Resistent gegen Antibiotikagruppen

Hohenlimburg..  Es klingt paradox. Doch besonders Krankenhäuser haben zunehmend mit widerstandsfähigen Keimen zu kämpfen. Das ist nicht neu, aber dennoch beunruhigend. Vor allem für jene Patienten, die sich für eine Behandlung in die Obhut eines Krankenhauses begeben müssen.

Dr. Markus Dechêne, Chefarzt für Innere Medizin und Hygienebeauftragter des Elseyer Krankenhauses, referierte jetzt im Rahmen der Vortragsreihe „der mündige Patient“ über die Thematik „Keime im Krankenhaus“ und gab spannende Einblicke in die Welt der multiresistenten Keime.

Keime können in Form von Viren, Parasiten, Pilzen oder Bakterien auftreten. Dechêne fokussierte sich auf die Gruppe der Bakterien, weil diese zunehmend Resistenzmechanismen gegen viele bekannte Antibiotikagruppen entwickeln. Dass es überhaupt zu derartigen Resistenzen kommt, liegt vor allem an der Ernährung des Menschen.

In der Massentierhaltung werden laut Dechêne alljährlich rund 170 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Deshalb kommt es vor, dass auch gutartige Bakterien, wie sie beispielsweise in der Darmflora vorhanden sind, Abwehrstrategien entwickeln. Diese Abwehrstrategien sind in der DNA eines Bakteriums enthalten und können weitergegeben werden.

Der Mensch kann diese resistenten Keime aus der Tierhaltung über das Wasser oder Fleisch aufnehmen.

Es gibt Keime, die in besonderem Maße Resistenzen gegen Antibiotika ausgebildet haben, wie etwa MRSA (Methicillin-resistenter Staphylokokkus aureus), ESBL (extended-spectrum-ß-Lactmase-Bildner) oder VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken). „Staphylokokkus Aureus kann bei Menschen auf der Haut oder in den oberen Atemwegen vorkommen, ohne dort Schaden anzurichten. Es kann aber auch zu einem Infektionserreger werden, der eine Sepsis oder eine Lungenentzündung verursacht und dann durch seine Resistenz schwer behandelbar ist“, erklärt Dechêne.

Eine Eindämmung dieser resistenten Keime könne im Krankenhaus nur durch intensive Desinfektionsmaßnahmen erfolgen: „Das wichtigste ist zunächst einmal eine gründliche Desinfektion der Hände. Ist ein Patient beispielsweise positiv auf MRSA getestet, wird er in der Regel isoliert, und das zuständige Personal muss genauestens auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achten, um eine Ausbreitung zu vermeiden“, so Dechêne, der darauf verwies, dass in einem solchen Fall nur ein rationaler Antibiotikaeinsatz erfolgen sollte. Auch bei der Verwendung von Kathetern ist Vorsicht geboten, da diese als Fremdkörper in den Organismus eingeführt werden und eine beliebte Brutstätte für Keime seien.

„Wir stehen im Vergleich gut da“

„Wir stehen im Vergleich zu anderen Häusern sehr gut da und haben beispielsweise im Zeitraum von 1. Oktober 2010 bis 30. September 2011 von insgesamt 4519 Patienten nur 29 auf MRSA positiv getestet“, so der Chefarzt für innere Medizin. In der Quintessenz hielt Dechêne fest, dass „nur ein streng indizierter Antibiotikaeinsatz in der Humanmedizin“ die Resistenzentwicklung verlangsamen kann.