Polizei nimmt mordverdächtigen Lüdenscheider fest
31.01.2010 | 16:14 Uhr 2010-01-31T16:14:00+0100
(Hagen/Lüdenscheid.) Der Mord an einer afrikanischen Prostituierten in einem Hagener Bordell scheint nach nur einer Woche aufgeklärt. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei nahm am Freitagabend einen dringend tatverdächtigen Libanesen vor dessen elterlichen Wohnung in Lüdenscheid fest.
„Ich habe die entsprechenden Anträge gestellt. Der 26-Jährige sitzt seit heute wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft”, sagte am Samstagnachmittag ein sichtbar erleichterter Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer. Denn weder die Staatsanwaltschaft noch die Mordkommission unter der Leitung von Ingo Scheid hatten mit einer so schnellen Aufklärung des Verbrechens im schweigsamen Rotlichtmilieu gerechnet. Zwar hatten Zeugen in der Tatnacht eine verdächtige Person vor dem Freudenhaus an der Düppenbecker Straße 7 gesehen und Fährtenhunde führten die Ermittler vom Bordell in die Innenstadt, der konkrete Hinweis kam aber am Freitagnachmittag aus dem Landeskriminalamt. Dort hatten Experten die Woche über DNA-Spuren, die an der Leiche gefunden worden waren, analysiert und mit bereits gespeicherten genetischen Fingerabdrücken von Gewaltverbrechern verglichen. Dabei, so Wolfgang Rahmer, habe der Computer den 26-Jährigen ermittelt, der bereits im Jahr 2000 auffällig geworden war. „Wir wissen, dass er an einem bewaffneten Raubüberfall auf ein Sonnenstudio beteiligt war. Ich kann aber heute nicht sagen, wie lange er dafür im Gefängnis saß. Da es sich aber um ein Gewaltverbrechen handelte, wurde seine DNA gespeichert”, freute sich Rahmer in diesem Fall besonders über die gesetzlich vorgeschriebene Prävention.
Streit um Dirnenlohn
In der ersten Vernehmung nach seiner Festnahme habe der Tatverdächtige dann auch zugegeben, die Prostituierte in der Tatnacht aufgesucht zu haben. Anschließend soll es nach seiner Aussage zum Streit um den sogenannten Dirnenlohn gekommen sein. „Er hat eingeräumt, dass es zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen ist. Die Tat selbst hat er allerdings nicht gestanden, sondern behauptet, dass die Frau noch geatmet habe, als er das Zimmer verließ.” Die Vernehmung, so Rahmer, musste zu diesem Zeitpunkt abgebrochen werden, weil der Tatverdächtige einen Anwalt verlangte. „Wir wissen also noch nicht, warum die Frau an den Händen gefesselt war. Wir wissen aber mit Sicherheit, dass sie mit einem Schal, der um ihren Hals lag, stranguliert wurde.”
Taxifahrer wird noch gesucht
Im Rahmen der Ermittlungen der Mordkommission, die Wolfgang Rahmer als besonders herausragend lobte, wurde auch der Taxifahrer ermittelt, der den 26-jährigen Tatverdächtigen am Sonntag der vergangenen Woche von Lüdenscheid bis in die Hagener Innenstadt gefahren hatte. Da die Polizei davon ausgeht, dass der Mann sich nach dem Bordellbesuch auch mit einem Taxi zurück nach Lüdenscheid hat bringen lassen, sucht sie jetzt noch nach einem Fahrer, der diese Fahrt am frühen Sonntagmorgen angetreten hat. „Wir hoffen auf einen Zeugen, der uns den Zustand des Mannes nach der Tat genau beschreiben kann”, so Hauptkommissar Scheid.
Mittlerweile scheint auch die Identität der getöteten Frau geklärt zu sein. Wie Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer erläuterte, handelt es sich um die 24-jährige Eunice O. aus der nigerianischen Provinz Irrua. „Wir haben zwei Schwestern der Getöteten in Deutschland ausfindig gemacht, die aber die Aussage verweigern. Ein Dolmetscher hat außerdem mit einem Bruder der Frau in Nigeria telefoniert, wo bereits bekannt war, das sie nicht mehr lebt.” Aber auch dort sei man auf Desinteresse und Gleichgültig gestoßen. Der Eindruck sei entstanden, dass die Frauen mit Wissen der Familie ihrer illegalen Tätigkeit in Deutschland nachgehen.
„Es ist bedrückend, wenn man so etwas im Rahmen einer Ermittlung erleben muss. Es interessiert sich niemand dafür, dass sie tot ist und es will auch niemand wissen, wo und wie die Frau begraben wird.” Letztendlich werde wohl das Hagener Sozialamt für eine Beisetzung aufkommen müssen.
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