Premiere bietet vielschichtige Charaktere und subtilen Humor

Breckerfeld..  Ein Damenchor in der Krise: Geschrumpft auf sieben Mitglieder, die Stimmung verkorkst und geplagt von kreativen und finanziellen Engpässen, steht der Frauenkirchenchor „Zur fröhlichen Cäcilie“ vor dem Aus. Mehr oder minder einstimmig beschließen die Hobbysängerinnen daher den Zusammenschluss mit einem Männergesangverein – und holen sich damit nicht nur stimmliche Verstärkung, sondern zugleich Stoff für neue Zwistigkeiten ins Haus.

Vierte Komödie von W. Hahn

Auch in seiner vierten Komödie aus der Feder des Hagener Autors Werner Hahn präsentiert das Bürgertheater Breckerfeld mit „Hoch auf dem gelben Wagen“ ein Stück, das Alltagskrisen thematisiert. Und weil die Laiendarsteller seit ihrem Erstlingswerk „Der Hund muss weg“ (2012) bereits in „Gestatten: Müller“ (2013) und vor allem in „Born to be wild“ (2014) ihr Publikum stets mit einem beeindruckenden darstellerischen Entwicklungssprung überzeugen konnten, war die Erwartungshaltung bei der Premiere am Samstag im ausverkauften Martin-Luther-Haus entsprechend groß.

Schon zum Auftakt wurde deutlich: Die Charaktere in „Hoch auf dem gelben Wagen“ sind vielschichtiger, der Humor subtil. Ob Inge Schalk allein als Pfarrersköchin Else Tebartz im Zwiegespräch mit Gott auf der Bühne steht, Heike Breer als Biobäuerin Gesche Mayer und Klaus Sommer als Metzger Uli Pröneß zarte Annäherungsversuche starten oder sich das gesamte Ensemble in flotter Diskussion die Bälle zuspielt: Die zehn Akteure sind an einem Punkt angelangt, wo auf Slapstick und Klamauk verzichtet werden kann.

Im Vergleich zu den bisherigen Aufführungen lässt sich „Hoch auf dem gelben Wagen“ zwar langsamer an. Die Dialoge im ersten Akt aber sind feinsinniger und oft tiefgründig ironisch statt vordergründig humoristisch. Im zweiten Akt nimmt das Stück an Fahrt auf, auch dank schwungvoller Gesangs- und Tanzeinlagen, bei denen sich die Schauspieler auf Improvisationsmusikin­strumenten selbst begleiten. Auch hier rutscht das Spiel nie ins Klamaukhafte ab und bleibt alltagsnah. Etwa wenn sich die durchsetzungsgewöhnte Bürgermeistersgattin, gespielt von Heike Rosengarth-Urban, dazu durchringt, sich dem Gruppenbeschluss zu unterwerfen.

Große Herausforderung

Gerade weil die Charaktere nicht „nur“ lustig sind, sondern mit sich selbst oder Mitgliedern der Chorgruppe hadern, seien die jeweiligen Rollen eine große Herausforderung gewesen: „Besonders die Gruppendialoge erfordern von uns ein hohes Maß an Konzentration, weil es oft nur ein einziges eingeworfenes Wort ist, das an bestimmter Stelle und mit gewisser Betonung den weiteren Verlauf beeinflusst“, erklärt Christa Hackler, die als Aktionskünstlerin Carolina Hegenbarth mit ihren zum Teil kuriosen Vorschlägen den in leichte Lethargie gefallenen Chor aufmischt. Marion Spannagel, die als Metzgersgattin Martha Klops den Chanson „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ als wehmütiges Solo singt, ergänzt: „Für mich als Laie ist es besonders schwierig, Ironie nicht zu komödiantisch auf die Bühne zu bringen.“

Doch genau darin liegt der erneute Entwicklungssprung, den die Akteure des Bürgertheaters zeigten: die große Kunst, komödiantische Passagen so darzustellen, dass sie nicht überdreht wirken.

Und das ist ihnen gelungen.