"Passen Sie gut auf Ihr Theater auf!"
20.06.2007 | 08:36 Uhr 2007-06-20T08:36:23+0200Hagen. (doro) Heute ist sein letzter Arbeitstag: Intendant Rainer Friedemann (60) packt die letzten persönlichen Dinge in seinem Büro zusammen. Und er verabschiedet sich ein letztes Mal vor der "Tannhäuser"-Aufführung vom Publikum und bittet um Spenden fü
Beim Abschied nach sieben Jahren - vom treuen Publikum, vom Ensemble und allen Mitarbeitern des Hauses - kommt schon eine Menge Wehmut auf. Denn das Theater war Friedemanns "zweite Heimat", in der er sich wohl fühlte.
Der Intendant geht mit "einem lachenden und einem weinenden Auge". Doch wenn er zurückblickt, überwiegen Freude und Stolz: auf die vielen erfolgreichen Theater-Produktionen, auf harmonische Zusammenarbeit, auf die Steigerung der Qualität in allen Bereichen.
"Es war am Anfang nicht leicht", gibt Rainer Friedemann zu. Übermächtig war der Schatten seines Vorgängers Peter Pietzsch und groß die Erwartungshaltung. Der freischaffende Regisseur musste sich erst in seine neuen Aufgaben einarbeiten. Mitarbeiterin Renate Schmidt war dabei eine starke Stütze. "Ihr konnte ich voll vertrauen, von ihr habe ich viel gelernt."
Pietzschs Erfolgsmodell Ur- und Erstaufführungen, Werkausgrabungen, Repertoire aus Oper, Operette, Musical und ein Schauspiel behielt Friedemann bei. Doch er trat an, ein Kinder- und Jugendtheater aufzubauen, ohne zusätzliches Geld, mit Mitteln aus dem Theater-Etat. Das gelang glänzend - dank Werner Hahn, "der das mit Leidenschaft verstand".
Rainer Friedemann holte auch Ballettdirektor Ricardo Fernando nach Hagen, der inzwischen mit seiner Compagnie einen Erfolg nach dem anderen feiert.
Dass die Qualität des Theaters deutlich gesteigert werden konnte, führt Friedemann auf sein künstlerisches Leitungsteam zurück: Gemeinsam mit GMD Antony Hermus, Chefdramaturg Dr. Christian Wildhagen und Chefdisponentin Gabriele Schreiber wurden die Spielpläne konzeptionell genauer und zugeschnitten aufs Ensemble erarbeitet. Steigende Publikumszahlen, immer mehr überregionale Anerkennung und beste Noten von den "actori"-Experten bestätigten die gute Arbeit.
Nicht so erfreulich war die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung. Wegen Nichteinhaltung des einschnürenden Spar-Kontrakts geriet der Intendant ins Kreuzfeuer der Kritik - bis zur Beschädigung seiner Person. Und aus der Presse musste er erfahren, dass sein Vertrag nicht verlängert wird...
Doch darüber spricht Rainer Friedemann nicht. Für ihn zählen beim Rückblick die schönen Erlebnisse und die künstlerischen Erfolge. Die Jahre sind wie im Flug vergangen, sie haben sehr viel Kraft gekostet, aber sie waren erfüllt.
Rainer Friedemann zieht mit seiner Familie wieder nach Kassel und wird künftig freiberuflich als Regisseur arbeiten. An seinem letzten Tag im Theater gibt der scheidende Intendant den Bürgern noch einen Rat, der ihm am Herzen liegt: "Passen Sie gut auf Ihr Theater auf!"
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