Rätselraten um tote Prostituierte in Hagen
25.01.2010 | 18:11 Uhr 2010-01-25T18:11:00+0100
Hagen. Am Sonntag wurde in einem Hagener Bordell eine Prostituierte tot aufgefunden. Die Obduktion ergab: Sie starb durch Gewaltanwendungen am Hals. Die Identiät der Frau ist weiter unklar. Die Polizei sucht einen Freier und bittet um Mithilfe.
Sie lebte in einer Welt, die so wenig gemein hat mit einer schönen und heilen. In einer, in der man keine sozialen Kontakte pflegt, in der Menschen Ware sind, und in der nicht einmal die aufeinander achten, die ein ähnliches Schicksal teilen. Die ca. 20-jährige Afrikanerin musste in dieser Welt ihren jungen Körper verkaufen. Kassiert haben andere. Am Sonntag wurde sie in einem Bordell im Hagener Rotlicht-Milieu ermordet. Den Namen des Opfers kennen die Ermittler nicht.
Fahnung nach einem Freier läuft
1,63 Meter groß, knapp über 50 Kilogramm schwer, dunkelbraune Augen, kaum sichtbare Narben auf den Wangen. „Eine hübsche junge Frau, an die man sich erinnert, wenn man ihr begegnet ist”, sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer. Begegnet ist ihr noch um 4.30 Uhr ein Freier, der von vor dem Fenster beobachtet wurde, an dem die Afrikanerin ihren Körper anbot. Danach wurde sie lebend nicht mehr gesehen.
„Ob der Freier der Täter ist, wissen wir nicht”, sagt Kriminalhauptkommissar Ingo Scheid, Leiter der Mordkommission. Fest steht: Die gutaussehende Afrikanerin hatte in der Nacht in dem Haus an der Düppenbecker Straße 7 sexuelle Kontakte. Ob mit ihrem Mörder - das ist nicht klar. Umso intensiver verläuft die Fahndung nach dem Freier. Auch um ihn eventuell als Täter ausschließen zu können. Die Beschreibung aber ist dürftig. „Demnach käme jeder zweite Hagener in Frage”, sagt Rahmer.
Totesursache: Gewaltandwendungen gegen den Hals
Um 9.53 Uhr wurde die Afrikanerin von einer „Wirtschafterin” gefunden. Die Tür zu ihrem Zimmer im ersten Obergeschoss stand offen. Die Frau lag leblos auf ihrem Bett. Sie war spärlich bekleidet. Mit zwei „schalähnlichen” Stoffstücken war sie an Händen und Hals gefesselt. Ein Notarzt konnte nur noch ihren Tot feststellen. „Gestorben ist sie durch Gewaltanwendung gegen den Hals”, so Rahmer, der bei der Obduktion zugegen war. Was zwischen 4.30 und 9.53 Uhr passierte, ist unklar.
Bereits am 29. Oktober wurde die Afrikanerin bei einer Kontrolle mit auf die Wache genommen und „erkennungsdienstlich behandelt”. Es entstand ein Foto. Ihre wahre Identität, so viel steht heute fest, wurde ebenso wenig geklärt wie ihr Wohnort. Sechs Tage später wurde sie wieder aufgegriffen. Dieses Mal in einem Duisburger Bordell.
Keine persönlichen Gegenstände gefunden
Das lässt den Schluss zu, dass sie Opfer organisierter Prostitution ist. „Uns ist ein Stapel mit Papieren vorgelegt worden”, sagt Wolfgang Rahmer, „darunter sollte auch der Ausweis der Toten sein . . .” Das Dokument aber haben die Ermittler einer Frau aus Kamerun zuordnen können, die im Ruhrgebiet lebt. Eine Praxis, die im Milieu ebenso gängig ist, wie das Abschließen von Handyverträgen unter erfundenen Namen. Dass sich keine persönlichen Gegenstände in dem Zimmer, in dem die Frau gefunden wurde, befanden, mach die Identifizierung so schwer.
Das alles hinterlässt Spuren. Auch bei jenen, die von Berufs wegen mit Toten umgehen müssen. „Dass Schicksal einer so jungen Frau geht einem als Vater von Töchtern durchaus nahe”, so Oberstaastanwalt Wolfgang Rahmer, „man fragt sich, wie sie überhaupt hierhergekommen. Ihr Kindheitstraum war das wohl nicht.”
Hinweise an die Polizei unter 02331/986-2066.
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