Reitern droht Verlust des Vereinsgeländes

Die Politiker wollen bei einem Ortstermin das Gelände des Reitervereins besichtigen.
Die Politiker wollen bei einem Ortstermin das Gelände des Reitervereins besichtigen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Nachdem der Vorstand des Reitervereins sieben Kindern die Mitgliedschaft und damit die Teilnahme am Voltigier-Unterricht gekündigt hat, ist jetzt die weitere Nutzung des Vereinsgeländes in Gefahr.

Hagen.. Der Reiterverein Hagen kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der Vorstand sieben Kindern die Mitgliedschaft und damit die Teilnahme am Voltigier-Unterricht gekündigt hat, ist jetzt die weitere Nutzung des Vereinsgeländes in Gefahr. Denn Hagens Politiker sind nicht bereit, dem zwischen Verwaltung und Verein ausgehandelten Erbpachtvertrag ihren Segen zu geben.

Seit 1963 hat der Reiterverein seinen Sitz auf dem Gelände zwischen den Sport- und Kleingartenanlagen am Ischeland. Die Bedingungen waren seit jeher günstig, lediglich 460,16 Euro an Erbpacht mussten die Pferdefreunde pro Jahr aufbringen. 50 Jahre lang änderte sich daran nichts, bis der Vertrag 2013 auslief. Nach langwierigen Gesprächen erzielte die Stadtverwaltung mit dem Verein schließlich Einigung über einen neuen Vertrag, der 25 Jahre lang Gültigkeit haben soll. Die Erbpacht wird demnach 2500 Euro betragen und ab Januar 2017 jährlich um 500 Euro erhöht, bis sie bei 5500 Euro liegt (was 2022 erreicht wäre).

Marktwert angepasst

Damit wären die finanziellen Rahmenbedingungen dem heute üblichen Marktwert angepasst. Doch in den politischen Gremien hagelt es Kritik an einem erneuten Vertragsschluss mit dem in die Schlagzeilen geratenen Verein. Sowohl im Betriebsausschuss der Gebäudewirtschaft Hagen (GWH) als auch im Haupt- und Finanzausschuss fand sich keine Mehrheit für ein Durchwinken des Kontraktes. Beanstandet wird nach Informationen unserer Zeitung vor allem das Gebaren des Vorstandes und insbesondere das Verhalten des Vorsitzenden Henrik Hemesoth (41). Der hatte schon 2011 den beiden Stadttierärzten Edwin Esser und Wolfram Bell, die ein lahmendes Pferd in Augenschein nehmen wollten, barsch die Tür gewiesen.

Sauer stößt den Stadtverordneten auch auf, dass Eltern Einblick in die Satzung des Vereins verweigert werde. Der Rauswurf von Kindern widerspreche zudem eklatant dem Prinzip der Gemeinnützigkeit, das der Verein für sich in Anspruch nehme. „Es gibt weitere Bedenken“, so ein Mitglied des Hauptausschusses: „Wir werden­ ­immer wieder auf diesen Verein angesprochen. Da sind viele offene Fragen. . .“

Ortstermin im Reitstall

Deshalb soll demnächst ein Ortstermin am Ischeland stattfinden. Der Verein lässt sich nunmehr von Rechtsanwalt Ralf Pinkvoss vertreten, der auf eine einvernehmliche Regelung setzt: „Die Stadtverordneten sind zur Besichtigung des Vereinsgeländes herzlich willkommen.“ Auch die Eltern der gekündigten Kinder wolle er mit dem Vereinsvorstand an einen Tisch bringen, um offene Fragen und Streitpunkte zu erörtern.

Denn die Politik verlangt nicht nur Erklärungen zur Kündigung der Kinder, sondern Auskunft über die zukünftigen Planungen und Investitionen des Vereins. Fallen die unbefriedigend aus, könne man sich am Ischeland zukünftig durchaus eine andere Nutzung des reiterlichen Geländes vorstellen, heißt es aus dem Rathaus.