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Pflege-Sektor begrüßt Abitur-Pflicht

11.10.2012 | 18:58 Uhr
Pflege-Sektor begrüßt Abitur-Pflicht
Der Krankenpflege-Sektor in Hagen würde eine Abiturpflicht begrüßen.

Hagen. Die Anforderungen an die Krankenpflegeschüler, die in Hagen aktuell die Schulbank drücken, werden in Zukunft weiter steigen. Vor allem der Ärztemangel in den Kliniken verlangt Pflege-Berufsstartern künftig noch mehr ab. Die EU-Kommission hält eine Abitur-Pflicht für künftige Krankenschwestern und Pfleger deshalb für sinnvoll. In Hagen hat ein Großteil aller Krankenpflegeschüler bereits mindestens das Fachabitur in der Tasche.

Eine Aufwertung des Berufes - auch in akademischer Richtung - hält man in den Ausbildungshäusern für wünschenswert. Rund 200 Bewerber gibt es jährlich für 25 Ausbildungsplätze an der Gesundheits - und Krankenpflegeschule am Katholischen Bildungszentrum. Die jungen Leute absolvieren den praktischen Ausbildungsteil im St. Josefs -, im St. Johannes - und im St. Marien-Hospital. „Wir begrüßen diesen Vorstoß“, sagt Schulleiterin Ricarda Richter-Kessler, „wir haben schon häufig die Erfahrung gemacht, dass Schüler, die die Fachoberschulreife haben, manchmal überfordert sind.“

Anforderungen werden unterschätzt

Nur 20 Prozent der Schüler des Katholischen Bildungszentrums haben die Fachoberschulreife, gängiger ausgedrückt: den Realschulabschluss. Der Rest hat Abitur oder Fachhochschulreife, ist also mindestens zwölf Jahre zur Schule gegangen. „Die Anforderungen werden von der Bevölkerung unterschätzt. Man braucht zum Beispiel auch ein fundiertes naturwissenschaftliches Wissen.“

Noch immer, so Richter-Kessler, sei die Pflege ein typischer Frauenberuf. Dafür sei er gut bezahlt, für die Anforderungen im Allgemeinen aber zu schlecht. Die Schulleiterin glaubt, dass die Abitur-Pflicht zunächst für Einbrüche sorgen, langfristig aber zu einer Aufwertung des Berufes führen könnte.

Wenig Stellenangebote

Die Abitur-Quote der Pflege-Azubis im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) liegt bei etwa 50 Prozent. „Ich betrachte die Idee der EU-Kommission als Teil eines Prozesses“, sagt der stellvertretende Pflegedirektor Horst Kostka, „die Akademisierung muss kommen.“ Rund 100 Auszubildende arbeiten im AKH.

„In den 90er-Jahren gab es ja bereits einen hohen Zulauf in den Pflegestudiengängen“, sagt Kostka. Die gelebte Praxis sehe allerdings anders aus. „Es gibt ganz einfach zu wenig Stellenangebote in diesen Bereichen.“

Hoher Stressfaktor

Durchlässigkeit müsse laut Kostka zudem weiter gewährleistet bleiben. Das heißt: Auch die niedrigeren Schulabschlüsse - Hauptschule Typ A bis zum Realschulabschluss - müssten weiter den Zugang zum Pflegeberuf ermöglichen.

Aber: Parallel zum Akademisierungsgrad müsse sich auch das Gehalt der ausgebildeten, oder später vielleicht studierten Pflege-Mitarbeiter entwickeln.

„Wenn man es mal mit anderen Berufsgruppen vergleicht, dürfte das Gehalt schon wesentlich höher sein. Man darf dabei auch den psychischen Faktor nicht vergessen. Der hohe Stressfaktor lässt sich ja zum Beispiel an Krankmeldungen ablesen.“

Mike Fiebig



Kommentare
13.10.2012
09:04
Pflege-Sektor begrüßt Abitur-Pflicht
von Susan2012 | #5

Völlig Gaga - genau das ist der Grund warum tausende ohne Job sind, weil man meint ohne Abi geht es nicht - genauso wie man ja der Meinung ist ohne Studium geht es nicht mehr in der Wirtschaft. Das Ergebnis kann man jeden Tag bewundern - einen Haufen von Theoretikern die im Beruf wo es auf praktische Fähig- und Fertigkeiten ankommt versagen.

Wer sowas will, der sollte sofort alle Haupt- und Realschulen schließen, denn diese Schüler haben dann keinerlei Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt.

Ach ja und dann können wir natürlich alle ausländischen Kräfte, die derzeit hier schaffen auch sofort nach Hause schicken, denn die erfüllen diese hochgestochenen Ansprüche schon mal gleich gar nicht.

12.10.2012
12:45
Pflege-Sektor begrüßt Abitur-Pflicht
von Stifmeister | #4

Studieren kann man inzwischen ohne Abitur... Komisch!

11.10.2012
21:25
Pflege-Sektor begrüßt Abitur-Pflicht
von SchatzenBu | #3

Abitur für einen Pflegeberuf? Seit Jahren wird darüber geschrieben, dass mal als Hauptschüler von Anfang an keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat. Wenn man schon für solch einen Beruf Abitur braucht was sollen denn die armen Hauptschüler bald machen?

Bald braucht man auch als Müllmann das Abitur und ein Chemie- Studium weil man ja den Brennwert der Abfälle und die Zersetzungsprodukte kennen muss.

Aber dieser Trend ist ja allgegenwärtig. Bald können Hauptschüler nur noch Dönerbuden aufmachen, weil sie keinen anderen Job mehr kriegen.

11.10.2012
20:48
Pflege-Sektor begrüßt Abitur-Pflicht
von ffolkes | #2

"Aber: Parallel zum Akademisierungsgrad müsse sich auch das Gehalt der ausgebildeten, oder später vielleicht studierten Pflege-Mitarbeiter entwickeln."

Sehr richtig! - und wer kann und will solche Gehälter zahlen? AWo, Caritas etc.? Und wovon? Wie hoch sollen denn die Beiträge zur Pflegeversicherung steigen?
Dann dürfte man als Pflegefall wohl besser im Knast aufgehoben sein - da gibts Rundumversorgung zum Nulltarif!

11.10.2012
20:32
Pflege-Sektor begrüßt Abitur-Pflicht
von ffolkes | #1

Klar - Abiturpflicht für Kranken-/Altenpfleger! Schließlich sind zur Berufsausübung fundierte Kenntnisse in höherer Mathematik, Physik, Chemie, Geschichte etc. unerlässlich!
Wenn ein Abiturient die Befähigung und die Wahl hat, Medizin, Chemie, Architektur, Physik etc. zu studieren oder Pfleger zu werden - er wird sich zweifellos für einen Pflegeberuf entscheiden - allein von wegen der enormen Verdienstmöglichkeiten ab 7, €/Stunde!. Warum denn z.B. Architekt werden? Es werden schließlich mehr Pfleger als Architekten gebraucht - lieber vollbeschäftigter Pfleger als arbeitsloser Architekt! :-)
Wenn das kein Motivationsanreiz ist........... Gehalt? Spielt keine Rolle! Und wer kein Abi hat, sondern nur Realschulabschluss oder gar Hauptschulabschluss - der bleibt auf der Strecke! Der kann auch nicht Baggerführer werden,. Denn dazu muss man dann wohl Bauingenieur sein!

1 Antwort
Pflege-Sektor begrüßt Abitur-Pflicht
von Baloo2007 | #1-1

In der Tat braucht man fuer den Pflegeberuf ein breites fundiertes naturwissenschaftliches Wissen. Anatomie ist ja noch ein reines Lernfach aber in Physiologie geht es schon mit komplexen biochemischen Vorgaengen los, wenn dann noch Pharmakologie z.b. Pharmokokinetik dazu kommt ist man schon einem Level, der den Chemiegrundkurs in der Oberstufe uebersteigt. Das ist jetzt nur ein Beispiel, viele Bereiche der Pflege und Medizin sind nunmal Naturwissenschaft und die Anforderungen steigen staendig.
Auf der anderen Seite gibt es sicherlich genuegend junge Menschen mit FOR, die den Anforderungen gewachsen waeren. Aber von gut bezahlt zu sprechen ist ja der reine Hohn.
Eine Alternative waere doch in der Ausbildung fuer Absolventen mit FOR die FHS zu integrieren.

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