat jüngst das Buch „NENA – Geschichte einer Band“ herausgebracht. Am Donnerstag, 22. Januar, liest der heute 57-Jährige bei Thalia aus seinem Erstlingswerk.

Hagen.. Es waren die wilden 80er. Rolf Brendel war nicht nur Gründungsmitglied und Schlagzeuger der legendären Band NENA, sondern auch etliche Jahre der Lebensgefährte von Sängerin Gabriele Susanne Kerner, die alle nur Nena nannten (und auch heute noch ­nennen). Der Hagener Rolf Brendel hat jüngst das Buch „NENA – Geschichte einer Band“ herausgebracht. Am Donnerstag, 22. Januar, liest der heute 57-Jährige bei Thalia aus seinem Erstlingswerk und erzählt Geschichten von den Anfängen der Band „The Stripes“ in Hagen und den Aufstieg zur umjubelten Neue-Deutsche-Welle-Band.

Die 80er liegen ja nun schon eine Weile zurück. Warum ist das Buch gerade jetzt bzw. vor ein paar Wochen auf den Markt gekommen?

Rolf Brendel: Die Idee zu dem Buch hatte ich schon in den 80er-Jahren. Ich hab’ damals schon viel aufgeschrieben, Zeitungsartikel und Bravo-Ausschnitte archiviert und mit meinem Sony-Walkman Gespräche, Proben und Konzerte aufgenommen. Allerdings wurden die Erinnerungen an damals langsam immer diffuser. Deshalb hab’ ich mich die letzten zwei Jahre konzentriert drangesetzt, das Skript fertigzuschreiben.

"Zig Gründe, sich in Nena zu verlieben"

Nena und Sie sind beide in Hagen geboren, haben als junge Leute hier zusammen Musik gemacht. Wie kam es dazu, dass Sie ein Liebespaar wurden?

Brendel: 1980 war ich 23, verheiratet und hatte eine kleine Tochter. Doch weder meine Frau noch mein Kind konnten verhindern, dass sich mein Herz davon schlich. Es gab zig Gründe, sich in Nena zu verlieben, und ich meine jetzt nicht nur ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung. Es war diese ungebändigte Energie, ihre Begeisterungsfähigkeit, ihre ansteckende Lebensfreude. Nena trug ihr Herz immer auf der Zunge. Außerdem hatte sie einfach Persönlichkeit, ganz viel Humor und war unheimlich zielstrebig.

Sie waren fast zehn Jahre ein Paar?

Brendel: Ja fast. Von 1978 bis 86. Es waren tolle, wilde Jahre, aber wir haben zu komprimiert gelebt, ­waren sieben Tage die Woche über 24 Stunden zusammen.

"Viele Mädels waren hinter uns her"

Nena war ausgesprochen hübsch, sexy und hatte viele Verehrer. ­Waren Sie nicht eifersüchtig?

Brendel: Alle flippten aus, wenn sie Nena sahen. Doch zum Glück bin ich nicht so ein eifersüchtiger Typ. Außerdem hatten wir Jungs in der Band ja auch Chancen. Viele Mädels waren hinter uns her. Als Rockstar träumst du natürlich von Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Und nimmst manchmal auch mit, was geht.

Etwa zur gleichen Zeit wie die persönliche Trennung hat sich auch die Band aufgelöst.

Brendel: Ja, es lief nicht mehr rund. Zehn Jahre ­volles Rohr – irgendwann musste Schluss sein.

Und heute? Haben Sie noch Kontakt zu Nena?

Brendel: Wir sind noch immer locker befreundet. Ich hab’ sie bei einigen Preisverleihungen besucht, sie war vor zwei Jahren auf meiner Hochzeit dabei. Aber natürlich leben wir heute ganz unterschiedliche Leben. Nena mit ihrer Familie in Hamburg, ich in Cloppenburg.

Fünf Kämpfer für eine neue Musikgeneration

Cloppenburg – nicht gerade der Nabel der Welt.

Brendel: Überhaupt nicht, aber das ist auch schön. Meine Frau betreibt hier ein Kino. Berlin – dort hab’ ich zuletzt gewohnt – ist ein großer Ameisenhaufen. Es war unheimlich zeitaufwändig, dort zu leben. Außerdem – was heißt schon Metropole, Großstadt? Man treibt sich doch eh meist nur in seinem Kiez rum.

Nochmal ein Blick zurück. Verspüren Sie Wehmut?

Brendel: Nein, es waren rasante Jahre, die mir bzw. uns niemand mehr nehmen kann. Wir – also Nena, Carlo, Jürgen, Uwe und ich – waren fünf Kämpfer für eine neue Musikgeneration, für ein neues Zeitalter, für den Erfolg. Und anders als viele dachten, war NENA weder eine Teenie-Band, noch eine im Rampenlicht stehende Sängerin plus Backing-Band, sondern wir waren fünf gleichberechtigte Musiker. Wir waren eine echte Gemeinschaft. Doch alles hat seine Zeit.

Und heute?

Brendel: Gebe ich in Cloppenburg Musik- und Schlagzeugunterricht und spiele in einer Cross-Over-Band. (lacht) Und ich schreibe Geschichten für meine beiden Enkelkinder.