Phoenix Hagen steuert auf die zweite Liga zu

Hohe Symbolik: Phoenix-Spieler Adam Hess liegt lang am Boden und der Ball bereits im Aus. Da kann Coach Ingo Freyer auch nichts mehr retten.
Hohe Symbolik: Phoenix-Spieler Adam Hess liegt lang am Boden und der Ball bereits im Aus. Da kann Coach Ingo Freyer auch nichts mehr retten.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
  • Bundeligist beantragt Planinsolvenz bei Gericht
  • Neues sportliches Ziel lautet: Abstieg in die zweite Liga
  • Abzug von vier Punkten in der Tabelle

Hagen.. Woche der Wahrheit für Phoenix Hagen: Der sportlich strauchelnde Basketball-Bundesligist steht vor der Zahlungsunfähigkeit und wird daher noch in dieser Woche beim Amtsgericht die Planinsolvenz beantragen. Damit soll gewährleistet werden, dass der Spielbetrieb (noch 29 Spieltage) in Eigenverwaltung bis zum Saisonende durchgezogen und die Lizenz erhalten werden kann.

Das neue sportliche Ziel lautet: Abstieg in die zweite Liga (ProA), um dort mit halbiertem Budget sich vom Mühlstein der Altschulden zu befreien und die Rückkehr in die Bundesliga anzustreben. „Gießen und Würzburg haben es vorgemacht – die ProA ist nicht das Fegefeuer“, lautet die Strategie des Aufsichtsrates rund um den Vorsitzenden Sven Eklöh. Ein Kurs, der mit der Liga, die offenbar keinerlei Interesse hegt, dass die Mannschaft sich fünf Tage nach dem Saisonauftakt aus dem Spielbetrieb zurückzieht, eng abgestimmt ist. Mit diesem Schritt einher geht ein Abzug von vier Punkten in der Tabelle.

Zu wenig Geld auf dem Konto

Angesichts des massiven Schuldenabbaus – bis zum Jahresbeginn 2015 hatten sich die Altverbindlichkeiten auf 1,2 Millionen Euro aufaddiert – fehlt inzwischen die Liquidität, um bis Weihnachten die Kosten zu tragen. Während zwischen Juli und Oktober sich der Kontostand bei Phoenix üblicherweise zwischen 400 000 und 500 000 Euro bewegt, sind es aktuell lediglich um die 150 000 Euro. Das Geld reicht gerade aus, um die Verpflichtungen gegenüber dem Finanzamt, den Sozialversicherungskassen oder auch der Berufsgenossenschaft zu decken: alles Offizialverbindlichkeiten, die oberste Priorität genießen. Der sportliche Misserfolg, sinkende Zuschauereinnahmen sowie eine negative Grundstimmung bei den Sponsoren, die durch Versäumnisse aus der Vergangenheit verprellt wurden, lassen kaum auf rasant wachsende Einnahmen hoffen. Daher geht es für Aufsichtsrat und Geschäftsführung im nächsten Schritt darum, die Ausgaben drastisch zu senken. Davon wird zunächst der Spielerkader betroffen sein.

Insolvenzantrag Mit einer Insolvenz in Eigenverwaltung, bei der sich Phoenix von einem Insolvenzexperten professionell begleiten lassen möchte, verbleibt die Verfügungsbefugnis beim Verein, der somit seine Handlungsfähigkeit bewahrt und auch seine eigene Fachkompetenz weiter in das Verfahren einbringen kann. Als Insolvenzverwalter agiert ein vom Gericht bestellter Sachwalter, während der Aufsichtsrat alle seine Rechte verliert. Weiterer Grundstein für die Zukunftsfähigkeit des Vereins ist ein Gutachten, das die Machbarkeit des Weges belegt. Geschäftsführer Seidel, der das volle Vertrauen der Liga genießt, gibt sich optimistisch, dass mit einem Budget zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Euro ein Wiederaufstieg aus der ProA möglich bleibt.