Quatsch-Manie

Gestern kam mir in der Innenstadt eine junge, wildfremde Frau entgegen, die mich ansprach. Glaubte ich in meiner Eitelkeit zumindest. Sie sagte zwar wirklich etwas, das ich nicht genau verstand, blickte mich aber nicht an, sondern marschierte schnurstracks an mir vorbei. Und plapperte weiter munter vor sich hin.


Dabei fiel mir auf, dass sie Ohrstöpsel trug. Und natürlich muss sie irgendwo in den Falten ihres Kragens ein Mikrofon versteckt gehabt haben. Ist ja klar, die junge Frau telefonierte.


Die Technik macht es ja heutzutage möglich, dass man seinen Tag vollkommen Stille-los verbringen kann. Man ruft schon beim Aufstehen jemanden an, man telefoniert im Bus, man quatscht beim Einkauf an der Kasse, man quatscht beim Essen und man quatscht beim Gang durch die Stadt. Man unterhält sich nicht mit einem Begleiter, man quatscht in ein Mikrofon. Und bringt harmlose Reporter, die sich doch nur einen Kaffee besorgen wollten, völlig aus der Fassung.


Was müssen das für Zeiten vor Jahrmillionen gewesen sein, als die Menschheit die Sprache noch nicht entwickelt hatte und sich mit Brumm-Lauten, Gestik, Mimik und Augenaufschlag verständigte. Herrliche Zeiten waren das. . .