Politische Nachbeben

Vordergründig bemüht sich die Hagener Politik nach der zuletzt bizarr-turbulenten Ratssitzung, wieder relative Ruhe einkehren zu lassen. Doch hinter den Kulissen sind die Nachbeben längst noch nicht abgeklungen. Im Gegenteil: Aktuell verdichten sich die Signale, dass spätestens nach der Sommerpause noch eine weitaus erschütterndere, geradezu elementarere politische Eruption folgen könnte, die das bislang weitgehend konturlos gebliebene Jamaika-Dreigestirn (CDU, Grüne und FDP) im Rücken von Oberbürgermeister Erik O. Schulz pulverisieren könnte.


Denn in Reihen der selbsternannten „Allianz der Vernunft“, die seit einem Jahr ohne eigene Mehrheit und vor allem ohne wahrnehmbares Profil oder inhaltliche Initiativen durch den politischen Alltag taumelt, reift zumindest in der Union die Xavier-Naidoo-Selbsterkenntnis „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.“ Die Leidenschaft, sich im Kleinklein inhaltlich bis zur Konturlosigkeit zu verschleißen, sinkt zunehmend. Stattdessen gewinnen an den Schlüsselstellen der CDU schleichend jene Rufer die Oberhand, die das schwarz-rote Hohelied der breiten Mehrheiten anstimmen.


Parallel muss der parteilose OB zunehmend erkennen, dass die ihn tragende Allianz sich kaum als so gefestigt erweist, die anstehenden großen Aufgaben und Entscheidungen zu stemmen. Getrieben von Enervie-Kalamitäten, Flüchtlings-Realitäten und Haushalts-Absurditäten gelingt es Schulz bis heute ohnehin kaum, irgendeine Initiative mit seiner persönlichen Handschrift auf den Weg zu bringen. Die Kapazitäten, dafür mühselig Mehrheiten in einem völlig zerfaserten Rat zu schmieden, wird er auch in der Zukunft kaum haben. Irgendwie lässt die Hagener Pfingstbotschaft 2015 bereits einen aufziehenden schwarz-roten Geist erahnen . . .