Prognosen besorgniserregend
24.09.2009 | 17:26 Uhr 2009-09-24T17:26:00+0200
Von Süßem als Vorspeise und Saurem als schwerem Hauptgang, dem ARGE-Bericht, war die letzte Sitzung des Sozialausschusses in dieser Legislaturperiode geprägt.
Süß oder eher herzlich und bezaubernd war der Abschied für die Ausschussvorsitzende Dorothee Machatschek (SPD), die sich als Ruheständlerin nicht mehr zur Wahl gestellt hatte. Sie bekam nicht nur von mehreren Seiten lobende Worte zu hören und Blumensträuße geschenkt, sondern der Fachbereich Jugend bot ein besonderes „Bonbon”. Er hatte einen Spaßvogel engagier, der als „Bürger schlechthin” spritzig und liebevoll-parodistisch den Werdegang der Vorsitzenden auf die Hörner nahm.
Nach viel Gelächter musste Dorothee Machatschek dann die Ausschussmitglieder auf den aktuellen und prognostischen Bericht von ARGE-Chefin Eva-Maria Kaus-Köster einstimmen: „Es ist die Vorbereitung auf die Krise.”
Ein Jahr nach Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise schwemmt die nun verstärkt Menschen in die ARGE, die Arbeitsgemeinschaft von Stadt und Bundesagentur zur Betreuung von Hartz-IV-Empfängern. „Wir reden von Menschen, die noch nie mit uns zu tun hatten, oft mit Lebensläufen, wie Sie und ich sie haben”, so Kaus-Köster. Nach einem Rückgang der Zahl der Hilfeempfänger und damit der Bedarfsgemeinschaften seit Ende vorigen Jahres ist sie seit der Jahresmitte wieder deutlich gestiegen. Zudem musste die ARGE-Chefin erklären: „Die Prognosen sind besorgniserregend” - die Signale für Szenarien, die sich bundesweit abspielen (werden).
In Hagen, mit unter anderem seit Jahren besonders hoher Arbeitslosenquote, sieht das zum Beispiel so aus: Die Prognose zur Zahl der Bedarfsgemeinschaften lautete für den Juni dieses Jahres im „worst case” (schlimmsten Fall) auf 11 600, tatsächlich waren es 11 955, im Juli dann 12 024. Die Anzahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen stieg von 17 084 im Juli (geschätzt 16 900) auf 17 300 im August. „Tendenz steigend”, so die ARGE-Chefin.
Damit erhöhen sich für die Stadt Hagen die Kosten zur Unterkunft der Hilfeempfänger noch in diesem Jahr um wahrscheinlich fünf Millionen, die aber durch den niedrigen Stand Ende letzten Jahres bis auf 500 000 € aufgefangen werden könnten. Mehrkosten-Prognose für 2010: rund 10 Mio. Euro.
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