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Polizei will blitzen ohne aufzuklären

07.12.2011 | 18:28 Uhr
Polizei will blitzen ohne aufzuklären
Auch die Polizei weitet ihre Tempo-Kontrollen aus.

Hagen.   Die Hagener Polizei weitet auf Geheiß des Innenministerium ihre Tempokontrollen aus. Auf mahnende Aufklärungsgespräche wird künftig verzichtet. Daduch gewinnen die Beamten mehr Zeit, Autofahrer ins Visiser ihrer Laserpistolen zu nehmen.

Die Autofahrer in Hagen werden künftig noch stärker zur Kasse gebeten. Die Stadt will bekanntlich fünf weitere Starenkästen aufstellen lassen. Aber auch die Polizei weitet nach einer Direktive von NRW-Innenminister Jäger ihre Radarkontrollen aus.

Das Motto „Aufklärung vor Sanktionen“ wird ins Gegenteil verkehrt: „Sanktionen vor Aufklärung“, heißt es künftig in Hagen. Das bedeutet, dass Autofahrer nicht mehr angehalten und über ihr Fehlverhalten belehrt werden, nachdem sie geblitzt worden sind. Dadurch, dass die Beamten sich die zeitaufwendige Aufklärungsarbeit sparen, gewinnen sie Spielraum, um mehr Autofahrer ins Visier der Laserpistolen zu nehmen.

„Unfallursache Nummer zwei“

Michael Hoffmann, Chef der Direktion Verkehr im Hagener Polizeipräsidium, hält weitere Radarkontrollen für gerechtfertigt: „Überhöhte Geschwindigkeit ist, nach Unaufmerksamkeit, in unserer Stadt Unfallursache Nummer zwei. Vor allem aber haben wir dabei die meisten Verletzten zu beklagen.“ Die gefahrene Geschwindigkeit entscheide über die Unfallfolge; je höher das Tempo sei, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass es bei einem Unfall Verletzte oder Tote gebe.

22 Mitarbeiter, neun Lasergeräte und ein Radarwagen stehen der Polizei für die Verfolgung von Temposündern in Hagen zur Verfügung. Allein in diesem Jahr wurden bis Ende Oktober 13.000 Schnellfahrer erwischt. Um den Druck weiter zu erhöhen, soll künftig nur noch geblitzt und das Knöllchen dann per Post zugestellt werden. Bisher wurden die meisten Schnellfahrer gestoppt und von einem freundlichen Beamten über ihren Verstoß informiert. Grundsätzlich gehe es der Polizei jedoch nicht darum, möglichst viele Strafmandate zu verteilen, sondern die Menschen vor Unfällen zu bewahren, so Hoffmann: „Deshalb treibt mich auch nicht die Sorge um, dass die Hagener sauer werden, wenn wir jetzt mehr kontrollieren.“

„Autofahrer werden gemolken“

Doch es gibt Kritiker dieser Strategie. Hans Gülland, ehemaliger Polizist und seit Jahren Leiter der Hagener Außenstelle des Weißen Rings, der sich um Verbrechensopfer kümmert, hält die Verhältnismäßigkeit von Kriminalitätsbekämpfung und Verkehrsüberwachung für verfehlt: „Die Relationen stimmen nicht mehr. Die Autofahrer werden regelrecht gemolken.“ Es sei ja auch einfach, einen Wagen mit Blitzgerät am Straßenrand aufzustellen und die Leute abzukassieren : „Dabei sind die meisten, die erwischt werden, gar keine Raser.“

Auch Rolf Seliger (70), ebenfalls Ex-Polizist und heute ehrenamtlich für die Verkehrswacht tätig, hat den Eindruck, dass es die Verkehrspolizei mit den Kontrollen übertreibt: „Eine pauschale Ausweitung der Kontrollen halte ich für falsch. Es sollte nur an Unfallschwerpunkten und Gefahrenstellen geblitzt werden.“

„Kaume Beamte auf der Straße“

Gülland fordert von der Polizei, die Verkehrsteilnehmer einmal in Ruhe zu lassen und mehr Arbeitskraft und Energie in die Prävention und Aufklärung von Straftaten zu investieren. Zwar würden die Bürger in Hagen nicht im Stich gelassen: „Die Polizei beugt durchaus vor und klärt auf.“ Doch im Vergleich zu den Radarkontrollen werde nicht genug getan: „Es sind ja kaum noch Beamte auf der Straße.“

Dabei könnte mehr Polizeipräsenz möglicherweise zum Abbau von Gewalt beitragen. Vor allem an den Wochenenden eskaliert so manche Situation. „Gerade in der Vorweihnachtszeit sollten wir unser Augenmerk auf die Opfer von Straftaten richten“, mahnt Gülland an.

Hubertus Heuel

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Kommentare
09.12.2011
21:41
Polizei will blitzen ohne aufzuklären
von ffolkes | #11

Wegelagerei, Abzocke... fällt Ihnen eigentlich nicht mehr dazu ein?

Wenn z.B.Ladendiebe etc. zu Geldstrafen verurteilt werden - ist das dann auch Abzockerei? Es wird doch nicht DER Bürger zur Kasse gebeten, der Gesetze und Verkehrsvorschriften beachtet, sondern nur der, der diese eben nicht macht. Und das soll dann Abzockerei sein? Wer zahlt, ist selbst schuld. Weil er eben meint, sich nicht an geseztliche Vorschriften halten zu müssen. Und soclhe Leute haben im Straßenverkehr nichts zu suchen!
Machmal habe ich den Eindruck, manche Kommentatoren sind charakterlich nicht zum Führen von Kfz geeignet.......
Dann fahren eben so schnell, wie Sie es für richtig halten - zahlen Sie, sammeln Sie Punkte in Fl., bis Ihnen das Ticket entzogen wird. Vielleicht merken Sie dann, dass Sie irgend etwas falsch machen....

09.12.2011
08:17
Polizei will blitzen ohne aufzuklären
von gerhardt.mueller | #10

In der Diskussion wird offensichtlich verkannt, dass gute Polizeiarbeit ein umfassendes Gesamtkonzept beinhaltet. Prävention in jeder Hinsicht:
Der Bürger wird über Fehlverhalten aufgeklärt
Er wird auf Fahrtauglichkeit und Sicherheit überprüft
Es wird festgestellt, ob er zur Fahndung ausgeschrieben ist
Neben der Fahrzeugsicherheit wird auch überprüft, ob sich nicht zufällig Diebesgut im Fahrzeug befindet und vieles andere mehr
Jede Überprüfung zeigt allen Beteiligten und Umstehenden, die Straße ist kein rechtsfreier Raum.
Es ist also kein reines Abkassieren. Wenn man Abkassieren will, braucht man keine hochwertig ausgebildeten Beamten einsetzen.

08.12.2011
19:05
Polizei will blitzen ohne aufzuklären
von UliEilpe | #9

Nein Herr Hoffmann, ich bin nicht sauer - ich bin stinksauer ! Was hier in Hagen und im ganzen Land gemacht wird grenzt an Wegelagerei, das ist totale Abzocke ! Aber was mir wirklich die Zornesröte in Gesicht treibt, sind Ihre Ausführungen/Erklärungen zu dieser Sache -wollen Sie uns Bürger eigentlich für dumm verkaufen oder vera. .., jeder mündige Bürger in diesem Land weis, das es nur darum geht, die leeren Kassen zu füllen und da ist der Autofahrer ein gern genommenes Opfer. Ist ja auch einfacher harmlose Autofahrer abzukassieren, als Verbrechen zu bekämpfen oder z.B. die Trinkerszene in Hagen in den Griff zu kriegen . Wenn die Hauptaufgabe der Polizei nur noch darin besteht Geld für unseren Pleitestaat einzutreiben - kann ich nur sagen:armes Deutschland !

08.12.2011
18:27
Polizei will blitzen ohne aufzuklären
von sogesehen | #8

Abzocke , abzocke , abzocke ...
und bitte nicht mit der Nummer "Unfälle verhindern" oder "weniger Verkehrstote". Das sind doch nur vorgeschobene Argumente aus der untersten Phrasenschublade. Es geht um Geld , nicht mehr nicht weniger. Die mit Abstand meisten und auch tödlichen Unfälle passieren zu Hause im privaten Bereich niemand aber würde sich eine staatliche Einmischung beim Gardinenbügeln auf der Leiter oder Haare fönen in der Badewanne gefallen lassen. Ebenso "Verkehrstote". Es stehen 2010 knapp 4000 Verkehrstote beispielsweise 180000 vollendete Selbstmorde entgegen. Wenn es dem Staat doch so drum geht Menschenleben zu schützen dann frage ich mich wo die psychologischen Eingreiftruppen der Polizei sind die gezielt die Strassen nach depressiven Personen absuchen ? Gibt es nicht sowas , kann man ja auch kein Geld mit machen. Man stelle sich vor jedem der nicht mit einem lächeln unterwegs ist ein Knöllchen zu verpassen.
In keinen anderen Bereich lässt sich der mündige Bürger eine solche Gängelung durch den Staat gefallen wie beim Autofahren. Man sollte wirklich jede angebliche "Überschreitung" zukünftig als Demostration begründen. Bei Steinewerfern und Brandstiftern zieht dieses Argument ja schliesslich auch.

08.12.2011
17:05
Menschlich
von RainerN | #7

Die meisten geblitzten Autofahrer sind keine Raser, dem kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Meine bisherigen „Blitzfotos“ habe ich ausnahmslos geringfügigen Geschwindigkeitsüberschreitungen, das letzte Mal 56 km/h statt 50 km/h, zu verdanken. Hand aufs Herz wer starrt ständig auf den Tacho oder lässt sich nicht auch mal kurz ablenken. Das ist alles menschlich.
Der erzieherische Aspekt wird zukünftig zu kurz kommen, wenn die Knöllchen per Post verteilt werden. Es besteht dann kein unmittelbarer Zusammenhang mehr mit der „Tat“. Ich kann dann durchaus verstehen wenn die erwischten Autofahrer dann eher säuerlich reagieren, statt einsichtig.

08.12.2011
14:22
@ffolkes
von Joe1979 | #6

Da lacht des Populisten Herz!

Sie könnten sich natürlich auch mal die Mühe machen und prüfen, wieso, weshalb, warum z.B. Starenkästen nicht an jede Ecke gestellt werden dürfen. Die Stadt Hagen würde sicherlich allzu gerne an der A 1 und der A 45 eben solche installieren. Aber Pustekuchen!

08.12.2011
13:31
Blockierter Kommentar.
von Just_Say_it | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.12.2011
11:43
Polizei will blitzen ohne aufzuklären
von ffolkes | #4

Die Äußerungden der beiden Ex-Polizeibeamten sind für mich absolut unverständlich.
Wenn er Gülland meint, dass die meisten der "Geblitzen" keine Raser sind - woher weiß er das? Kennt er all diese Leute, so dass er sich ein Urteil darüber bilden kann?
Sieht er die "Raser" hier etwa in einer Opferrolle?
Stehlen ist auch verboten - im gesamten Geltungsbereich des Gesetzes - auch wenn man Reiche beklaut, die den finanziellen Verlust mühelos verkraften könnten!

Und wenn Herr Seliger vorschlägt, nur an Unfallschwerpunkten zu messen - heißt das dann, dass man ansonsten unbehelligt so schnell fahren kann, wie man will? Wieviel km/h dann - 60, 70, oder können es auch 100 km/h sein?
Die Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten überall, nicht nur an Unfallschwerpunkten.

Wir leben doch nicht in einem Land, wo jeder nach eigenem Gutdünken bestimmen darf, wann wo welche Gesetzte für ihn gelten!

1 Antwort
Polizei will blitzen ohne aufzuklären
von gerhardt.mueller | #4-1

In der Diskussion wird offensichtlich verkannt, dass gute Polizeiarbeit ein umfassendes Gesamtkonzept beinhaltet. Prävention in jeder Hinsicht:
Der Bürger wird über Fehlverhalten aufgeklärt
Er wird auf Fahrtauglichkeit und Sicherheit überprüft
Es wird festgestellt, ob er zur Fahndung ausgeschrieben ist
Neben der Fahrzeugsicherheit wird auch überprüft, ob sich nicht zufällig Diebesgut im Fahrzeug befindet und vieles andere mehr
Jede Überprüfung zeigt allen Beteiligten und Umstehenden, die Straße ist kein rechtsfreier Raum.
Es ist also kein reines Abkassieren. Wenn man Abkassieren will, braucht man keine hochwertig ausgebildeten Beamten einsetzen.

08.12.2011
11:09
Strafmandate sind "ärgerliches Geld"
von kpdhagen | #3

Ich ärgere mich immer maßlos, wenn ich ein "Knöllchen" bezahlen muß. Aber nicht über die Polizei - sondern über mich selbst! Und deshalb fahre ich seit Jahren (fast immer - schonmal funktioniert das nicht richtig) nicht schneller als erlaubt. Seit Jahren habe ich nichts mehr an die Polizei bezahlt - und zu spät gekommen bin ich eigentlich auch nie . . .

07.12.2011
21:24
Polizei will blitzen ohne aufzuklären
von Schnaki | #2

Ich kann mich dem nur anschließen.Einfach nur an die Regeln halten.

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