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Ren-Rong-Retrospektive im Hagener Osthaus Museum zu sehen

17.02.2016 | 16:21 Uhr
Ren Rong in Hagen - der Künstler zwischen Mao mit vielen Augen und seinen Pflanzenmenschen aus Stahl. Eine Retrospektive ist im Hagener Osthaus Museum zu sehen.Foto: Matthias Graben

Hagen.   „Lasst hundert Blumen blühen!“ - Eine große Ren-Rong-Retrospektive ist ab Sonntag im Hagener Osthaus Museum zu sehen.

Widersprüche, Irritationen und Mehrdeutigkeiten - das sind die Haupteindrücke, die sich vermitteln in „Lasst hundert Blumen Blühen!“, einer Retrospektive, die im Hagener Osthaus Museum das Werk des 1960 in China geborenen Künstlers Ren Rong präsentiert.

Mit Pflanzenmenschen international bekannt

International bekannt wurde seit 1986 in Deutschland lebende Rong mit seinen Pflanzenmenschen, Zwischenwesen, die in Metallskulpturen verwoben sind oder aus Draht gebogen (Rong: „Die habe ich mit einer Zange aus Gartendraht geformt, wenn ich im Zug saß.“), die als Prägedruck und Scherenschnitt für sich stehen oder die in Bildwelten drängen: Sie winden sich ums Brandenburger Tor, fliegen über die Chinesische Mauer, spielen mit dem Tempel des Himmels, tanzen um einen Atompilz. Immer aktiv.

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Der chinesische Künstler Ren Rong stellt in der Galerie des Evangelischen Krankenhauses aus. Zu sehen sind Werke aus seinem Zyklus „Pflanzenmenschen".

Und sie ranken hinein in ein Familienbild aus den 60er Jahren, ernste Menschen in blauen Mao-Jacken. Sie stören die Ordnung, bringen Leben hinein, Fröhlichkeit und Frechheit. So darf man das sehen. Allgemein. Der Künstler nimmt es persönlich. Links unten im Bild steht er selbst als kleines Kind, jüngster von drei Brüdern. Und er hat wie so ein Pflanzenmensch seine Familie irritiert. Sie waren alle Kommunisten, Parteimitglieder mit Militärkarrieren. Er, der Künstler werden wollte und nach Deutschland ging, störte: „Ich bin das seltsame Wesen in meiner Familie“, sagt Ren Rong.

Als er in China war, wollte er unbedingt ins Ausland. Und dort ist sein Interesse für die chinesische Kultur gewachsen. Die ganz frühen Arbeiten aus China, die auch in Hagen hängen, sind vom russischen Realismus des 19. Jahrhunderts und dem Surrealismus geprägt, die späteren von westlicher Gegenwartskunst und zugleich von Motiven und Techniken aus China, wie der Kalligraphie - nicht als Verschmelzung, sondern als Begegnung.

Und immer wieder Mao. Seit Warhol ist der Große Vorsitzende eine serielle Ikone der Kunst, doch auch ihn betrachtet Rong wieder ganz persönlich: „Sein Porträt war das einzige Dekorationsstück in unserem Haushalt.“ Er hat klassische Fotos übermalt und ergänzt.

Mao und die Pflanzenmenschen

Er konfrontiert einen riesigen Kopf mit einer Eisen-Skulpturengalerie aus Mensch, Pflanze, Sonne, Tier und Klang (man darf dagegen klopfen) und Licht: „Das ist meine Friedensarmee im Dialog mit der Terrakotta-Armee aus Xian.“ Und zugleich sieht der Künstler seine Arbeit angeregt durch Maos Satz von 1956 „Lasst hundert Blumen blühen“: „Die Idee war gut, auch wenn sie später in der Realität der Kulturrevolution viel Schreckliches erzeugt hat.“

Renn Rong immer wieder in China

Ren Rong hat Ateliers in Bonn und Peking, ist jedes Jahr vier bis sechs Mal in China und auch dort bekannt und erfolgreich. Über Mao, der optisch immer noch eine wichtige Rolle spielt, spricht man dort weniger, sagt er. Seine Mao-Bilder werden nicht öffentlich ausgestellt, aber privat gesammelt.

Kultur
Ren Rong zeigt Retrospektive

Die Arbeiten des Künstlers, der die Skulptur in Rüdinghausen schuf, sind bald im Osthaus Museum Hagen zu sehen. Es ist eine Kooperation mit Witten.

Ren Rong lebt in zwei Welten. In seinem Werk spiegeln sie sich. Und auch wenn er, der an der Kunstakademie in Nanjing studiert hat und später Meisterschüler an der Akademie in Düsseldorf war (Einflüsse von Joseph Beuys zeigen sich in der Verwendung von Wachs), seine Bildwelten als Reaktion auf persönliche Erfahrungen und Prägungen bezeichnet, sind sie mehr: Zeugnisse der produktiven Begegnung unterschiedlicher Kulturen, Beweis dafür, dass im Dialog außergewöhnliche und bereichernde Perspektiven entstehen können.

150 Arbeiten aus 31 Jahren werden im Osthaus Museum in zwölf Räumen präsentiert - ein Erlebnis.

Harald Ries

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Ren-Rong-Retrospektive im Hagener Osthaus Museum zu sehen
Ren-Rong-Retrospektive im Hagener Osthaus Museum zu sehen
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2016-02-17 16:21
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