Prinzenpaar und Oberloßrockpaar auf den letzten Metern

Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Sie wurden quasi erst in letzter Sekunde gefunden. Wenige Tage vor den beiden Karnevalszügen blicken das Hagener Prinzenpaar und das Boeler Oberloßrockpaar auf ihre Session.

Hagen.. „Et hät noch ejnmol joot jejange.“ Dieses rheinische Karnevals-Grundgesetz zitieren sie im Hagener Festkomitee und bei den Boeler Loßröcken dieser Tage rauf und runter. Noch Anfang November fehlte den einen ein Prinzen-, den anderen ein Oberloßrockpaar. Das Undenkbare drohte – eine Session ohne die höchsten Repräsentanten des organisierten Humors.

Bis die Retter Thorsten und Melanie Dähne sowie Marcel Schäfer und Lorena Schlink kamen, den Ornat überstreiften, in den Wams schlüpften, die Strumpfhosen hochzogen und damit dem Hagener Karneval aus der Patsche halfen.

Das Prinzenpaar

„Wir bestehen darauf, dass wir keine Lückenbüßer sind!“ Prinz Thorsten I. Dähne sagt es im Brustton der Überzeugung. Zusammen mit seiner Prinzessin und Ehefrau Melanie hat er sich einen Herzenswunsch erfüllt. Das mögen vielleicht alle Prinzenpaare behaupten, dass ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen sei. Aber bei Dähnes geht es auch im wirklichen Leben ein wenig närrisch zu. „Sie ist meine persönliche Prinzessin, an jedem Tag des Jahres“, sagt Thorsten (45) über Melanie (32). Er wollte sie sogar am 11.11. heiraten, was lediglich daran scheiterte, dass auf Schloss Hohenlimburg an jenem Tag kein Termin zu bekommen war.

Thorsten Dähne ist ein kantiger, ehrlicher Typ. Verkäufer im Baustoffhandel. Einer, der gerade­heraus sagt, was er denkt. Für die Familie (beide haben aus erster Ehe je zwei Kinder) tut er alles. In Eilpe hat er ein Haus mit 1200-Quadratmeter-Grundstück gekauft, monatelang geschuftet, 900 zentnerschwere Pflanzsteine versetzt und den Hang mit einem Bagger planiert. Jetzt können die Kinder im Garten Fußball spielen. „Ja, habe ich alles selbst gemacht“, sagt er stolz und schaut seiner Melanie in die Augen: „Mir gefällst du so, wie du bist.“

"Ja, ich wollte Prinzessin werden"

Das ist eine Anspielung auf ihr langes, blondes Haar. Natur-Krause. „Muss ich an der Luft trocknen lassen, mit Föhn bauscht es zu sehr auf“, sagt die Prinzessin. Mit drei Kleidern – eines blau, eines schneeweiß, eines cremefarben mit Glitzersteinchen besetzt – schwingt sie durch die närrischen Säle. Melanie Dähne ist eine eingeborene Karnevalistin, ihr Vater war Präsident der Volmefunken. „Ja, ich wollte Prinzessin werden“, bekennt sie lächelnd und blickt ihren Thorsten an: „Und jetzt bin ich es.“ Im Karneval wie im richtigen Leben.

Das Oberloßrockpaar

Sie hatten sich auch als Prinzenpaar der Stadt Hagen beworben. Aber kurz vor knapp hatte Lorena Schlink doch noch zurückgezogen. Zum einen wegen des Studiums, aber auch, weil es wohl zu teuer geworden wäre. „Wir hätten das nicht nur minimalistisch machen wollen, sondern richtig“, sagt Schlink. In den Vorjahren war sie Pagin des Prinzenpaares gewesen, doch zu diesem Engagement kam es diesmal nicht. „Und über Spenden wollten wir das nicht finanzieren.“ Sie als Herzdame und Marcel Schäfer als Oberloßrock von Boele haben den Karneval im Norden quasi in letzter Sekunde gerettet. Der Zeitsoldat (22) hatte aus seiner Kaserne in Munster – dort ist er Pionier – im Internet gesehen, dass die Loßröcke in Symbol-Figur-Not steckten. „Und dann hab’ ich gesagt: Ich mache das.“

Sie genießen die kurze Session, die im kommenden Jahr sogar noch eine Woche kürzer sein wird, sind aber auch traurig, dass in wenigen Tagen alles vorbei sein wird. Sie ­blicken kritisch in die Zukunft. „Die Loßröcke werden nächstes Mal wieder vor dem gleichen Problem stehen und schwer jemanden finden“, sagt Schäfer, „ich würde mich im Notfall noch mal bewerben“. Eine mögliche Regelung, dass der Oberloßrock künftig vielleicht zwei Jahre im Amt bleibt, hält Schäfer auch nicht für die richtige Lösung: „Die längere Zeit schreckt vielleicht auch Kandidaten ab.“ Viele bei den Loßröcken seien dankbar, dass sie die Ämter ergriffen hätten. Und anderen sei man vielleicht nur in dieser Zeit wichtig, sagen sie.

Am Sonntag ist Zug. Zehntausende werden am Straßenrand stehen. Und das Oberloßrock-Paar wird zum Abschied winken.