Renaissance der Schiene

Stilllegung der Hagener Straßenbahn vor 40 Jahren. Vor 20 Jahren hat man dem Projekt einer Stadtbahn bis ins weite Umland leider keinerlei Chancen eingeräumt. Stattdessen stehen heute die Autos in Hagen und im Umland im Stau und das Busnetz ist aufgrund von Sparmaßnahmen auf ein Stummelnetz zusammengestrichen worden. Nun wundern sich die Stadt Hagen und auch das Umland jedes Jahr darüber, warum Unternehmen wie auch junge Leute vermehrt in Regionen abwandern, die einen besseren Nahverkehr zu bieten haben. Sei es nun Köln, Stuttgart, München, Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main oder auch kleinere Städte wie Karlsruhe, Ulm, Augsburg oder auch Erfurt und Jena.


Erfurt, Jena, Halle an der Saale und Magdeburg beispielsweise hatten damals mit einem massiven Bevölkerungsschwund gerechnet. Heute ist genau das Gegenteil der Fall und die Städte sind wie wild am Boomen. Was war passiert? Man hatte konsequent in den letzten Jahren auf den Ausbau des Straßenbahnnetzes gesetzt. Und das anscheinend mit großem Erfolg! Es wurden neue Unternehmen und zig Tausend neue Studenten angezogen. Und das Ganze immer noch mit steigender Tendenz!

In Hagen hingegen kam man genau vor 40 Jahren, im Jahr 1975, auf die kolossale Idee, die Straßenbahnschienen rauszureißen und stattdessen eine autogerechte Stadt zu entwerfen. Die Folgen sind bekannt. Hagen ist heute Spitzenreiter bei den Feinstaubwerten, bei den Stauzahlen und auch bei der Bevölkerungs- und Unternehmensabwanderung.

Diese Kritik müssen sich unsere Politiker nun mal leider gefallen lassen. Man hat in unserer Region jahrzehntelang auf das falsche Pferd gesetzt und wundert sich nun, dass diese Rechnung nicht mehr aufgeht. Auch die neue Rathaus-Galerie und die Sanierung der Innenstadt werden diesen Abwärtstrend in Hagen und im Umland leider nicht stoppen können.


Überall in Europa und auf der Welt werden neue Straßenbahnnetze zusammen mit der Bevölkerung entwickelt und neu gebaut. Die Urbanisierung vieler Länder zwingt zu diesem Schritt. Auch der zunehmende Autoverkehr wird in den meisten Ländern mittlerweile mehr als Bedrohung denn als Bereicherung angesehen. Nur im schönen Südwestfalen und auch weiten Teilen des restlichen NRW ist man wie so oft anderer Meinung. Lasst uns doch lieber noch eine schöne Autobahn bauen! Wer Verkehrspolitik mit mittelalterlichen Methoden betreibt, darf sich nicht wundern, wenn dies auch in unserem Gebiet nicht zum Erfolg führt!


Deshalb muss dringend in Hagen und auch im restlichen NRW ein Umdenken erfolgen. Statt Straßenbahnlinien stillzulegen, müssen neue Straßen- und Stadtbahnnetze gebaut werden, die alle größeren Städte miteinander in dichtem Takt verbinden. Noch ist es dazu nicht zu spät, aber in spätestens 20 bis 30 Jahren ist auch leider dieser Zug für Hagen und das restliche NRW abgefahren. Nur die großen Städte wie Köln, Düsseldorf, Bielefeld, Essen und Dortmund mit einem eigenen Stadtbahnnetz werden dann noch Chancen auf Zuwanderung und mehr Unternehmen und Arbeitsplätze haben. Das ist leider eine bittere Realität!